Und nochmal Bonavista
- Holger Schweitzberger

- 24. Juni 2025
- 6 Min. Lesezeit

unten Donnerstag, 12. Juni 18°C
Die gestrige Nacht war ganz schön windig. Trotzdem hat unser Camper nicht gewackelt, anscheinend haben wir richtig herum gestanden.
Wir stehen heute für unsere Verhältnisse ziemlich spät auf, erst 7:00 Uhr stehe ich im Bad. Danach bereite ich wie immer das Frühstück vor, während sich Heidi landfein macht.
Die Temperatur soll heute bis auf 18 °C steigen, dabei wird es aber wohl den ganzen Tag windig sein.

Zuerst wollen wir heute ein letztes Mal unsere Puffins besuchen. Ich bin gespannt, wie viele heute uns, auf ihrem Felsen, begrüßen.
Den restlichen Tag gestalten wir dann operativ. Wir haben mehrere Programmpunkte auf unserem Zettel, wie zum Beispiel Downtown Bonavista mit ihren vielen bunten Häusern oder einige Trails, die sich in der Umgebung befinden.
Bei unserem gestrigen Spaziergang auf dem Campingplatz haben wir noch entdeckt, dass es auch hier eine Dumpingstation gibt. So müssen wir nicht zur Tankstelle nach Bonavista fahren, um unsere Tanks zu entleeren.
Auf dem Weg zur Puffin Viewing Site, erzähle ich Heidi, dass ich einen Bericht von einem Mann las, der darin erzählte, dass die Puffins damals bis auf einen Meter an ihn herangekommen sind. Als Beweis hatte er einige Fotos davon gepostet.
Wir wollen heute eigentlich nur sehen, ob wieder einige Exemplare zu finden sind.
Der Parkplatz ist jetzt schon rammelvoll. Dabei sind wir schon eine halbe Stunde eher da als gestern. Ein gutes Zeichen?
Ich parke dann eben am Straßenrand, eine andere Möglichkeit gibt es ja nicht.
Als nun schon erfahrene Puffingucker, sehen wir schon von der Straße aus, das der Felsen wieder komplett schwarz ist. Heißt, auch heute sind die Papageientaucher wieder reichlich zur Beobachtung vertreten.
Diesmal allerdings stehen die mit Fotoapperaten und Videokameras bewaffneten Motivsucher nicht vor dem Hauptfelsen, sondern 50 Meter davor.
Als wir näher kommen, sehen wir warum. Zwischen all den Menschen laufen drei - vier Puffinpärchen herum, ihre Höhlen befinden sich direkt vor uns. Ist das Karma?
Was wir heute sehen, übertrifft sogar das gestrige Erlebnis. Wahnsinn. Die Vögel so nah betrachten zu können ist einmalig. Sie haben gar keine Scheu und kommen ganz dicht an uns heran. War gestern die Kolonie auf dem Hauptfelsen noch die Attraktion, werden sie heute fast ignoriert.
Obwohl wir hier heute nur ein kurzes Intermezzo einlegen wollten, bleiben wir doch fast eine Stunde um dem lustigen Treiben zuzusehen.
Unsere täglichen Besuche hier hatten immer eine Steigerung. Fing es mit einer kleinen Menge an Puffins an, endet es heute mit dem Höhepunkt.
Papageientaucher in Elliston sind am frühen Morgen (vor 10:00 Uhr) und abends (nach 18:00 Uhr) am aktivsten. Zu diesen Zeiten sind sie eher an Land, insbesondere während der Brutzeit von Mai bis September. Anwohner empfehlen dabei, die ersten ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang als beste Beobachtungszeiten.
Das trifft bei uns zu, vielleicht kann man das als Faustregel betrachten.
Hier ein paar Infos zu dieser Puffin Site
Die Elliston Puffin Site liegt nur einen halben Kilometer vom Elliston Municipal Park entfernt. Sie ist einer der am besten zugänglichen Orte in Nordamerika, um diesen in der Provinz heimischen Vogel zu beobachten.
Zwischen Mai und September bewohnen die farbenfrohen Alkenvögel ein Stück Land am Ende eines Felsvorsprungs. In weniger als fünf Minuten Fußweg auf einem schmalen, von Tausenden von Besuchern ausgetretenen Pfad erreichen Sie das Gebiet, das bei den Einheimischen als „Puffin Site“ bekannt ist.
Eine Volkszählung aus dem Jahr 1987 schätzte, dass 2500 Papageientaucherpaare die Küste von Elliston besuchten. In den letzten Jahren ist ihre Zahl jedoch dramatisch gestiegen.
Elliston war einst als Bird Island Cove bekannt – und das aus gutem Grund. Hier leben zahlreiche Seevögel und auch der Papageitaucher. Seit 1992 ist der Papageitaucher zudem der offizielle Vogel von Neufundland und Labrador.
Der Papageitaucher ist eine von vier Papageitaucherarten und die einzige, die im Nordatlantik lebt. Der lateinische Begriff lautet Fratercula arctica, wobei fratercula „kleiner Bruder“ und arctica „Norden“ bedeutet. Dieser wissenschaftliche Name lässt sich mit „kleiner Bruder des Nordens“ übersetzen. Der Papageitaucher ist aufgrund seiner interessanten Färbung auch als „Meerespapagei“ bekannt. Neben den Brutpaaren am Standort gibt es weitere auf North Bird Island und anderswo.
Papageientaucher haben eine einzigartige Färbung. Ausgewachsene Tiere haben einen leuchtend orangefarbenen, gelben und bläulichen Schnabel mit dazu passenden orangefarbenen Füßen. Das Gesicht eines Papageientauchers ist hauptsächlich weiß mit etwas zusätzlicher Färbung an der Schnabelbasis um die Augen herum. Kopf, Rücken und Flügel sind schwarz, während die Unterseite weiß ist. Beide Geschlechter sehen ähnlich aus, obwohl die Männchen tendenziell etwas größer als die Weibchen sind. Sie sind echte Seevögel und verbringen ihre meiste Zeit mit Schwimmen, Tauchen und Fressen. Papageientaucher können bis zu 70 m (200 Fuß) tief tauchen und werden von ihren kräftigen Flügeln angetrieben, die zum Schwimmen geeignet sind (siehe Video) . Unter Wasser verwenden sie ihre Schwimmhäute als Ruder. Bei der Jagd sammeln Papageientaucher verschiedene kleine Fische wie Heringe, Sprotten, Zooplankton, Fische (Schalentiere) und Sandaale. Mit der Zunge halten sie die Fische gegen die Stacheln in ihrem Gaumen, sodass ihr Schnabel frei ist, um weitere Fische zu öffnen und zu fangen.
Papageitaucher bauen Höhlen auf grasbewachsenen Klippen. Sie nisten auch zwischen Felsen. Männliche Papageitaucher übernehmen den Großteil der Arbeit beim Ausmisten des Nestbereichs, der manchmal mit Gras, Federn oder Seetang ausgekleidet ist. Die einzige Zeit, die Papageitaucher an Land verbringen, ist das Nisten, was etwa fünf Monate pro Jahr dauert. Partner werden vor der Ankunft in den Kolonien gefunden, und die Paarung findet auf See statt. Der Papageitaucher ist im Alter von 4–5 Jahren geschlechtsreif. Die Art ist monogam und hat zwei Elternteile. Jedes Jahr wird ein einzelnes Gelege gelegt, und die Brutpflicht teilen sich beide Elternteile. Die gesamte Brutzeit beträgt etwa 39–45 Tage, und das Küken braucht etwa 49 Tage, um flügge zu werden. Wenn es flügge wird, verlässt das Küken den Bau allein und fliegt/schwimmt aufs Meer hinaus, normalerweise abends. Entgegen der landläufigen Meinung werden junge Papageitaucher nicht von ihren Eltern verlassen. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Vogels beträgt etwa 20 Jahre.
Papageientaucher kehren im Mai in das Gebiet zurück und bleiben normalerweise bis Ende September.
Schweren Herzens verabschieden wir uns von den lustigen Tieren und begeben uns wieder zum Parkplatz.
Ich freue mich, dass der Besuch hier in Elliston so erfolgreich war und damit meine Erwartungen an diesen Ort übertroffen wurden. Wenn es am ersten Tag auch gar nicht danach aussah.
Das Wetter wird immer besser, nur ab und zu kommt ein kleiner Sturm auf. Der ist aber so schnell wie er gekommen ist, auch wieder verflogen. Was für ein Wortspiel.
Diesen Umstand nehmen wir zum Anlass, um zum Tickle Cove Sea Arch zu fahren. Er befindet sich ca. 50 km von Bonavista entfernt, Fahrzeit etwa eine Stunde.
Der Weg dahin führt durch viele kleine, bunte Fischerdörfer, und wenn man für 50 km eine Stunde benötigt, weist dass darauf hin, dass man bein Fahren auf riesige Schlaglöcher achten muss.
Der Parkplatz ist sehr klein, trotzdem finden wir einen Platz, denn er ist nämlich leer.
Am Trailhead steht ein Hinweisschild, dessen Inhalt ich mal hier übersetzt habe:
Dieser Meeresbogen ist ein von den Wellen verwittertes Felswunder, das durch die Kraft des Atlantischen Ozeans entstand. Meeresbögen bilden sich an Landzungen oder felsigen Flächen, die ins Meer ragen. Die Wellen tragen oder erodieren das Gestein auf beiden Seiten der Landzunge und schaffen Meereshöhlen, die sich schließlich zu einem Meeresbogen vereinen. Der Tickle Cove Sea Arch ist ein hervorragendes Beispiel für diese Küstenform und besteht aus Sedimentgestein, darunter rotem Sandstein, Schluffstein und Konglomeraten. Sie sehen geschwungene Risse, die mit einem weißlichen Mineral gefüllt sind? Ein genauerer Blick auf die Felswände des Bogens offenbart mit Quarz gefüllte Spannungsrisse, die die enormen Belastungen dokumentieren, denen diese Felsen auf ihrem Weg zu ihrem heutigen Standort ausgesetzt waren.
Ein gut ausgebauter Wanderweg mit Holzstegen verläuft am Ufer des Tickle Cove Pond entlang. Unterwegs sehen Sie große Granitblöcke, Felsbrocken, die von Gletschern von der anderen Seite der Bonavista Bay herantransportiert wurden. Einer Legende zufolge wurden die Findlinge von einem Riesen als Sprungsteine benutzt, der sie über die Bonavista Bay warf. Diese Legende wurde im Film „Bayo“ erwähnt, der in der Stadt gedreht wurde.
Die roten Felsen sind wunderschön, diese Farbe haben wir in Neufundland bisher noch nicht gesehen.
Wir sind ganz allein auf dem Gelände und haben bereits nach fünf Minuten die Hauptattraktioin erreicht: Den Arch. Die Wellen schlagen wie verrückt gegen das Gestein, das Wasser glitzert hellblau in der Sonne.
Über einige Trampelpfade können wir auch auf die anderen Felsen wandern und den Blick auf das Meer genießen. Wir versuchen zwar Wale zu erspähen, können aber keine entdecken. Schade.
Der Untergrund der Wege ist mit Moos bewachsen, so dass es sich schön weich läuft. Theoretisch könnten wir barfuß laufen - wenn da nicht ab und zu die spitzen Steine wären.
Auch hier ist es wunderschön, ein wohl relativ spärlich frequentiertes Gebiet, dass es wert ist, gesehen zu werden.
Nach einer Stunde und unzähligen Aufnahmen fahren wir wieder zurück nach Bonavista. Hier befinet sich der O'Deas Pond Boardwalk. Er soll einen Rundkurs bilden, von dem man die bunten Häuser der Stadt anschauen kann.
Er führt um einen See, in dem sich einige Vogelarten, so auch die Seeschwalbe, heimisch fühlen. Das ist es aber auch schon, nichts Besonders und von den Häusern sieht man auch nicht viel. Aber wir haben uns bewegt.


Der Eisberg, den wir vorgestern sahen, ist auch noch vorhanden, wenn auch etwas geschrumpft.
Am Campground angekommen, trinken wir Kaffee und essen Brownies. Es windet ziemlich stark, aber im Schatten unseres Wohnmobils sitzen wir geschützt.
Nach einer kleinen Siesta, grille ich die tollen Johnsonville-Würste und Heidi zaubert aus den Resten von gestern einen leckeren Salat.
Wir können sogar draussen essen, Seeblick inklusive. Als es kühler wird, ziehen wir uns auf unsere Sitzecke zurück und betrachten die heute aufgenommenen Videos und Bilder.
Die Oilers gewinnen 5:4 nach Verlängerung. Torschütze des entscheidenden Tores ist Leon Draisaitl. Geht doch!






















































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