Wir sind Familie, sind ein Clan, wir sind ein Blut
- Holger Schweitzberger

- 26. Juli 2021
- 5 Min. Lesezeit
Song of the day: Udo Lindenberg: Stärker als die Zeit
17. Juli: Abschied vom wunderschönen Le Cave di Fontane Bianche und seinen beiden liebenswerten Gastgebern. Die Sonne strahlt bereit wieder 6:30 Uhr mit voller Kraft - es sind 23°C - Zeit noch einmal das Ionische Meer mit einem Badebesuch zu beglücken.
Heute fahren wir weiter nach Alcamo, das befindet sich in der Nähe von Castellammare del Golfo, in die Villa Verde. Auch hier erwartet uns ein Appartement mit angrenzenden Swimmingpool.
Auf dem langen Weg dorthin haben wir als Zwischenstopps Agrigent und Corleone als Zwischenstopps ausgewählt.
Aber jetzt erst einmal baden. Die Fahrt dahin beherrschen wir nun fast im Schlaf, wir finden einen guten Parkplatz und breiten danach unsere Sachen auf dem weißen Strand aus.
Das Meer ist wie bisher immer, ganz ruhig, auf dem Meeresboden sehen wir die Fische schwimmen.
Es ist am Strand noch ziemlich leer, aber auch heute füllt es sich relativ schnell. Obwohl überall noch massig Platz ist, lässt es sich kein Neuankömmling nehmen, sich direkt, das heißt höchstens einen Meter, neben einen schon vorhandenen Platz niederzulassen.
Uns egal, wir bleiben ja sowieso nur maximal eine Stunde hier.



Heidi hat ihr Fernglas dabei und erspäht in einiger Entfernung einen Delfin, der ab und zu seinen Körper aus dem Wasser schiebt. Ein toller Anblick, der allerdings dadurch getrübt wird, dass sich bei genauerem Hinsehen der Delfin als ein Schwimmer entpuppt. An der Detailgenauigkeit müssen wir also noch arbeiten.
Schweren Herzens nehmen wir Abschied von diesem schönen Fleckchen Erde und begeben uns zu unseren Koffern. Denn diese werden wir jetzt packen und im kleinen Kofferraum des Citroen verstauen.
Ein letztes Frühstück, auch heute gibt es wieder neue Antipasti-Kreationen. Auf die Frage, ob sie denn aus eigener Herstellung sind, antwortet Rosvanna stolz: "Ja, das macht alles Giovanni!" Grund genug nach den Rezepten zu fragen: Peperoni alla siciliana und Carponata siciliana. Ich erhalte Auskunft bis ins kleinste Detail inklusive der Tricks des sizilianischen Hausmannes.

Schnell sind wir auf der Autobahn und nehmen die erste Etappe nach Agrigento in Angriff. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und noch ein freudiges Ereignis ist zu berichten. Ich habe bei AVIS wohl das einzige Auto auf Sizilien ergattert. dass einen Blinker hat. Alle anderen hier sind damit nicht ausgestattet. Als Nachteil beim Befahren der Inselstraßen stellt sich allerdings der Spurassistent heraus. Ohne den könnte ich auch wie ein Italiener fahren und ohne Blinken die markierten Spuren wechseln. So wissen alle: "Ah, das ist also der Typ dem AVIS das Blinker Auto angedreht hat!". Aber es ist schon echt nervig beim abrupten Spurwechsel auch noch immer dagegen lenken zu müssen oder zu blinken.
Einen Pluspunkt gibt es aber für unseren fahrbaren Untersatz: Standardmäßig ist eine Radarkontrolle für stationäre Blitzer eingebaut. Sollte sich so ein Gerät in unmittelbarer Nähe befinden, wird ein Höllenlärm ausgelöst.
Wir sind auch hinter das Geheimnis der Geschwindigkeitsschilder gekommen. Die angezeigte Zahl wird immer mit der Anzahl der sich im Auto befindlichen Personen über 18 Jahre multipliziert. Also wenn man das weiß, erklärt sich einiges.
Zu Beginn fahre ich auf den 50-er Strecken noch 85-90 km/h, werde dabei aber als übles Verkehrshindernis gesehen. Ununterbrochen werde ich überholt. Also befolge ich den Rat meines ehemaligen Fahrlehrers: "Immer im Strom mitfahren..." Ob er das so wörtlich meinte?
Nach eine Weile ertappe ich mich auch, wenn ich auf Schleicher vor mir treffe, die ihren alten Fiat nur mit 30 km/h über erlaubt fahren, dass ich ungeduldig werde um ihn zu überholen.
Nach etwa 2,5 Stunden erreichen wir Agrigento. Wir steuern den Parkplatz an, ziehen ein Ticket und versuchen so nah wie möglich am Eingang eine passende Stelle zu finden. Es ist relativ leer, was die Italiener nicht davon abhält, die Anstehzeit nach einem Ticket in endlose Länge zu ziehen.
Nach 30 Minuten und 20 € Euro Eintritt begeben wir uns bei 27°C in das Tal der Tempel. Hinweise zu diesem Gebiet habe ich hier verlinkt.
Es ist alles sehr interessant, allerdings ist das Areal sehr übersichtlich und da ich schon einmal Persepolis gesehen habe, steht diese Sehenswürdigkeit nicht in der oberen Hälfte meiner Must-See-Liste.
Trotz alledem hier ein paar Impressionen:





Nach einer Stunde verlassen wir Agrigento, eigentlich war der Plan durch Corleone zu fahren, da die Zeit aber schon weit fortgeschritten ist, heben wir uns diesen Abstecher für die nächsten Tage auf.
Wir tanken auf der Strecke, der Verbrauch hat sich auf 6 l/100km eingepegelt.
15:45 Uhr kommen wir in unserem neuen Domizil an. Paola, die Besitzerin hatte uns am Vormittag die GPS Koordinaten über Whats App gesendet, so können wir sie noch mit den unsrigen vergleichen.
Unser Appartement ist wieder sehr schön, der Pool befindet sich in zehn Meter Entfernung. Gekocht wird mit Gas, die Küche ist bedeutend größer als bei Rosvanna und Giovanni.
Wir erhalten einweisende Instruktionen und Hinweise zu guten Restaurants in der Nähe. Paola reserviert uns zwei Plätze in ihrem Lieblingsfischrestaurant - das befindet sich in Castellammare del Golfo, etwa zehn Autominuten entfernt. Und ja, Parkplatztechnisch könnte es schwierig werden, heute ist ja Samstag. Sie zeigt mir allerdings eine Straße wo wir auf jeden Fall parken können, dann müssen wir eben nur ein paar Minuten laufen.
Im nächst gelegenen Supermarkt kaufen wir noch ein paar Dinge für die nächsten Tage, für das Frühstück sind wir ja hier selbst zuständig. Der CRAI ist schnell gefunden, Käse, Schinken, Brot, sizilianische Bratwürste und Pasta eingepackt und gekauft.
Eine Mitarbeiterin kommt, nachdem der ganze Laden plötzlich wusste, dass hier zwei Touris einkaufen, auf uns zu und will uns zwei kleine Päckchen mit Olivenöl schenken. Sie meinte, dass wir ja sicher nur ein, zwei Tage hier sind und deshalb die 0,75l Flasche in unserem Einkaufskorb zu viel wäre. Wir müssen ihr versichern, dass wir etwas länger bleiben und auch nicht sparsam mit dem Öl sind. Schwer lässt sie sich überzeugen, aber beim Verlassen des Geschäfts winkt sie uns lächelnd zu und wünscht eine gute Reise.
Traffic Jam der übelsten Sorte. Verkehrsstau in Castellammare. Durch die engen Gassen der Stadt rollt oder besser gesagt steht eine unüberschaubare Autokolonne. Aus den Nebenstraßen fädeln sich zusätzlich neue fahrbare Untersätze in die Warteschlange ein. Verkehrsregeln sind außer Kraft gesetzt, es funktioniert aber alles reibungslos. Es wird erstaunlicherweise kaum gehupt.
Alle suchen einen Parkplatz. Aber an vielleicht 600. Stelle ist die Chance so hoch wie ein Sechser im Lotto. Obwohl, den 6er gibt's wohl eher.
Das Pasta Wasser ist schnell aufgesetzt, wir zaubern eine toll duftende Soße mit Tomaten, Oliven, Knoblauch, Zwiebeln und den Würsten und eine Stunde später essen wir gemütlich auf unserer Terrasse.


Allerdings nicht lange, denn plötzlich zieht Rauch und ein unheimlicher Gestank in unsere Richtung. Brennt es irgendwo?
Ja, nämlich in Nachbars Garten. Die heizen ihren Pizzaofen wahrscheinlich mit der Schwiegermutter ein, wir müssen jedenfalls ins Innere umziehen.
Später hören wir sie genüsslich die Pizza essen, die Schwiegermutter habe ich aber tatsächlich nicht mehr gesehen.

Zum Tagesabschluss springen wir in den nun beleuchteten Pool und kühlen uns etwas ab, ehe wir danach müde ins Bett fallen




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