Zwischen Oliven, Pinien und Felsen – Acht Kilometer Wanderabenteuer

30. September - So richtig wissen wir heute Morgen noch gar nicht, was wir eigentlich machen wollen. Das ist bei uns eher ungewöhnlich, denn normalerweise haben wir zumindest einen groben Plan – und wenn der nicht funktioniert, haben wir meistens schon drei Alternativen in der Schublade.
Heute ist irgendwie alles offen.

Eine Möglichkeit wäre ein Wasserfall in der Nähe von Athos. Klingt zunächst einmal richtig gut. Ein Wasserfall ist schließlich immer eine gute Idee. Dann schauen wir allerdings auf die Fahrzeit: 90 Minuten hin.
Und natürlich auch wieder 90 Minuten zurück.
Damit sind schon einmal drei Stunden unseres Tages allein fürs Autofahren verplant. Und irgendwie hält sich unsere Begeisterung darüber doch sehr in Grenzen. Wir schauen uns an und kommen ziemlich schnell zu der Erkenntnis: So richtig Lust auf drei Stunden Auto haben wir heute eigentlich nicht.
Dann fällt uns unsere Idee vom Vorabend wieder ein.
Wir hatten überlegt, heute eine Rundfahrt über Sithonia zu machen und dabei die verschiedenen Strände abzuklappern. Ein bisschen herumfahren, schöne Buchten anschauen, hier und da anhalten und einfach mal sehen, welcher Strand uns am besten gefällt.
Auch eigentlich eine ziemlich gute Idee.
Allerdings gibt es da ein kleines Problem: Das Wetter ist heute noch nicht so richtig auf unserer Seite.
Und Strände anschauen, ohne ins Wasser zu springen, ist irgendwie wie ein Besuch beim Griechen, bei dem man nur die Speisekarte liest.
Also verschieben wir die große Strandkontrollfahrt kurzerhand auf morgen.
Da soll das Wetter besser sein, und dann können wir die ganze Sache auch richtig machen: Strände anschauen, Wasser testen und im Zweifel einfach dort bleiben, wo es uns am besten gefällt.
Damit ist Möglichkeit Nummer zwei ebenfalls vertagt.
Bleibt Möglichkeit Nummer drei:
Wandern.
Und dafür müssen wir nicht einmal weit fahren.
Komoot hält hier in der Gegend gleich mehrere Wandermöglichkeiten für uns bereit. Wir schauen uns verschiedene Touren an, vergleichen Entfernung, Höhenmeter und Strecke und finden schließlich einen Favoriten.
Und wie das bei solchen Entscheidungen bei uns meistens läuft, dauert es gar nicht lange.
Der Favorit bekommt den Zuschlag.
Damit ist der Tagesplan plötzlich doch noch gefunden.
Kein dreistündiger Ausflug zum Wasserfall, keine Strandkontrollfahrt bei mäßigem Wetter, sondern eine Wanderung direkt hier in der Nähe.
Eigentlich ganz einfach. Man muss sich nur vorher lange genug im Kreis drehen.
Und so starten wir schließlich in den Tag mit dem guten Gefühl, zumindest zu wissen, was wir heute machen.
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Was wir dabei erleben, wissen wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Aber genau das ist ja schließlich der Sinn einer Wanderung – sonst könnten wir auch gleich auf der Couch bleiben.
Durch Olivenhaine, Pinienwälder und über Felsen zum Meer.
Wir starten unsere Wanderung am Eingang eines kleinen Geschäfts für Olivenöl bei Elia Beach. Viel mehr Zivilisation wird uns an diesem Tag zunächst auch nicht begegnen – und genau das ist eigentlich der Plan.
Der erste Abschnitt führt uns durch beziehungsweise am Rand eines Olivenhains entlang. Wir laufen zunächst in südöstlicher Richtung und überqueren dabei einen kleinen Bachlauf. Allerdings führt der, seinem Namen zum Trotz, kein Wasser. In der griechischen Sommerhitze ist davon nicht viel mehr als eine kleine Rinne im Gelände übrig geblieben.


Danach wird die Wanderung langsam interessanter. Der Weg beginnt allmählich anzusteigen und führt und durch unzählige Olivenbäume. Nach und nach kommen die ersten kurzen Serpentinen, und spätestens jetzt ist klar: Die knapp 250 Höhenmeter erledigen sich nicht von alleine. Die Aussicht von hier ist einfach fantastisch, wir können gar nicht aufhören zu schwärmen und uns satt zu sehen.
Es geht zwar nicht brutal bergauf, aber wir merken den Anstieg durchaus. Mit zunehmender Höhe verändert sich auch die Landschaft. Zunächst begleiten uns noch die Olivenbäume, dann wird aus dem Olivenhain immer mehr Pinienwald und schließlich wird der Untergrund zunehmend felsiger.

Wir sind so froh, dass wir die Wanderstöcke dabei haben, sie sind doch eine sehr große Entlastung. Ähnlich wie beim E-Bike haben wir nun auch keine Angst mehr vor großen Steigungen, da durch die Stöcke erhebliche Last von uns genommen wird.
Oben angekommen, dreht der Weg etwas nach Norden. Und plötzlich bekommen wir die ersten richtig schönen Blicke hinunter auf die Küste von Sithonia. Im Hintergrund können wir sogar Kassandra, die Nachbarinsel sehen.
Genau für solche Momente sind wir unterwegs: ein bisschen Anstrengung, ein bisschen Schweiß und dann plötzlich diese Aussicht, bei der man automatisch stehen bleibt.
Nach ungefähr zwei Kilometern erreichen wir die kleine Kapelle Agios Pavlos.
Sie ist leider geschlossen, aber durch die Fenster können wir ein Blick ins Innere der Kapelle werfen.


Direkt bei der Kapelle befinden sich eine Quelle, ein kleiner Picknickplatz, Tische und eine Bank. Teilweise wirkt die Anlage sogar wie eine kleine Freizeitecke mitten im Wald.
Hinter Agios Pavlos verändert sich die Landschaft erneut.
Wir kommen auf ein kleines Plateau, das beinahe wie ein riesiger natürlicher Steingarten wirkt. Überall liegen große Felsbrocken zwischen einzelnen Pinien, niedrigen Sträuchern und mediterraner Vegetation.
Zunächst führt uns der Weg auf einem breiteren, sandigen Weg fast genau nach Osten. Nach ungefähr 100 Metern kommt dann der entscheidende Abzweig.
Hier müssen wir rechts in einen deutlich schmaleren Waldweg abbiegen.
Das ist wichtig, denn wer auf dem breiten Weg bleibt, verpasst den eigentlichen schönen Teil der Wanderung.
Durch den offenen Pinienwald
Jetzt laufen wir südostwärts durch einen lichten Pinienwald. Für uns ist das der schönste Abschnitt der gesamten Tour.
Der Weg ist schmaler geworden, aber keineswegs unangenehm. Zwischen den Bäumen liegen immer wieder große Felsblöcke, und durch die lockere Bewaldung können wir immer wieder weit in die Landschaft schauen.
Auf dem Weg treffen wir auf unzählige Bienenstöcke, die hier draußen aufgestellt sind. Es ist noch reger Verkehr und wir gehen lieber nicht so nah ran. Gibt es eigentlich Oliven-Honig?

Nun beginnt der Rückweg durch den Pinienwald. Der Weg führt nach Nordwesten bergab und unterscheidet sich deutlich von dem Abschnitt auf dem Hinweg.
Der Wald ist hier dichter, die Felsen teilweise mit Moos bewachsen und der schmale Naturpfad schlängelt sich zwischen Bäumen, Felsen und mediterranen Sträuchern hindurch.
Es ist ein richtig schöner Waldabschnitt – und für einen Moment fühlt sich die Wanderung fast ein bisschen märchenhaft an. Nur die Aussicht auf ein kühles Getränk fehlt noch zum perfekten Märchen.
Irgendwann kommen wir wieder an der Straße heraus. Wir überqueren sie und laufen anschließend direkt hinunter zum Meer.
Das Wasser ist glasklar und hat eine türkisfarbene Färbung. Das ist doppelt gemoppelt, oder?

Kein Trubel, keine Liegenreihen, keine Strandbar und keine Menschenmassen. Nur das Meer und ein ziemlich schöner Strand.
Wir sehen uns in Ruhe um, genießen die Einsamkeit und beschließen anschließend, den Rückweg zu unserem Auto anzutreten.
Der etwas abenteuerliche Rückweg
Wir laufen zunächst auf den Kieseln wieder in Richtung Auto. Anfangs sieht alles noch ganz einfach aus. Doch je weiter wir kommen, desto deutlicher merken wir, dass unsere vermeintlich einfache Route zurück zur Straße immer schwieriger wird.
Rechts von uns werden die früher einmal kleinen Aufschüttungen plötzlich immer höher. Aus kleinen Erhebungen sind inzwischen richtige Berge aus Geröll geworden.

Irgendwann stehen wir vor der Frage, wie wir hier eigentlich wieder nach oben kommen sollen.
Zum Glück entdecken wir noch eine Treppe.
Wobei „Treppe“ vielleicht ein etwas großzügiger Begriff ist.
Wir kraxeln uns jedenfalls auf ziemlich abenteuerliche Art und Weise nach oben.
Dort angekommen, gehen wir noch ein Stück weiter.
Und natürlich entdecken wir ungefähr 50 Meter später einen vollkommen komfortablen Weg, über den man ganz entspannt nach oben gekommen wäre.
Tja.
So ist das eben bei Wanderungen. Manchmal findet man den richtigen Weg erst, nachdem man den falschen bereits mit voller Überzeugung genommen hat.
Nach weiteren etwa 500 Metern Fußmarsch erreichen wir schließlich wieder unser Auto.
Wir verstauen unsere Sachen, packen alles ein und lassen die Wanderung noch einmal Revue passieren.
Die rund acht Kilometer haben uns durch Olivenhaine, Pinienwälder, über felsige Wege, vorbei an einer kleinen Kapelle und schließlich hinunter ans Meer geführt.
Und obwohl wir auf dem letzten Stück noch unfreiwillig eine kleine Klettereinlage eingebaut haben, sind wir uns einig: Das ist ein richtig schöner Wandertag.
Wir steigen ins Auto, freuen uns über das Erlebte.
Nach unserer Wanderung steht jetzt noch ein ganz wichtiger Programmpunkt auf dem Plan: Essen besorgen. Und dafür fahren wir natürlich nach Nikiti – schließlich haben wir dort unseren Fischer des Vertrauens.
Beim Fischer angekommen, wandern ein paar herrliche Gambas in unsere Einkaufstasche. Frischer geht es eigentlich kaum. Damit ist der wichtigste Teil des Abendessens schon einmal gesichert.
Danach geht es noch in den Supermarkt. Ein bisschen Obst und Gemüse müssen schließlich auch noch mit, und natürlich darf eine weitere griechische Grundnahrung nicht fehlen: Ouzo. Man weiß ja nie, wann man ihn braucht.
Wieder in unserer Unterkunft angekommen, verstauen wir zunächst unsere Einkäufe. Und dann kommt plötzlich die Frage auf, die nach einem Wandertag eigentlich niemand erwartet:
Warum gehen wir eigentlich nicht mal in den Pool?
Gesagt, getan.
Wir ziehen uns um und machen uns auf den Weg zum Wasser. Schon beim ersten Schritt in den Pool wird allerdings klar: Das mit dem „Erfrischen“ ist hier etwas sehr wörtlich gemeint.
Arschkalt!
Also wirklich arschkalt.
Die ersten Meter fühlen sich an, als hätten wir uns freiwillig für eine Kneippkur angemeldet. Aber irgendwann passiert das Unglaubliche: Der Körper gibt auf. Er merkt offenbar, dass wir sowieso nicht wieder rausgehen, und beginnt, sich mit der Situation abzufinden.
Nach ein paar Minuten geht es tatsächlich.
Wir drehen ein paar Runden und genießen das kühle Wasser.
Auch im restlichen Poolbereich ist erstaunlich wenig los. Die Anlage wirkt beinahe verlassen. Kein Gedränge, keine Kinder, keine Menschen, die hektisch versuchen, noch eine freie Liege zu ergattern.
Aber eigentlich ist das kein Wunder.
Die Saison geht hier langsam zu Ende, und das merkt man deutlich. Die großen Besucherströme sind vorbei.
Für uns ist das allerdings gar nicht schlecht. Wenig Menschen bedeutet schließlich: viel Platz für uns.
Irgendwann reicht es uns dann aber auch mit der persönlichen Eisbäder-Challenge und wir machen uns auf den Weg zurück.
Zum Abendessen gibt es heute etwas, das hervorragend zu unserem Einkauf beim Fischer passt: Pasta mit Garnelen.
Viel mehr braucht es nach so einem Wandertag eigentlich nicht.
Eigentlich könnten wir den Tag jetzt gemütlich ausklingen lassen.
Aber da ist ja noch diese Sache mit den 10.000 Schritten.
Und wenn man schon den ganzen Tag gewandert ist, dann kann man die paar Schritte, die noch fehlen, natürlich nicht einfach ignorieren. Das wäre schließlich viel zu vernünftig.
Also ziehen wir noch einmal unsere Schuhe an und laufen nach Nikiti.
Einfach noch ein bisschen durch den Ort, ein paar Schritte sammeln und den Abend genießen. Schließlich will die Fitness-App auch etwas zu tun haben.
Irgendwann haben wir unser Tagesziel erreicht und machen uns wieder auf den Rückweg.


Wir sitzen am Strand, es ist total windstill. Das Meer liegt flach und ruhig vor uns und im Hintergrund - wie könnte es anderes sein - erleben wir wieder ein spektakulären Sonnenuntergang. Komisch, ich habe schon so viele von diesen Dingern gesehen, und muss sie trotzdem immer fotografieren.
Zurück in der Unterkunft beginnt dann der wirklich gemütliche Teil des Abends.
Wir lassen den Tag bei Ouzo und alkoholfreiem Gin Tonic ausklingen.






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