Markt, Meer und Messer – ein perfekter Faulenzertag

02. Oktober - Sonnenschein. Den ganzen Tag. Und zwar ohne eine einzige Wolke.
So lautet jedenfalls die Wettervorhersage für heute.
Wir glauben natürlich kein Wort davon.
Aber egal. Unser Entschluss steht fest: Heute passiert nicht viel. Heute wird gefaulenzt, gebadet und die Seele baumeln gelassen.
Der Tag beginnt damit schon einmal gut mit einem tollen Sonnenaufgang.

Bevor wir allerdings mit dem Nichtstun beginnen können, steht noch ein wichtiger Programmpunkt auf dem Plan: der lokale Markt von Nikiti.
Schließlich müssen wir für zu Hause noch ein paar griechische Souvenirs der kulinarischen Art besorgen. Honig und Oliven sollen mit nach Deutschland. Und für unsere letzten Tage hier brauchen wir außerdem Tomaten, Gurken, Feta, Oliven und Olivenöl.
Kurz gesagt: Wir gehen einkaufen.
Das klingt harmlos, ist es auch.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den ungefähr einen Kilometer entfernten Markt. Das Wetter zeigt sich tatsächlich von seiner besten Seite. Kein Wölkchen am Himmel. Ich bin beinahe sprachlos.
Die Wetter-App hat ausnahmsweise nicht gelogen.
Mit dem Auto geht es zum Markt, geparkt wird wieder irgendwo am Straßenrand. Dabei achte ich besonders darauf, dass mein Auto nicht so steht, dass größere Fahrzeuge anschließend nur noch mit eingezogenem Bauch vorbeikommen.
Der Markt ist praktisch zweigeteilt. Auf der einen Seite gibt es Lebensmittel, auf der anderen Kleidung.
Die Kleidung interessiert uns ungefähr so sehr wie die aktuellen Temperaturen in Berlin.
Wir konzentrieren uns deshalb auf die Lebensmittelstände. Und hier wird es richtig interessant.
Angeboten werden hauptsächlich regionale Produkte. Bauern verkaufen ihr Obst und Gemüse, Imker ihren Honig und die Olivenbauern ihre Schätze.
Und weil wir ja schließlich wissen müssen, was wir kaufen, beginnt zunächst einmal der Qualitätscheck.
Wir arbeiten uns systematisch durch die Stände.
Beim Honig haben die meisten Anbieter fünf bis sieben verschiedene Sorten im Angebot. Pinienhonig, Blütenhonig und alles, was Griechenland sonst noch so aus Bienen herausbekommt.
Nach vier Honiganbietern habe ich das Gefühl, dass Heidi und ich jeweils bereits ein kleines Glas Honig gegessen haben.
Aber Qualität muss schließlich geprüft werden.
Bei den Oliven geht das Testverfahren nahtlos weiter. Ungefähr zehn verschiedene Sorten stehen bei jedem Anbieter zur Auswahl. Grün, schwarz, dick, klein, mit Stein, ohne Stein – irgendwann weiß man eigentlich gar nicht mehr, welche Olive man gerade probiert.


Beim Olivenöl wird es nicht besser.
Auch hier dürfen wir probieren. Und natürlich probieren wir.
Am Ende habe ich das Gefühl, dass jeder von uns ungefähr einen halben Liter Olivenöl konsumiert hat.
Wenn dieser Markt jeden Tag stattfinden würde, könnte man sich eigentlich komplett davon ernähren.
Man müsste nur irgendwann erklären, warum man plötzlich aussieht wie ein eingeöltes Spanferkel.
Schließlich treffen wir aber doch eine Entscheidung.
Wir kaufen herrlichen Pinienhonig, grüne Oliven und Olivenöl aus Sithonia. Dazu cremigen Feta – einmal aus Ziegenmilch und einmal aus einer Ziege-Schaf-Mischung.
Am Gemüsestand landen noch Tomaten, Gurken und Zitronen in unsere Taschen.
Danach laufen wir schwer bepackt zurück zum Auto.
Man könnte auch sagen: Der Markt hat gewonnen.
Bevor wir endgültig Richtung Strand verschwinden, machen wir noch einen Abstecher zu unserem Fischhändler. Zwei Wolfsbarsche sollen heute Abend auf dem Teller landen.
Damit ist unsere Einkaufsorgie beendet.
Und dann beginnt endlich der Teil des Tages, auf den wir uns eigentlich schon morgens gefreut haben:
Nichtstun.
Natürlich sind inzwischen Wolken aufgezogen.
War ja klar.
Aber es ist angenehm warm, und der Wind hält sich zurück. Also marschieren wir diesmal tatsächlich zu Fuß zum Strand. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Nach ungefähr 100 Metern stehen wir bereits mit unseren Stühlen und dem gesamten Strandgepäck am Wasser.
Das nenne ich mal kurze Anreise.
Wir machen es uns gemütlich. Ein bisschen sitzen, ein bisschen schauen, ein bisschen reden und natürlich zwischendurch immer wieder ins Meer.
Und siehe da: Die Wolken werden weniger.
Der Wind verabschiedet sich schließlich ebenfalls.
Die Wetter-App bekommt von uns heute ausnahmsweise einen Ehrenpunkt.
Nach mehreren Badeeinheiten ziehen wir gegen 16 Uhr wieder in unsere Unterkunft.
Während eines Kochkurses in Jordanien hatte ich einmal beobachtet, wie der Koch seine Messer mit einem Stein schärfte.

Also habe ich mir vom Strand vorsichtshalber auch einen Stein mitgenommen.
Unsere Messer sind nämlich ungefähr so scharf wie ein Butterbrot.
Ich beginne mit dem Schleifen – und tatsächlich: Es funktioniert!
Wider Erwarten sogar richtig gut.
Nach einer Weile sind die Messer plötzlich scharf wie neu. Ich kann den Fisch problemlos filetieren und auch Tomaten, Gurken und Zwiebeln für den Salat lassen sich plötzlich schneiden, ohne dass ich dabei gleichzeitig Krafttraining machen muss.
Dann kommt der große Auftritt des Feta.
Cremig wie Sahne.
So einen Feta haben wir tatsächlich noch nie gegessen.
Dazu gibt es den Wein aus Chalkidiki.
Und genau an dieser Stelle muss ich mich einmal ernsthaft fragen:
Warum bekommen wir bei unseren Griechen zu Hause eigentlich immer nur diesen schlechten griechischen Wein?
Hier schmeckt der Wein immer richtig gut.
Vielleicht liegt es am Meer.
Vielleicht an der Sonne.
Vielleicht daran, dass wir ihn direkt in Griechenland trinken.
Egal.
Er schmeckt.
Wir essen unseren Wolfsbarsch, den griechischen Salat und den fantastischen Feta. Danach gibt es Melone.
Und weil ein griechischer Abend natürlich nicht einfach mit Melone enden kann, folgt noch ein kleiner Ouzo.
Wir sitzen da, schauen aufs Meer und merken plötzlich, dass der Tag schon wieder fast vorbei ist.
Ehe wir uns versehen, beginnt die Sonne unterzugehen.
Unser großer Plan für heute ist damit vollständig aufgegangen:
Wir haben eigentlich nichts gemacht.
Und genau das war heute auch der Plan.
Wir werden langsam müde und schauen der Sonne beim Verschwinden zu.
Morgen können wir ja wieder etwas unternehmen.






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