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Endlich Urlaub vom Urlaub

vor 1 Tag
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Stunden




29. September - Von Klöstern, Bergen und Wandern rein ins Strandvergnügen.


Eigentlich haben wir ja ein ehernes Reisegesetz: Einmal an einem Ort gewesen – Haken dran und weiter! Schließlich gibt es auf dieser Welt noch viel zu entdecken, und wir wollen ja nicht irgendwann feststellen, dass wir ausgerechnet an unserem eigenen Lieblingsort hängen geblieben sind.


Tja … und dann kam Sithonia.


Hier werden wir plötzlich ganz weich. Zumindest was unsere Reisegrundsätze betrifft. Denn Sithonia hat es uns einfach angetan. Kristallklares Wasser, herrliche Strände, kleine Buchten und – wenn man ein bisschen Glück hat – sogar ein Strand, an dem man mehr Ziegen als Menschen trifft. Genau unser Ding.

Und dann ist da noch Nikiti. Der Ort ist für uns so etwas wie die perfekte Kommandozentrale. Von hier aus ist man überall schnell. Die Halbinsel ist schließlich nicht gerade ein Kontinent, sodass man in überschaubarer Zeit sowohl die schönsten Ecken von Sithonia als auch das Hinterland erreicht. Und wenn einem nach einem Tag am Strand plötzlich einfällt, dass man eigentlich noch etwas unternehmen wollte, ist man ebenfalls schnell unterwegs.

Frühstück im Royal.
Frühstück im Royal.

Seit unserem ersten Besuch haben wir uns deshalb ein bisschen in diese Gegend verliebt. Und Liebe ist bekanntlich der einzige Grund, warum man freiwillig gegen seine eigenen Reisegrundsätze verstößt.


Heute liegen noch knapp 100 Kilometer vor uns. Der Verkehr wird inzwischen auch wieder angenehmer, und das bedeutet vor allem eines: Wir haben keinen Grund, uns zu beeilen.

Was für ein ungewohntes Gefühl!


Also lassen wir es heute Morgen ganz gemütlich angehen. Frühstück gibt es ausnahmsweise nicht im Rekordtempo, sondern irgendwann dann, wenn wir Hunger haben. Schließlich haben wir nur rund 90 Minuten Fahrzeit vor uns. Das ist für unsere bisherigen griechischen Etappen praktisch ein Katzensprung.

Um 15:00 Uhr können wir erst in unserer Villa einchecken. Wir haben also reichlich Zeit, unterwegs noch einen Supermarkt zu plündern und uns mit den Dingen einzudecken, die zwei erfahrene Urlauber für eine Woche dringend benötigen: Wasser, Getränke, Tomaten, Brot und natürlich alles, was man anschließend behaupten kann, unbedingt gebraucht zu haben.


Und vielleicht machen wir vorher noch einen kleinen Abstecher nach Sarti zu unserem Lieblingsstrand.

Nur ganz kurz natürlich.

Man will ja schließlich nicht gleich am ersten Tag der Entspannungswoche übertreiben.

Denn das Motto für die nächsten Tage steht eigentlich schon fest:

Wir haben nichts vor – und genau das haben wir vor.

Gegen 10:00 Uhr beladen wir unser Auto und machen uns auf den Weg. Heute liegt keine große Strecke vor uns, und eigentlich könnte alles ganz entspannt sein.


Doch kaum sind wir unterwegs, kommt der unangenehme Teil jeder Reise: Wir müssen tanken.

2,18 Euro kostet heute der Liter E95. Damit liegen wir preislich irgendwo im griechischen Mittelfeld. Manchmal haben wir den Sprit schon für 2,14 Euro gesehen, manchmal aber auch für stolze 2,26 Euro. Da bekommt der Ausdruck „Spritpreis-Schock“ gleich eine ganz neue Bedeutung.


Da wir heute nur knapp zwei Stunden bis zu unserem eigentlichen Ziel unterwegs wären, beschließen wir kurzerhand, noch einen Abstecher zu einem Strand zu machen, den wir bereits kennen und in guter Erinnerung haben: Sykia Beach im Süden von Sithonia.

Feiner, goldener Sand, blaues, flaches Wasser – zumindest haben wir das so abgespeichert. Und genau so soll es heute eigentlich auch sein.

Die Fahrt verläuft zunächst völlig unspektakulär. Keine besonderen Vorkommnisse, kein Stau, keine wilden Überholmanöver. Dafür werden die Wolken am Horizont immer dunkler. Irgendwie scheint das Wetter unsere Reise-App nicht gelesen zu haben.


Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir schließlich Sykia Beach.

Und dann wissen wir auch sofort, warum der Strand so leer ist.

Der Himmel ist dunkelgrau, es stürmt ordentlich und ein paar Nieseltropfen haben wir auch schon abbekommen. Vom goldenen Sand und dem blauen Wasser ist zumindest atmosphärisch nicht viel übrig. Der Strand ist komplett verwaist.

Sykia Beach
Sykia Beach

Wir stehen tatsächlich mutterseelenallein am Ufer und betrachten die aufgewühlten Wellen.

Romantisch? Vielleicht.

Urlaubsfeeling? Eher nicht.

Also wird kurzerhand der Plan geändert.

Sarti, wir kommen!


Im nächsten Ort suchen wir uns ein Café und trinken erst einmal einen Frappé. Schließlich gibt es Dinge, die man auch bei schlechtem Wetter nicht ausfallen lassen darf. Das Wetter zeigt sich allerdings völlig unbeeindruckt von unserem Kaffeekonsum und bleibt genauso mies wie vorher.

Sarti.
Sarti.

Nach einem kleinen Spaziergang geben wir auf und fahren weiter zu unserer Unterkunft. Vorher machen wir noch einen Großeinkauf im Supermarkt und decken uns mit allem ein, was man für die nächsten Tage so braucht.

Fisch ist natürlich auch dabei.

Wir ahnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass genau dieser Fisch später noch eine kleine Rolle spielen wird.

Dann erreicht uns eine Nachricht: Unser Zimmer sei bereits bezugsfertig.

Na, wenn das mal keine gute Nachricht ist!


Kurz vor 15:00 Uhr erreichen wir die Villa Valerie.

Und was uns dort erwartet, dämpft sofort unsere Euphorie.

Es beginnt schon vor dem Haus. Der Rasen ist nicht gemäht und wirkt eher nach dem Motto: „Die Natur darf hier einfach Natur sein.“

Auf unserer Terrasse sitzen bereits vier Katzen auf den Stühlen.

Und zwar nicht etwa vorübergehend.

Die vier Damen und Herren machen einen ausgesprochen selbstbewussten Eindruck und denken gar nicht daran, ihre Plätze für uns freizugeben. Wir versuchen sie zu vertreiben, aber die Katzen schauen uns ungefähr so an, als hätten wir gerade unerlaubt ihr Apartment betreten.


Drinnen wird die Stimmung nicht besser.

Die Möbel haben ihre besten Jahre eindeutig hinter sich, das Licht ist eher romantisch-düster als hell, und die Terrasse ist schmutzig. Irgendwie fühlen wir uns hier überhaupt nicht wohl.

Dann entdecke ich am Kühlschrank einen schräg angeklebten Zettel.

Darauf steht sinngemäß:

Fisch kochen verboten!

Ich schaue auf den Zettel.

Dann auf unseren Einkauf.

Dann wieder auf den Zettel.

Und denke mir: Das kann jetzt nicht deren Ernst sein.

Wir haben gerade Fisch gekauft und eigentlich vor, in den nächsten Tagen regelmäßig Fisch zu essen.


Offenbar haben wir bei der Buchung übersehen, dass zur Unterkunft neben vier Katzen auch ein persönliches Fischverbot gehört.

Eine Einweisung durch den Vermieter? Fehlanzeige.

Kein WLAN-Passwort. Keine Hinweise zur Unterkunft. Keine Erklärung, wo was zu finden ist. Nichts.

Auch bei den Handtüchern hat man sich offenbar auf das Wesentliche konzentriert: Zwei Stück für zwei Personen.

Das war’s.


In anderen Ferienwohnungen stehen häufig zur Begrüßung eine Flasche Wasser oder Wein bereit. Hier offenbar nur die Katzen. Und die gehören vermutlich nicht einmal zur Ausstattung.

Ich versuche, Kontakt mit dem Vermieter aufzunehmen. Doch niemand reagiert.

Also beschließen wir, bei Booking anzurufen und die Sache zu klären. Unser Entschluss steht fest: Wir bleiben hier nicht.


Kurze Zeit später taucht tatsächlich die Besitzerin auf. Sie ist sichtlich überrascht über unsere Meinung zur Unterkunft.

Wir erklären ihr freundlich, aber bestimmt, dass wir uns hier nicht wohlfühlen und die Unterkunft nicht beziehen möchten.

Sie möchte, dass wir stornieren – und wir möchten genau das Gleiche.

Manchmal gibt es im Leben eben Situationen, in denen sich beide Seiten überraschend schnell einig sind.


Also packen wir unsere Sachen wieder ins Auto und machen uns auf die Suche nach einer neuen Unterkunft.

Und siehe da: Wir werden ziemlich schnell fündig.

Natürlich wieder in Nikiti. Und nur etwa 100 Meter vom Strand entfernt.

Was jetzt kommt, ist fast schon wie ein Wechsel von einem schlechten Film in eine Luxusproduktion.

Die neue Unterkunft ist das komplette Gegenteil.

Sauber, hell, großzügig und gemütlich. Wir haben jede Menge Platz, eine große Küche und fühlen uns vom ersten Moment an wohl.

Eigentlich ist das Apartment für vier Personen ausgelegt. Dementsprechend haben wir Platz ohne Ende: zwei Doppelbetten, zwei Terrassen und Sitzmöglichkeiten, wohin man schaut.

Der Pool befindet sich schräg gegenüber.

Und offenbar ist die Anlage derzeit nicht besonders voll.

Es herrscht eine herrliche Ruhe.

Neue Unterkunft.
Neue Unterkunft.

Und jetzt können wir auch unseren inzwischen etwas traumatisierten Fisch aus dem Supermarkt erlösen.

Zum Abendessen braten wir ihn gemütlich in unserer neuen Küche und machen dazu einen griechischen Salat.

Genau so hatten wir uns das vorgestellt.

Fisch essen, draußen sitzen, Urlaub genießen – und vor allem: Fisch kochen dürfen!

Fisch.
Fisch.
Salat.
Salat.

Nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang an der Strandpromenade von Nikiti. Dabei werden Erinnerungen an unseren letzten Urlaub hier wach. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an einen Ort wieder erinnert, an dem man einmal eine schöne Zeit verbracht hat.

Nikiti.
Nikiti.

Gegen 20:00 Uhr wird es bereits stockdunkel.

Wir sind glücklicherweise gerade wieder zurück in unserem Apartment.

Wir trinken noch einen Schluck, lassen uns auf die Couch fallen und genießen die Ruhe.

Was für ein Tag!


Erst der verregnete Sykia Beach, dann die Katzen-WG mit Fischverbot und anschließend doch noch unser kleines Urlaubsparadies in Nikiti.

Manchmal muss man eben erst durch die Hölle, um im Urlaub anzukommen.



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