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Aqaba - Anflug, Souk und Mezze

3:30 Uhr - Goooooood mooooorning Hönow.


So weckt mich der Muezzin zu nachtschlafender Zeit, aber da unser Flieger schon 7:50 Uhr startet ist das völlig in Ordnung. Denke ich. War aber kein Muezzin, sondern nur Heidis Wecker. Egal, wach ist wach.


Heute ist es endlich soweit, kein Corona hat und einen Strich durch die Reiseplanung gemacht.

3:30 Uhr ist heute mein sonstiges 7:00 Uhr. Ich bzw. wir stehen auf. Orientierungslos irre ich die ersten Minuten durch sämtliche im Haus zur Verfügung stehenden Etagen und Räume. Wer nur das zu frühe Aufstehen erfunden hat.


Aber was bleibt uns übrig, der Flieger soll früh starten und beim besten Flughafen der Welt weiß man auch nie was passiert.


Wir trinken noch Kaffee bzw. Kakao und machen uns startklar. Die Koffer haben wir gestern schon gepackt, so dass wir nur noch Kleinkram in die Campingbeutel packen müssen.


Haben wir noch etwas vergessen? Auf keinen Fall - aber sicher doch. Ich muss nur abwarten, dann meldet sich Heidi schon.


4:40 Uhr steuere ich in noch vollkommener Dunkelheit unseren Opel Richtung Autobahn. "Ich glaube wir haben die Autopapiere vergessen" höre ich eine mir sehr vertraute Stimme säuselnd fragen. Ich wusste es. Aber wegen solchen Kleinigkeiten wird kein Return to Start durchgeführt. Uns wird schon niemand kontrollieren, sind es doch wertvolle Millisekunden die uns verloren gehen würden.


Die Autobahn ist leer, bei Tesla sieht es aus, als ob die Baustelle bald beendet werden würde, sie sind schon ziemlich weit. Da kann man mal wieder sehen, wie schnell es geht, wenn die private Wirtschaft Druck macht.


5:20 Uhr kommen wir am BER an, wir stellen das Auto wieder im Parkhaus 3 ab und machen uns umgehend auf den Weg zum Check In.

Gestern war ja wieder ein weiterer Glanztag der in die Annalen des noch so jungen BER eingehen wird. Ein fälschlicher Brandalarm in einer Toilette brachte die ganze Passierabfertigung zum Erliegen. Bereits sicherheitsüberprüfte Reisende mussten ihren Bereich wieder verlassen um das Procedere noch einmal über sich ergehen zu lassen. Informationsservice und Krisenmanagement? Fehlanzeige.


Das ist heute zum Glück ganz anders. 5:44 Uhr sind wir eingecheckt und die Koffer sind aufgegeben. 6:01 Uhr haben wir den Sicherheitscheck bestanden. Wir sind halt auf dem besten Flughafen der Welt.

Easyjet nach Aqabar

Am Gate C18 frühstücken wir die erst einmal die selbstgemachten Brote und 7:20 Uhr beginnt pünktlich das Boarding. Wir sitzen in der dritten Reihe und da der Flieger nur zu ca. 85% ausgelastet ist, bleibt der dritte Platz frei, so dass wir uns während des Fluges schön breit machen können.


Ich darf einen Blick in das Cockpit werden und erfrage die heutige Reiseroute. Sie sieht folgendermaßen aus:


Deutschland - Polen - Tschechien - Ungarn - Rumänien - Bulgarien - Türkei - Zypern - Israel und dann Aqaba.


Der Flug ist mit 4:25h terminiert, die Temperatur am Zielort wird mit 27°C angegeben.

7:55 Uhr starten wir pünktlich, die Sonne scheint schon unbarmherzig durch die Fenster. Es gibt Schlimmeres.


Ich mache es mir mit Hummeldumm von Tommy Jaud bequem, Heidi hört Adele. Plötzlich hat Heidi einen Lachflash. Nun hört auch sie Hummeldumm und gemeinsam lachen wir um die Wette. Ein Hörbuch das sich echt lohnt. Stimmt es uns doch schon auf unsere nächste Sommerreise ein.


Die Geschichte handelt ja von einer Reisegruppe in Afrika. Ein einprägsamer Satz des Tourguides lautet: Ist die Schlange schwarz und bewegt sich nicht, ist es ein Ast. Ein wichtiger Tipp wie ich meine.


So vergeht die Zeit wie im Flug (hahaha) und pünktlich landen wir auf dem Flughafen in Aqaba. Ein Mini-Flughafen, etwas größer als Ko Samui, dafür aber mit 33°C. Der Landeanflug dahin ist atemberaubend. Wir sitzen zum Glück auf der richtigen Seite (links) und haben einen herrlichen Blick auf das Rote Meer und Aqaba.

Rotes Meer und Aqaba

Dritte Reihe im Flieger bedeutet auch, dass man ziemlich als Erster den Flieger verlassen kann. So müssen wir nicht lange bei der Visaausstellung und der Passportkontrolle warten. Auch den Covid-Check bestehen wir und werden damit auf die jordanische Bevölkerung losgelassen.

Eingang zum Airport-Gebäude
Airport Aqaba

Am Geldautomat erstehe ich ein paar Dinar, damit wir die Taxifahrt zum Hotel bezahlen können. Für einen Festpreis von 10 Dinar fährt uns der Cousin von Bud Spencer in die Innenstadt. Er ist in Aqaba geboren und möchte auch nirgendwo anders wohnen. Schon gar nicht in Amman - da ist viel zu viel Verkehr.

Cabdriver und Cousin von Bud Spencer

Nach zehn Minuten kommen wir am Hotel an. Es liegt super zentral und zur Begrüßung erhalten wir kalten Granatapfelsaft.


Unser Zimmer befindet sich im fünften Stock, es hat einen Balkon und somit einen grandiosen Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge.


Wir machen uns etwas frisch, Heidi bestimmt die Bett- und ich die weitere Tagesplanung.

Im sommerlichen Outfit versuchen wir als erstes eine SIM Karte zu erstehen. Das scheitert schon einmal, weil ich den Pass im Hotel gelassen habe. Also wieder retour, Pass eingesteckt und wieder zur Telekommunikationszentrale. Jetzt eröffnet mir ein neuer Mitarbeiter, dass keine Ausländer wegen Corona in die Geschäfte gelassen werden.


Das glaube ich ihm zwar nicht, aber es hilft ja nichts, suchen wir halt einen anderen Laden. Wir marschieren durch den Souk, müssen überall an die Stände kommen, gucken und Tee trinken. Wie im Iran ist auch hier niemand aufdringlich oder fordernd.

Laden im Souk
Typische Männerkleidung
Der Metzger deines Vertrauens
It's teatime

Im nächsten Mobilshop kaufe ich eine Karte mit 40 GB Datenvolumen für 23€. Super Preis. Der Verkäufer setzt die Karte ein, klickt noch auf ein paar arabische Links und schon sind wir auch außerhalb des WLANs online. It's magic.

Die Innenstadt Aqabas ist größer als wir im Vorfeld annehmen. Uns gefällt es auf Anhieb wunderbar. Wir lassen uns durch den Basar treiben und erfreuen uns am lauten und fröhlichen Treiben der Menschen. In Aqaba leben ca. 150.000 Menschen.


Die Bordsteinkanten sind genau so hoch wie im Iran. Und ausgerechnet Heidi, die mich sonst immer ermahnt aufzupassen, werden diese beinahe zur Falle. Nur mit Mühe kann sie sich auf den Beinen halten, als sie auf die Straße tritt. Ein unmittelbar betroffener Straßenfeger und ich können uns das Lachen nicht verkneifen, ist ja zum Glück nichts passiert.

Aqaba
Aqaba
Aqaba
Aqaba

Langsam aber sicher werden wir ob der umherschwirrenden Düfte hungrig. Gleich gegenüber von unserem Hotel befindet sich das Restaurant Alshinawi. Traditionelle jordanische Küche - genau das suchen wir.

Wir sitzen auf der Terrasse und haben das Glück, das WLAN unseres Hotels nutzen zu können. Also immer dann wenn der Wind gut steht.


Wir ordern Hummus, Tabulleh, arabischen Salat (was sich als Tomaten-Gurken-Salat heraus stellt) und Oliven. Alles Vorspeisen. Hauptspeisen wollen wir erst danach bestellen. Eine weise Entscheidung. Dazu noch zwei Cocktails: Limette-Minze und Guave-Minze (für Heidi).

Mezze
Guave (links) und Limette
Na was wohl...
The check, please

Das Essen ist fantastisch, der Hummus der beste meines Lebens und auch die Oliven sind Spitzenklasse. Die Portionen sind riesig, so dass wir gar nicht alles schaffen. Die alkoholfreien Getränke tun ihr übriges - ich muss nicht erwähnen, dass auch sie wunderbar schmecken.


Zum Abschluss noch einen Tee und nachdem wir unseren Obolus von ca. 18€ inkl. Trinkgeld hinterlegt haben, müssen wir unbedingt noch etwas spazieren gehen.

Alles ist hell erleuchtet (gegen 17:00 Uhr wird es dunkel), die Restaurants liegen einladend nebeneinander und wir sind leider satt.

Aqaba bei Nacht
Aqaba bei Nacht
Hotel Lacosta - auch bei Nacht

Wir stellen beide fest, dass uns dieses Fluidum im Iran doch sehr gefehlt hat. Dort bestand nie die Möglichkeit draußen zu sitzen um zu essen und zu trinken. Sehr schade für die iranischen Menschen.


Ein Liquor-Store können wir gleich neben unserem Hotel aus machen. "6:30 Uhr" erwidert der Besitzer nachdem ich ihn nach der morgigen Öffnungszeit frage. Und freut sich diebisch weil es so früh ist. Für uns ideal, wollen wir doch gegen 10:00 die Stadt verlassen.

Wir kaufen noch eine Cola, setzen uns auf den Balkon und betrachten das abendliche Treiben in der Stadt am roten Meer.

Und das ist sehr unterhaltsam. Wir sind erstaunt, wie doch sehr gesittet gefahren wird, jeder nimmt auf den anderen Rücksicht. Auch scheinen sich alle untereinander zu kennen. Wir hören nämlich ununterbrochenes Hupen, dass zur Begrüßung der anderen Verkehrsteilnehmer initiiert wird. So unsere Theorie.


Der Höhepunkt allerdings ist das Pferd, dass urplötzlich auf der Hauptstraße, wahrscheinlich stark angetrunken, erscheint. Im Schlepptau bzw. Sattel befindet sich ein hilfloser Reitsportfreund, der so gar nicht weiß wie ihm geschieht. Ihm gelingt es allerdings nach einer geraumen Zeit, sich vom Rücken des bockigen Hafermotors zu befreien um im Anschluss das genervte Tier am Seil zum Ursprungsort zurückzuführen.

Morgen früh holen wir unseren Mietwagen und dann beginnt unsere Rundreise, beginnend mit der Wüste Wadi Rum.


Voller Vorfreude kuscheln wir uns unter unsere warmen Decken im 26°C kalten Schalzimmer.





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