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Sonne, Wind und Strand

vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit



01. Oktober - Ab heute soll es angeblich die ganze nächste Woche nur noch sonnig sein. Das verspricht jedenfalls meine Wetter-App. Und wenn eine Wetter-App etwas verspricht, dann muss das ja schließlich stimmen. Oder auch nicht.


Der Blick aus dem Fenster jedenfalls ist zunächst eher ambivalent. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Wolken, dazu Wind – irgendwie sieht das nicht so richtig nach dem angekündigten Bilderbuchwetter aus. Aber wir kennen das inzwischen: Auf einer griechischen Halbinsel kann sich das Wetter schneller ändern als die Meinung eines Rentners beim Frühstück.

Also erst einmal ganz gemütlich frühstücken.

Frühstück.
Frühstück.

Danach schnappe ich mir das Auto und fahre nach Agios Nikolaos auf die andere Seite der Insel. Dort, wo man schon einen schönen Blick Richtung Athos hat. Außerdem gibt es dort einen größeren Fischladen. Und ich habe einen Plan: Pulpo!


Die Fahrt dauert gerade einmal zehn Minuten und endet direkt am Hafen. Dort liegen bereits jede Menge Schiffe bereit, die Touristen zu Tagesausflügen nach Athos bringen. Meist geht es darum, die vielen Klöster vom Wasser aus zu bestaunen.

Für uns ist das allerdings keine Option. Das haben wir vor zwei Jahren schon gemacht – damals allerdings von Athos aus. Wir kennen die Klöster also bereits und müssen sie nicht noch einmal von der anderen Seite angucken.

Schiff nach Athos.
Schiff nach Athos.

Viel wichtiger ist der Fischladen.

Und tatsächlich: Zwei Pulpos liegen dort und warten auf ihre Bestimmung. Ich entscheide mich für den kleineren. Knapp ein Kilo bringt der Bursche auf die Waage. Groß genug für zwei, aber klein genug, dass er nicht das Reisebudget sprengt.

Fischdealer.
Fischdealer.

Zu Hause wandert der Pulpo erst einmal in den Kühlschrank. Danach packen wir unsere Badesachen ins Auto.

Eigentlich soll jetzt der große Badetag beginnen.

Eigentlich.

Denn draußen ist es noch immer windig und die Sonne hat offensichtlich keine große Lust, sich durch die Wolken zu kämpfen. Also heißt es: Programmänderung!


Porto Koufo – wieder einmal.

Wir fahren zunächst nach Porto Koufo. Dort waren wir zwar schon einmal, aber weil es uns damals ganz gut gefallen hat, darf ein zweiter Besuch durchaus sein.


Porto Koufo ist der größte natürliche Hafen Griechenlands und liegt wunderschön in einer großen, geschützten Bucht. Rundherum gibt es einige Tavernen, kleine Gasthäuser und einen Strand.

Heute allerdings ist von großem Badebetrieb nicht viel zu sehen.

Ein paar Angler haben die Saison offensichtlich noch nicht aufgegeben, während sich die Tavernen langsam, aber sicher auf ihren griechischen Winterschlaf vorbereiten. Die Stühle stehen noch herum, aber man bekommt schon ein bisschen das Gefühl, dass sie demnächst eingemottet werden.

Hafen.
Hafen.

Wir spazieren eine knappe Stunde durch die Gegend und stellen irgendwann fest: Das Wetter wird tatsächlich etwas besser.

Also beschließen wir, zum Kalamitsi Beach zu fahren. Der liegt nur etwa zehn Kilometer entfernt und ist uns noch als wunderschöner, ruhiger Strand in Erinnerung.

Und tatsächlich: Schön ist er immer noch.

Nur ruhig ist heute relativ.

Denn kaum sind wir angekommen, frischt der Wind wieder ordentlich auf. Baden? Eher nicht. Am Strand sitzen? Auch nicht unbedingt. Es ist mehr die Kategorie „Schön anzusehen, aber bitte aus dem Auto heraus“.

Also werfen wir wieder einen Blick auf unsere Wetter-App.

Und siehe da: Die nächste Woche ist angeblich weiterhin stürmisch.

Allerdings – und jetzt wird es interessant – nur in der Region Kalamitsi.

In Nikiti, also dort, wo unsere Unterkunft liegt, scheint dagegen die Sonne. Windstill. Herrliches Wetter.

Aha!

Die Wetter-App hat also offenbar beschlossen, dass unser heutiger Aufenthalt regional begrenzt werden muss.

Dann eben zurück nach Nikiti!


Wir fahren also wieder Richtung Norden und wollen noch ein paar Strände in der Nähe ausprobieren. Vorher machen wir natürlich noch einen strategisch wichtigen Zwischenstopp im Supermarkt.

Knoblauch, Knabbereien und Wein wandern in den Einkaufswagen.

Man weiß ja nie, wie so ein Strandtag endet.


Bei unserer Fahrt müssen wir höllisch aufpassen, nicht mit griechischen Autofahrern oder Tieren zusammen zustoßen. Relativ oft haben wir heute das Vergnügen, uns an Ziegen vorbei zu mogeln.

Goats on the Road.
Goats on the Road.

Ein paar Kilometer vor unserer Unterkunft liegt der Spathies Beach. Auf den Bildern im Internet sieht er traumhaft aus. Und als wir dort ankommen, erinnere ich mich sogar daran, dass wir schon einmal hier waren.

Die Zufahrt zweigt direkt von der Hauptstraße ab und führt über eine kleine Straße Richtung Strand. Dieses Mal sogar als Einbahnstraße.

Was zunächst nach einer guten Idee klingt, entwickelt sich allerdings ziemlich schnell zu einem Überlebenstraining für Mensch und Auto.

Die Straße ist ungefähr einen Kilometer lang und dermaßen schlecht, dass ich ernsthaft Angst um den Unterboden unseres Autos bekomme. Schlagloch reiht sich an Schlagloch, und irgendwann frage ich mich, ob wir eigentlich zum Strand fahren oder an einer Rallye teilnehmen.

Als wir schließlich unten ankommen, erwartet uns die nächste Überraschung:

Der Strand ist gerammelt voll.

Also keine Frage: Weiter fahren.


Auch der nächste Strand, den wir ansteuern, kann uns nicht wirklich begeistern. Und irgendwann kommt uns die rettende Erkenntnis:

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute 100 Meter vor unserer Haustür liegt?

Unser eigener kleiner Strand ist schließlich direkt vor der Unterkunft.

Und genau dorthin fahren wir.

Endlich: Baden!

Und plötzlich passt alles.

Der Strand ist fast leer. Die Sonne scheint. Kein nennenswerter Wind. Wir stellen unsere Stühle auf, ziehen die Badesachen an und gehen ins Wasser.

Herrlich!

Nikiti Beach.
Nikiti Beach.

Unser Nachbar.
Unser Nachbar.

Das Wasser ist angenehm warm und gleichzeitig erfrischend. Genau so hatten wir uns den heutigen Badetag eigentlich vorgestellt.

Nach all den Strand-Expeditionen, Wetter-App-Analysen und griechischen Nebenstraßen ist die Erkenntnis des Tages deshalb ziemlich simpel:

Unser bester Strand liegt 100 Meter vor der Haustür.

Dafür mussten wir allerdings erst einmal über die halbe Halbinsel fahren.


Nach ungefähr zwei Stunden haben wir genug gebadet und genug Sand gesammelt. Also machen wir uns wieder auf den Rückweg.

Schließlich wartet zu Hause noch unser Pulpo.

Und der hat es eilig.

Na ja, zumindest indirekt. Immerhin muss der gute Kerl mindestens 50 Minuten kochen, bevor er auf unserem Teller landen darf.


Am Abend sitzen wir auf unserer Terrasse und lassen es uns gut gehen.

Der Pulpo ist hervorragend gelungen. Dazu gibt es griechischen Salat und Tzatziki.

Also praktisch wieder einmal nichts, was irgendwie mit Griechenland zu tun hätte.

Der Pulpo ist zart, der Salat frisch, das Tzatziki schön cremig – genau so muss ein Urlaubstag enden.

Pulpo.
Pulpo.

Wir schauen uns noch ein paar Fotos von unseren letzten Griechenland-Urlauben an und lassen den Tag Revue passieren.

Was haben wir heute gelernt?

Erstens: Wetter-Apps sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen.

Zweitens: Der schönste Strand kann manchmal genau dort liegen, wo man ihn am wenigsten erwartet.

Drittens: Eine griechische Nebenstraße kann durchaus als natürliche Form der Fahrwerksprüfung durchgehen.


Irgendwann fallen uns die Augen zu.

Wir gehen müde, satt und zufrieden ins Bett.

Und morgen soll es ja schließlich sonnig werden.

Das sagt zumindest die Wetter-App.



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