Petra: Der Hauptweg - Al Khubtha Trail - High Place of Sacrifice Trail
- Holger Schweitzberger

- 19. Nov. 2021
- 7 Min. Lesezeit
4:35 Uhr - Goooooood mooooorning Petra.
Auch hier bleiben wir nicht verschont. Direkt im Nebenzimmer muss es sein, von wo aus er seine Ansprache hält.
Heute wollen wir pünktlich nach dem Frühstück - also gegen 7:00 Uhr mit dem Auto zum Visitors Center von Petra fahren um von dort unsere Tageswanderung zu starten.
Pünktlich sind wir wach, Frühstück gibt es ab 6:30 Uhr. Perfekt. Genau um diese Zeit stehen wir vor dem Restaurant und werden herzlich herein gebeten. Auch in diesem Hotel sind alle Mitarbeiter sehr freundlich und nett.
Wir haben einen schönen Platz am Fenster mit Blick auf die Stadt, doch der selbe auf das Büffet sieht ernüchternd aus.
Also für den europäischen Geschmack ist alles vorhanden, der arabische wird leider stiefmütterlich behandelt.
Die Joghurt-Käse- Creme reicht gerade einmal für mich, aber das Schlimmste folgt erst: Es befindet sich kein Hummus auf der Tafel.
Ich frage den Mitarbeiter danach und er versichert, dass in einigen Minuten auch Hummus gereicht wird. Puh.
Dies ist auch der Fall, er wird uns sogar direkt an den Tisch gebracht und wir können uns von dem großen Teller bedienen.
Doch bereits beim Auffüllen merken wir, das etwas nicht stimmt. Wir, als mittlerweile ausgewiesene Hummusexperten, erkennen die Konsistenz sofort als mangelhaft an.
Und so ist es dann auch, alles schmeckt nach Dose, keine Gewürze sind zu erkennen und der Brei klebt wie Kleister.
Eindeutig: Das ist KAT 4 in seiner ganzen Pracht. Wir hätten nicht gedacht, dass wir das in Jordanien erleben.
Dafür bekommen wir aber ein Lunchpaket für die heutige Tour durch Petra gestellt. Und das erweist sich als ziemlich gut: Sandwiches, Cola, Wasser, Bananen und Obst sind darin enthalten.
Kurz nach sieben starten wir. Das Navi zuckt zu Beginn etwas herum, hat dann aber den richtigen Weg gefunden. 1,8 km ist der Eingang von unserem Hotel entfernt.
Doch es kommt wie es kommen muss - Straßenarbeiten verhindern das Weiterfahren, ein Umleitungsschild ist nicht in Sicht.
Fünf Minuten dauert es bis wir uns aus dem Straßengewirr befreit haben und eine andere Route angezeigt bekommen.
Die führt mich aber prompt in eine Einbahnstraße - allerdings in entgegengesetzter Richtung.
Da hupen auch alle Jordanier und weisen einen auf sein Missgeschick hin. Wahrscheinlich ist dieser Verkehrsübertritt der einzige der nicht toleriert wird.
Ich habe allerdings kein Verkehrszeichen gesehen, dass die Durchfahrt verbot. Erst am Abend schaue ich mir die Einfahrt noch einmal an und siehe da, ja es existiert ein solches Verkehrsschild - dieses steht jedoch ganz unscheinbar am linken Fahrbahnrand. Ich dachte immer Verkehrsregeln wären international.
7:30 Uhr kommen wir - natürlich verspätet - an. Ich finde schnell einen Parkplatz. Dank meiner Unwissenheit, parke ich aber auf einem Berg, von dem aus wir zum Visitors Center herunter laufen müssen. Das soll sich heute Nachmittag rächen - dann müssen wir nämlich hier wieder hoch kraxeln.

Heute wider der Jordanpass zu ersten Mal gescannt. Anschließend bekommen wir Eintrittskarten, die drei Tage gültig sind.
Schon am Eingang stehen die ersten Buden und Imbisse, die ihre Waren an den zu früh aufgestandenen Petra Besucher bringen wollen.
Etwas später gesellt sich die beduinische Pferdemafia hinzu, sie wollen unbedingt einen Ritt zum Haupteingang verkaufen. Natürlich zu einem "Special Price" bzw. "Happy Hour Price".



Wir antworten gar nicht mehr sondern lächeln nur zurück und gehen weiter. Man muss wissen, dass der Zugangsweg zum Eingang nach Petra ein ca. 1,5 km Weg ist. Wie wir nachmittags feststellen, geht er leicht bergauf - beim Rückweg.
Aber wir sind heute morgen fit, 21°C und strahlend blauer Himmel sind unsere Begleiter.
Mann weiß nicht genau wann Petra erbaut wurde, aber die Stadt begann als Hauptstadt der Nabatäer ab dem 1. Jh v.C. zu florieren. Reich wurde die Stadt durch den Handel mit Weihrauch, Myrrhe und Gewürzen. Dann wurde Petra - wie kann es anders sein - von den Römern annektiert und gedieh weiter bis es 363 n.Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde.
Spätestens im 7. Jahrhundert war Petra endgültig verlassen und versank in der Vergessenheit.
1812 kam ein Schweizer Forscher in die Gegend, kleidete sich wie ein Araber und überredete die Beduinen ihm diese Stadt zu zeigen. Erst danach wurde Petra auch in der westlichen Welt bekannt und zog Besucher in ihren Bann.
Petra ist UNESCO-Kulturerbe und eines der sieben neuen Weltwunder. Sie ist auch als rosa Stadt bekannt, da die Fassaden aus dem rosafarbenen Sandstein herausgearbeitet wurden.
Die Nabatäer begruben ihre Toten in Felsengräbern, die sie in die Bergwände
meißelten. Aus der römischen Besatzungszeit stammen Tempel, ein Theater und Reste einer säulengeschmückten Prachtstraße. Darüber hinaus sind die Ruinen einer byzantinischen Kirche zu besichtigen
Zusätzlich hat man über 10.000 Jahre alte Spuren menschlicher Besiedlung in der Gegend gefunden, die großartige natürliche kulturelle, archäologische und geologische Schätze aufweisen.
Auf dem Weg zum Siq begegnen wir dem Bab al Siq. Das ist ist arabisch und bedeutet Tor zum Siq.
Hier sehen wir zuerst drei quadratische, aus Stein gemeißelte, sogenannte Djinn (Geister)- Blöcke, und passieren danach das Obeliskengrab, das von den Nabatäern im 1. Jahrhundert v.Chr. errichtet wurde.
Über dem Grab kann man vier Pyramiden erkennen und eine Nische mit dem Relief einer Statue, die die fünf hier Begrabenen symbolisieren.

Darunter befindet sich das Triclinium, eine Banketthalle. Im gegenüberliegenden Felsen weist eine in nabatäisch und griechisch verfasste Inschrift auf die Begräbnisstätte hin.
Der von Abdomanchos aufgeschrieben Text weist darauf hin, dass das Grab für ihn selbst und seine Familie bestimmt war. Es stammt wahrscheinlich aus der Regierungszeit von Malichus Il (40 - 70 v.Chr).
Der Siq selbst ist eine schmale Schlucht die mehr als einen Kilometer lang ist und die Besucher nach Petra führt. Einst überspannte ein Triumphbogen den Eingang zum Siq. An beiden Wänden der Schlucht entlang verlaufen Wasserkanäle. Der Siq ist ein äußerst beeindruckender Zugang zu Petra und birgt viele Relikte aus der Vergangenheit der Stadt, z.B. eine gepflasterte Straße, eine Sabinos Alexandros Staue und nabatäischeheilige Steine, sogenannte baetyls.





Er ist wunderschön und wir können uns kaum satt sehen. Eine kleine Ähnlichkeit mit dem Antelope Canyon in den USA ist zu erkennen. Am liebsten würde ich viele Fotos machen, doch die Sonne steht am Morgen dazu sehr schlecht. Das hole ich nachmittags nach.
Der Siq endet an Petras wohl bekanntestem Bauwerk, dem Schatzhaus oder Al Khazna. Die Fassade ist fast 40 Meter hoch und reich dekoriert mit korinthischen Kapiteln, Fresken und Reliefs. Gekrönt wird die Fassade durch eine riesige Urne, die einer Legende nach den Schatz eines Pharaos enthielt. Das Schatzhaus wurde vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut.
Hier ist der Startpunkt zu allen Trails, das bedeutet, wir müssen jeden Tag wenigstens bis hierher laufen.



Es wimmelt von Kamelen und Eseln, die alle darauf warten die Touris irgendwohin zu transportieren. Wir sahen aber nur Russen, meist Frauen in eleganten Kleidern, die lachend, posierend herumritten. Hauptsache sie wurden fotografiert.
Ich indes habe mir eine Strategie ausgedacht um die ganzen Anfragen der Beduinen zu umgehen bzw. zu mildern. Ich wünsche ihnen ein freundliches "Salem Aleikum", worauf sie immer "Aleikum Salam" antworten müssen. Diese zwei bis drei Sekunden reichen dann aus um an ihnen vorbei zu laufen. Dann hören wir nur noch von hinten leise "...Special Price"
Wir laufen den Hauptweg bis zum Ende. Die Länge der Strecke wird mit 8,4 Kilometern angegeben. Hin und zurück. Auf dem Weg befinden sich viele in den Stein gemeißelte Gebäude, u.a. das Amphitheater oder eine byzantinische Kirche.
Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus so sind wir überwältigt. Einerseits von den technischen Meisterleistungen der damaligen Zeit und andererseits von der Schönheit der Gebäude und der gesamten Landschaft.
Zwischendurch machen wir einen Abstecher, über den Al Khubtha Trail, zu den vier Königsgräbern: dem Urnen-, dem Seiden-, dem Palast- sowie dem Korinthischen Grab.
Für die meisten Besucher endet die Entdeckungstour in Petra am Qasr-Al-Bint, dem Mädchenschloss.
Doch auch von hier gehen noch viele Trails zu den verschiedenen Punkten in Petra ab.
Wir entscheiden uns für den High Place of Sacrifice Trail. Er ist mit einer Länge von drei Kilometern angegeben, Schwierigkeitsstufe: hard (die höchste). Egal, Tobi hat gesagt, wenn man diesen Trail von hinten - also da wo wir uns jetzt befinden - startet, ist er einfacher zu laufen.
Vorher trinken wir noch einen Tee um danach erst einmal die falsche Richtung nu nehmen. Der Weg dreiteilt sich, aber keine Hinweisschilder wiesen uns den richtigen Trail.
Der Beduine bei dem wir Tee tranken, hilft uns schließlich und so kann die Wanderung losgehen. Bergauf. Fröhliche, nicht schwitzende Wanderer kommen uns entgegen. Wir tun so als würden uns die Strapazen nichts ausmachen und laufen locker, wenn wir uns begegnen, lächelnd an ihnen vorbei.
Gefühlte 1000 Stufen laufen wir heute, 90% davon bergauf. Die Ausblicke und die auf der Strecke liegenden antiken Gebäude entschädigen aber für alles. sagt man doch so, oder?
Trotzdem wollte ich Tobi ein oder zweimal töten. Ein Granatapfelsaft entschädigt schließlich für die ganze Plackerei. Irgendwann laufen wir auch wieder bergab und freuen uns schwitzende Menschen, bergauf laufend zu sehen.
Wahrscheinlich war unser Werg sogar leichter zu laufen, da wir immer Stufen erklimmen mussten. Die andere Richtung lief bergauf meist aus Steinplatten.
Unsere Pausen werden häufiger, aber wir haben ja Zeit. Schließlich kommen wir wieder auf Höhe des Amphitheaters wieder auf den Hauptweg. Jetzt geht es nur noch geradeaus. Denke ich. Aber wie eingangs schon erwähnt, verläuft die Strecke nach dem Siq-Ausgang leicht bergauf.
Am Schatzhaus wollen wir noch einen Tee mit Blick auf des selbige trinken. Es gibt viele freie Plätze, eine Minute später weiß ich auch warum Der Tee soll 2 JD kosten. Ich lache sie nur aus und wir gehen wieder. Der normale Preis für Tee beträgt normalerweise nur einen Dinar.
Wir spüren nun unsere Rücken und Oberschenkel und sind froh als wir den Ausgang des Visitors Center erreichen und unser Auto am Ende des Berges erblicken.
Knapp 15 Kilometer war unsere heutige lauftechnische Ausbeute, davon über drei Kilometer steil bergauf. Schritte: 21.511 Schritte.
Im Hotel trinken wir auf dem Balkon eine kalte Cola und legen uns schließlich zur Regeneration ins Sauerstoffzelt.
Was für ein toller Tag mit unbeschreiblichen Erlebnissen. Wir freuen uns schon auf morgen, da wollen wir zum Ad-Deir - dem Kloster. Eine ähnliche Höllenstrecke wie heute, müssen wir ja zuerst sowieso bis zum Ende des Hauptweges marschieren.
Abends geht es noch einmal in die Innenstadt zum Abendessen. Im Wadi Restaurant bestellen wir Kamel Kebap und Mansaf (Lamm mit Reis). Beides schmeckt sehr gut, aber 20:30 Uhr sitzen wir wieder auf dem Balkon. Ein Bier und ein Wein und dann ins Bett.



Morgen geht es 6:00 Uhr nach Petra, dort geben wir uns dem Monastery-Trail.












































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