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Kuala Lumpur: KL Hop-on Hop-Off - Mederka Square


16. Juli Ohne Jetlag schlafe ich durch. Das ist mir ja schon lange nicht mehr passiert. Man wird eben älter.


Wir stellten gestern unseren Wecker auf 6:00 Uhr um Jule pünktlich zu ihrem Geburtstag gratulieren zu können. Das machen wir dann auch und legen uns danach noch einmal hin. Also auch von dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch, liebe Jule.


7:00 Uhr begebe ich mich zum Rooftop Pool und ziehe ein paar Bahnen unter der aufgehenden Sonne Kuala Lumpurs. Es gibt Schlechteres. Ich bin der Einzige hier oben und genieße die Stille des frühen Morgens.

Good Morning KL

Dabei fällt mir noch eine Gegebenheit vom gestrigen Tag ein. Als wir in Little India eine die rote Banane kauften, fragte ich vorher den Verkäufer, ob er sie denn auch einzeln verkauft. Er lächelt mich an und schüttelt den Kopf. Ich schüttle auch ungläubig meinen Kopf und frage noch einmal: "No?" Da lächelt er wieder, schüttelt den Kopf, macht aber mit den Händen eine einladende Bewegung um zu zeigen, dass ich natürlich eine Banane haben könne.


Da viel mir wieder ein, dass ich las, dass Inder mit dem Kopfschütteln "Ja" meinen und ich nicht der Erste bin, der darauf reinfällt.

Schade dass Indien nicht in der EU ist, die hätten doch sicher schon eine Verordnung erlassen, die verbietet, bei gemeintem "Ja", durch eine falsche Kopfbewegung, eine missverständliche Antwort zu erwidern.

Gegen 8:30 Uhr sind wir beim Frühstück. Hier wird alles angeboten, was die Bewohner der verschiedenen Kontinente glücklich macht. Ich gönne mir eine chinesische Nudelsuppe, Massala Chai und einen Ingwer-Apfelsaft. Sensationell, danach teste ich noch die malaysischen Spezialitäten und die vielen Varianten der Melonen.


Heute früh wollen wir uns einen Hop-on Hopp-off Bus suchen, um die einzelnen Stationen der Stadt abzufahren und zu erkunden. Er soll genau neben unserem Hotel eine Haltestelle haben. Schauen wir mal.

Die Haltestelle haben wir gefunden, da sie aber nicht im Schatten lag und wir 30 Minuten hätten warten müssen, suchen wir uns eine andere Busstation.


Wir fahren mit der Metro bis Bukit Bitang und kaufen dort Tickets für 60 Ringit pro Person, also zwölf Euro für 24 Stunden für unsere Busfahrt. Die Busse kommen alle 30 Minuten. Wollen wir hoffen das wir nicht so lange warten müssen.


Neben uns wartet schon eine deutsche Familie. Mutter, Vater und zwei Teenie-Töchter. Mutter ist Cheffe. "Also ich würde vorschlagen, wir fahren nach Chinatown, steigen dort aus, gucken uns um und fahren dann weiter." Drei Minuten später: "Ich denke es ist besser, erst einmal zu fahren. Bis zum KL Tower. Da steigen wir dann aus." Ich höre ein leises Murren. "Vati hat Recht, den Turm würden wir uns nur angucken um dann weiter zu fahren. Vielleicht müssen wir dreißig Minuten warten... Wir fahren bis" - da kommt der Bus und ich kann sie nicht mehr verstehen. Nur noch, dass sich alle bitte in den klimatisierten Bereich im Bus setzen sollen und keinesfalls nach draußen. Auch wäre trinken jetzt angebracht, es ist schon gleich 11:00 Uhr. Puh war die anstrengend.

10:50 Uhr fahren wir los, wir sitzen auf dem offenen Deck, der Fahrtwind kühlt schön, nur stehen darf der Bus nicht. Wir werden die ganze Runde fahren um zu sehen, wo sich welche Sehenswürdigkeiten befinden und ob sich ein jeweiliger zweiter Besuch lohnt.


Es geht los über Chinatown, Little India und KL Sentral. Kennen wir alles schon, ist aber trotzdem hilfreich in die verwinkelten Seitengassen zu schauen um eventuelle Neuigkeiten zu erfahren.

Die Tour dauert insgesamt drei Stunden. Central Market, Merdeka Square, National Palast und Bird Park sind Punkte die wir unbedingt noch einmal besuchen wollen.

Die Petronas Twin Towers sind schön, aber wir haben dort 15 Minuten gehalten, das reicht.


KL Tower


Petronas Towers

Ich bin zwar kein Freund von Hochhäusern, aber die in KL gefallen mir ganz gut. Sie haben alle ein anderes Design, meist sehr futuristisch. Zusätzlich ist die Stadt sehr grün und zwischen den Skyscrapern finden sich auch ab und zu noch kleine Ansammlungen von Häusern, die wohl schon seit 100 Jahren dort stehen.

Die Tour hat sich auf jeden Fall gelohnt, leider konnte man den englischen Kommentar nicht verstehen, da zu leise und insgesamt 3x 15 Minuten Pause ohne Infos warum und wie lange sind einfach zu viel. Vor allen Dingen wenn der Bus in der prallen Sonne parkt.


Was uns heute wieder aufgefallen ist, dass junge Eltern ihren noch kleinen Kindern gnadenlos so einen Stadturlaub aufdrängen. Heute war es eine französische Familie, Kinder 1 und 3 Jahre, die 90 Minuten in der prallen Sonne auf dem Oberdeck diese Stadtrundfahrt unternahmen. Die Kinder haben geweint oder gelangweilt geguckt - Interesse oder Spaß hatten sie nicht. Aber Hauptsache den Alten hats gefallen.

Nach der Runde bleiben wir im Bus und fahren noch bis Little India. Gestern sahen wir ein vegetarisches Restaurant, das besuchen wir jetzt. Zwei Riesenteller mir Reis und Gemüse (und einem Hähnchenschenkel) sowie Eistee lassen uns die Strapazen der letzten Stunden vergessen.

Es herrscht emsiges Treiben, es wird sich sehr laut unterhalten, die Kellner sind die ganze Zeit unterwegs und die meisten Inder essen mit der Hand. Für Kinder in Deutschland wäre das ein Paradies.


Am Tisch sitzend erhält man immer eine Smartcard, dort werden alle Bestellungen abgespeichert. Ist man mit dem Essen fertig, geht man zur Kasse, die Karte wird dort ausgelesen und man bezahlt. Trinkgeld ist nicht üblich. Gutes System.

Siesta im Hotel. Vorher entspannen wir noch 30 Minuten im Pool, dann fallen wir in die Horizontale.


Am Abend wollen wir den Merdeka Square besuchen, der hat uns heute am Besten gefallen. Vielleicht nehmen wir uns ja erstmalig ein Grab.

Nehmen wir nicht, da wir in zwei Stationen dort sind und bei dem ganzen Stau in der Stadt der ÖPNV die beste Alternative ist.


Nach 35 Cent pro Person und zwei Stationen kommen wir am Merderka Square an.

Ein historischer Ort in Malaysia, da an diesem Ort, die Flagge von Malaysia, erstmalig gehisst wurde. Auf einem Fahnenmast, der mit seinem 100 Metern der damals höchste Fahnenmast der Welt war. Auf dem Platz sollen damals mehrere tausend Menschen die Unabhängigkeit von Malaysia friedlich gefeiert haben. Malaysia wollte unabhängig von der Kolonialmacht Großbritannien werden und hat, eventuell nicht ganz ohne Hintergedanken, eine Flagge für Malaysia gewählt, welche an Amerika und die amerikanische Unabhängigkeit von Großbritannien erinnert.

Um auf den Unabhängigkeits-Platz zu gelangen, muss man als erstes von der Bahn kommend, den "River of Live" über eine Brücke überqueren. Dann befindet man sich aber schon mitten drin im Getümmel. Zumindest heute, denn gestern und eben heute wird hier Munayat gefeiert. Ein islamisches Fest, das aber nur in Malaysia gefeiert wird.


Was hier abgeht, erzeugt eigentlich nur Gänsehaut. Unzählige Familien, Sportvereine, Gruppen und Besucher aus Indonesien sind vor Ort uns feiern eine einzige Party. Gesangseinlagen, Motoradkorsos, Streetfood aller Art und Fröhlichkeit an allen Stellen des Platzes.


Immer wieder werden wir angesprochen, wo wir herkommen und wie lange wir in Malaysia bleiben. Ähnliches ist uns bisher nur im Iran begegnet. "Welcome to my country" hören wir heute unzählige Male.


Oft müssen wir für Fotos herhalten, gefühlt von jeder Person werden wir angelächelt. "How are you, Mister" höre ich es zweimal rufen. Ich drehe mich um, sehe aber niemand der gesprochen habe könnte. Dann erkenne ich es, ein Frau in Vollverschleierung war die Stimme. Ich entschuldige mich, sie nicht gesehen zu haben, sie lacht und meint, dass das schon in Ordnung sei. Sie war auch schon in Deutschland und kommt aus KL. Wir unterhalten uns noch ein bisschen, dann verabschieden wir uns. Sachen gibts.


Wir trinken Eiskaffee, der Starbucks alt aussehen lässt und testen an den vielen Buden noch einige exotische Gerichte. Alles spottbillig.


Eigentlich wollten wir ja noch nach Chinatown um etwas zu essen, das verschieben wir auf morgen.


Inzwischen ist der ganze Platz illuminiert, er erscheint in den vielfältigsten Farben. Ein eindrucksvolles und sehr emotionales Erlebnis!

Mit der Bahn fahren wir wieder zum Hotel.

Dort begeben wir uns wieder aufs Dach und beschließen den Abend bei jetzt angenehmen 27°C bei einem Cocktail.



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