Die Insel- und Nebelhauptstadt St. John's
- Holger Schweitzberger

- 23. Juni 2025
- 5 Min. Lesezeit

unten Freitag, 13. Juni 18°C
Seit Yellowstone 2014, als wir unser verloren gegangenes Gepäck wieder erhielten, ist Freitag, der 13. unser Glückstag. Denn just an diesem Tag, trat dieses für uns damals freudige Ereignis ein.
Und so lassen wir uns auch heute nicht von diesem bösen Aberglauben verunsichern und starten fröhlich in den Tag. Abergläubisch sind wir sowieso nicht - das bringt nämlich Unglück.
In Bonavista soll es heute regnen, St. John's dagegen wird von der Sonne und 20°C heimgesucht.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir die Halbinsel. Hier hat es uns bisher am Besten gefallen. Das hat sicher mit der Puffinkolonie zu tun, aber auch das hier alles was uns an Neufundland fasziniert, komprimiert vorhanden ist. Seien es die Eisberge, Wale, raue Küsten oder Seevögel.
Wir haben mit unseren Entscheidungen, wie wir die Tage aufteilten, komplett richtig gelegen. Die Wal- Und Puffintour am ersten Tag, bei Sonnenschein durchzuführen war ebenso perfekt, wie der Besuch der Winery bei Regen oder die mehrmaligen Besuche der Puffin Sites. Auch das wir drei statt der ursprünglich geplanten zwei Tage hier blieben, war rückblickend sinnvoll.
Der Morgen beginnt, statt der traditionellen Tortillas - die sind alle - mit Ciabatta. Ansonsten bleibt alles gleich: Käse, Creme cheese, Tomaten und Oliven. Der Himmel ist noch blau, die Sonne scheint und es ist windstill.

Wir packen alles zusammen, statten noch einmal der Dumping Station einen Besuch ab und machen uns auf die 300 Kilometer lange Reise nach St. John's. Dort haben wir schon einen Campground gebucht der nah an der Innenstadt liegt - nämlich im Pippy Park. Während der Fahrt rätseln wir schon, wie er denn von den Einheimischen ausgesprochen wird. Pippi, Peipi oder Peipei.
Die Route verläuft heute folgendermaßen, wir planen dafür drei - vier Stopps ein, da der TCH immer noch nicht aufregender ist.
Ein zusätzliches Argument für viele Pausen ist der wirklich sehr schlechte Fahrersitz im Camper. Da er nicht höhenverstellbar ist, muss ich auf einer selbstgebastelten Erhöhnug sitzen und die Rückenlehne ist nur begrenzt verstellbar. Das hat zur Folge, dass ich wegen meiner nun komischen Sitzposition, nach spätestens 80 Kilometern Nacken- bzw. Rückenschmerzen bekomme.
So gut und komfortabel unser RV auch ist, dieser Umstand trübt etwas das Fahrgefühl.
Straßentechnisch gibt es nichts Neues zu berichten. Der Zustand wechselt sich immer wieder in loser Reihenfolge ab. Wir fahren ca. 80 Kilometer bis zum TCH, diese Strecke kennen wir schon, sind wir sie doch vor ein paar Tagen auf der Hintour schon bereist.
Vorbei an den Baustellen, an denen wir heute nicht warten mussten, da wir mit SLOW zum Weiterfahren animiert werden, tanken wir noch einmal voll. Ich schaffe es immer wieder, mir die teuerste Tankstelle in der Umgebung auszusuchen. Sind es auch nur ein paar Cent Unterschied, macht es bei getankten 100 Litern doch ein paar Dollar aus.
Der Vorteil des Trans Canada Highway ist, dass es alle paar Kilometer eine Passing Lane gibt, die meist auch zwei Kilometer lang ist. So muss ich nicht auf "Teufel komm' raus" die Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h ausreizen. Zumal ich mich höllisch auf die teilweise 30cm tiefen Schlaglöcher konzentrieren muss. Anders als auf dem Alaska Highway, wo sie mit roten Fahnen markiert sind, wird hier nicht auf sie hingewiesen.
Dafür erscheinen alle 20 Kilometer lustige Elchschilder, die, wie wir ja schon wissen, darauf hinweisen, hier auf keine Moose zu treffen. Wir lachen jedes Mal, wenn diese gelben Comics am Straßenrand auftauchen.
Die Einheimischen haben allerdings großen Respekt vor den Kolossen. Gerade am frühen Morgen tauchen sie unvermittelt auf den Straßen auf, „Wie aus dem Nichts“, erklärte uns damals der Skipper unserer Waltour.
Eigentlich hatte ich einen Haltepunkt bei einem Walmart gesetzt. Hier wollen wir etwas Wasser und Tortillas kaufen. Irgendwie muss aber google Maps meine Angabe uminterpretiert haben. Plötzlich ist die Straße zu Ende und eine große Anlage die sich mit Erdöl beschäftigt, versperrt den Weg. Zum Glück gibt es einen Parkplatz auf dem wir wenden können. Dann pausieren wir eben hier. Wir trinken Kaffee und essen Brownies.
Ungefähr 80 Kilometer vor St. John's wird der Highway 1 permanent zweispurig. Außerdem wird er wohl in Heidis Google maps als Autobahn deklariert und Autobahnen sind bei Heidi zu vermeiden. Bis wir diesen Fauxpax bemerken, werden uns nun ständig unterschiedliche Routen angezeigt.
Der Wind wird an einigen Stellen schon sehr stark, so dass ich teilweise nur mit 70 km/h fahren kann, selbst die Trucker reduzieren ihre Geschwindigkeit. Wir merken, dass wir in eine Großstadt (für neufundländische Verhältnisse) fahren, der Verkehr wird dichter, es gibt sogar Rowdys die statt der vorgeschriebenen 100 km/h mit rasanten 105 km/h an allen vorbei ziehen.
Bevor wir zum Campground abbiegen, fahren wir noch schnell zum Walmart. Der hat so ein Angebot wie wir es aus den USA kennen. Wir arbeiten unseren Muttizettel ab und fahren danach endlich zum Pippy Park Campground.


Sieben Kilometer später stehen wir vor der Registration. Der Check In geht schnell, ich bekomme sogar WiFi, obwohl ich das gar nicht buchte. Prima, obwohl - mein mobiles Gerät zeigt mir 5G an.

Wir haben die Site 66, Full Hookup, Backin. Aber dank der integriertenElektronik, ist das Einparken mit dem etwas über acht Meter langen Gefährt, relativ problemlos. Außerdem habe ich noch die weltweit beste Einparkhilfe neben mir zu sitzen.
Für einen städtischen Campingplatz ist er super ausgestattet. Wir haben wieder eine private Site, abgeschirmt durch Bäume und Sträucher. Es gibt, wie bisher eigentlich überall, Spielplätze für die Kinder, einen kleinen Einkaufsladen und kostelose Duschen und Toiletten - selbstredend in einem tadellosen Zustand. Eine Nacht kostet all inklusive ca. 34€.
Mit Erschrecken stellen wir fest, dass uns unsere Wetter App angelogen hat. Statt der vorhergesagten 20°C , hat sie sich nun auf SECHS modifiziert, zusätzlich soll es in den nächsten zwei Stunden regnen. Wir können es gar nicht glauben, sitzen wir doch gerade bei Kaffee und Kuchen vor unserem Camper und schwitzen ob der noch sehr stark scheinenden Sonne.

Sie soll leider Recht behalten, schon 30 Minuten später kühlt es richtig ab und es wird windig. So war es nicht geplant.
Allerdings tangiert uns das nur wenig, da wir sowieso nur in die Innenstadt wollen um einen Pub zu besuchen und etwas zu essen. Cod Tongue steht noch auf der To Do-Liste.
Wir rufen einen Uber und sind 7€ später in der kalten Downtown. Auf der Fahrt dorthin konnten wir schon die berühmten Jolly Bean Häuser bewundern, die stehen aber erst morgen auf dem Programm.
Zum ersten mal im Urlaub sehen wir obdachlose Menschen und Bettler. Wir sind wieder in der Realität angekommen. Es ist wirklich arschkalt - aber was müssen wir sehen? Männer und Frauen sind wohl kälteresistent und tragen, na ja ich würde es Strandbekleidung nennen oder weniger. Wahnsinn. Wir haben schon geweint, weil wir unsere Schals vergaßen und hier laufen Saunabesucher durch die Gegend.
In der Water Street wollen wir ins Yellow Bell, einem Pub der uns im Vorfeld am Besten gefiel. Aber heute ist Freitag abend, und wie wir es schon in Vancouver zu dieser Zeit erlebten, ist es auch hier. Der Pub ist schon krachend voll. Keine freien Plätze - mindestens die nächsten zwei Stunden.
Zum Glück hat St. John's nicht nur einen Pub und so finden wir The Duke of Duckwoorth der sich - natürlich - in der Duckwoorth Road befindet. Auch hier ist es schon ganz schön voll, aber wir haben Glück und ergattern noch einen 2-er Tisch.
Im Fernsehen läuft die Wiederholung des letzten Oiler-Spiels. Einige Gäste kommen mir so vor, als kennen sie das Ergebnis noch nicht, so fiebern sie mit.
Wir essen Fisch und Chips, Cod Tongue wird nicht angeboten, und trinken zwei Pints. Man fühlt sich wie in einem englischen Pub. Sehr gemütlich aber auch sehr laut. Vielleicht liegt es daran, dass wir jetzt knapp zwei Wochen nur von Ruhe umgeben waren, jedenfalls sind wir froh, als wir wieder auf der Straße sind.
Wir schnappen uns einen Uber der uns zurück zum Campground - der übrigens Pippi ausgesprochen wird - bringt. Er würde uns sogar bis zu unserer Site fahren, aber wir wollen lieber noch etwas laufen.
Schnell heizen wir unseren Innenraum auf gemütliche 24°C, trinken noch einen Rotwein und überlegen, was wir morgen anstellen werden.
































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