Kon Tiki - Expedition zu den beiden Polen - Aker Brygge
- Holger Schweitzberger

- 31. Dez. 2024
- 7 Min. Lesezeit

28. Dezember
Der erste Blick auf den Fjord am Morgen zeigt uns ein klares Panorama. Prima, so suggeriert es auch unsere App.
Das bestätigt unseren Plan, heute zu Beginn des Tages eine kleine Tour auf dem Oslofjord durchzuführen. Hat uns gestern das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, wollen wir heute natürlich die Gelegenheit beim Schopf packen.
Wer weiß, wie sich das Wetter noch entwickelt.
20 Minuten später, als sich der dichte Nebel seinen Weg zurück erkämpft. Na toll.
Trotzdem kein Problem, wir sind ja flexibel. Ganz in der Nähe der Fähranleger befinden sich auch das Fram- und KonTikimuseum.
Die beiden Museen stehen sowieso auf unserer Bucketlist, warum also den Tag nicht hier beginnen.
Mit den Bussen 85 und 30 können wir direkt bis vor die Tür des Frammuseums fahren.

Wir fahren zuerst bis Jernbanetorget und steigen dort um. Dann geht es weiter mit dem dreißiger Bus, der heute gerammelt voll ist. Das liegt einerseits daran, dass er nur im 30 Minuten Takt fährt und andererseits sich auf der Route viele Sehenswürdigkeiten und Museen befinden.
Wir haben Glück und ergattern noch zwei Sitzplätze, nach unseren Tickets wird heute wieder nicht gefragt. Nicht ein einziges Mal mussten wir sie vorweisen. Auch sehe ich niemand, der ein Ticket kauft oder entwerten muss. Das gleiche System also wie in Berlin.
Nach einer halben Stunde kommen wir am Zielort an. Wir haben die Qual der Wahl, welches Museum wir zuerst besuchen wollen. Da die Menschenmassen zum Frammuseum stürmen, wählen wir das Museum über Thor Heyerdahl.
Der Eintritt für beide Museen als Kombiticket kostet circa 23 € pro Person.
Das Kon-Tiki-Museum zeigt Thor Heyerdahls berühmtes Lebenswerk, das von der Lust an Forschung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie tiefem Respekt vor indigenen Völkern geprägt ist. Zu den Exponaten gehören das originale Balsafloß der Kon-Tiki-Expedition und das Schilfboot Ra II. Darüber hinaus werden Geschichten von Heyerdahls Reise nach Fatu Hiva zusammen mit seiner Frau Liv, Expeditionen zu den Galapagos-Inseln und den Osterinseln sowie der Tigris-Reise erzählt.

Mit der Kon-Tiki kam ich 1979 zum ersten Mal in Berührung. Damals erzählte mir mein Kumpel Fratze über ein Buch von Heyerdahl. Als ich ihn fragte, wer das sei, antwortete er erschrocken: „Wat, kennste nicht? Kon Tiki, man!“ und erklärte mir kurz den Inhalt. Zu Hause, musste ich mir erst mal ein Buch darüber besorgen um mitreden zu können. Seitdem war ich fasziniert von diesem Abenteurer und seinen beiden Booten Kon Tiki und Ra.
Und nun kann ich diese beiden hier bestaunen und mir die ganzen Reisen noch einmal in die Erinnerung rufen.
Als eines der einprägenden Sätze Heyerdahls ist mir folgender wieder in Erinnerung gerufen:
"Borders? I have never seen one, but l have heard they exist in the minds of some people."
"Grenzen? Ich habe noch nie eine gesehen, aber ich habe gehört, dass sie in den Köpfen einiger Menschen existieren."
Die erste Kon Tiki Expedition wird im Museum folgendermaßen beschrieben:
Im Frühling 1947 verließen sechs Männer auf einem Floß aus Balsaholz das Festland Perus und machten sich in den Pazifischen Ozean auf. Die meisten Experten auf dem Gebiet sahen keine großen Erfolgschancen für die Expedition. Sie gingen nicht einmal davon aus, dass die Besatzungsmitglieder die Reise überleben würden.
Anführer der Expedition war der 33-jährige Norweger Thor Heyerdahl.
Die Expedition war aus einer Idee Heyerdahls entstanden, die ihm 11 Jahre zuvor auf Fatu Hiva gekommen war, einer Insel im Pazifischen Ozean. Hier entdeckte er mehrere Steinstatuen, die den in Südamerika zu findenden Statuen erstaunlich ähnlich waren. Darauf baute er eine neue und revolutionäre Theorie auf: Die Inseln im Pazifik waren nicht, wie zuvor angenommen, vom Westen aus besiedelt worden. Sie wurden vom Osten her besiedelt. Die etablierten Vertreter der Wissenschaft auf dem Gebiet verwarfen die Theorie, ohne ihr viel Aufmerksamkeit zu schenken. Das zwang ihn zu einer noch nie da gewesenen wissenschaftlichen Methode: Um zu beweisen, dass eine solche Reise möglich war, wollte er sie selbst unternehmen.
Bevor Heyerdahl sein Floß aber in den Pazifik schwimmen lassen konnte, musste er eine Zahl vermeintlich unmöglicher Aufgaben bewältigen.
Er überwand alle Hindernisse auf die er traf und am 28. April verliess das Balsaholz-Floß die Küste von Peru, um sich den größten Wassermassen des Planeten zu stellen.
Die Expedition war eine Reise ins Unbekannte.
Nur ein Mann an Bord war mit Navigation vertraut und niemand unter ihnen wusste, wie man ein großes Balsaholz-Floß im offenen Wasser manövrierte. Das Wissen war im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen. Das Floß selbst war ebenfalls nach einem unbekannten und ungetesteten Design erbaut worden und einige Seefahrtexperten hatten behauptet, das Floß würde nach zwei Wochen auseinander fallen.
Sollte das geschehen, käme für die Besatzung jede Hilfe zu spät. Als aber zwei Wochen vergangen waren, stellten sie fest, dass das Floß seetüchtig bleiben würde. In dieser Zeit lernten sie auch, mit dem Floß umzugehen. Die Männer, die Heyerdahl für seine Besatzung ausgewählt hatte, besaßen alle Anpassungsfähigkeit, Mut, Einfallsreichtum und
Elan.
Nach 101 Tagen auf dem Meer landete Kon Tiki auf dem Atoll Raroria. Die Expedition war ein großer Erfolg und hat für immer die wissenschaftliche Perspektive auf die frühe Seefahrt geändert. Sie hat auch das Leben der sechs Männer verändert, die diese Reise unternommen hatten.
Wir verbringen über eine Stunde in diesem tollen Museum und wechseln dann ins gegenüberliegende Frammuseum.
Hier werden gerade einige Busladungen mit Passagieren eines Kreuzfahrtschiffes angekarrt. Wie die Lemminge rennen sie ihrem Guide hinterher, für uns bedeutet das, dass wir eher am Eingang sind als sie.

Da wir ja bereits ein Ticket besitzen, stellen wir uns nicht an der Kasse an, sondern gehen gleich weiter zum Eingang. Hier interessiert sich allerdings niemand für uns und so kommen wir ohne Kontrolle in das Museum.
Hier wird die Geschichte der verschiedenen Fram Expeditionen erläutert, im Mittelpunkt steht natürlich das Schiff selbst, das mit seiner Größe den gesamten Raum einnimmt. Man kann es besteigen und sich in aller Ruhe die Einzelheiten dieses Kolosses anschauen.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war das Erreichen der Pole eine prestigeträchtige Leistung, schwierig und voller Gefahren. Entdecker und Abenteurer riskierten für den persönlichen Ruhm oder für den Ruhm ihres Landes im Polareis ihr Leben. Lange blieben diese Versuche erfolglos, bis Fridtjof Nansen auftauchte, ein visionärer Norweger, der neue Wege in der Erforschung der Arktis beschritt. Er schaffte es zwar nicht ganz bis zum Nordpol, aber kam ihm 1893 sehr nahe.
Bald darauf, im Jahr 1910, eroberte ein anderer Norweger, Roald Amundsen, den Südpol und hielt Temperaturen von 45 Grad unter Null stand. Sein großer Rivale, der Engländer Robert Falcon Scott, traf erst einen Monat später ein und verlor auf der Rückreise sein Leben. Die beiden erfolgreichen norwegischen Forscher hatten eine Gemeinsamkeit. Sie teilten sich ein ungewöhnliches Schiff, das einzige, das alle beiden Pole befuhr, die Fram.
Die beiden Reisen sind hier eindrucksvoll dokumentiert und zeigen, welchen Widrigkeiten und Gefahren sich die Teilnehmer ausgesetzt sahen.
Uns hat das Kon Tiki Museum besser gefallen, vielleicht, weil die beiden Boote für uns greifbarer und plastischer waren. Wer aber in der Gegend ist, sollte sich ruhig beide Varianten anschauen. Auch für Kinder sind die beiden Museen sehr gut geeignet.
Wir besteigen wieder den Bus und fahren zurück zum Nationaltheater. Hier hatten wir gestern unseren Spaziergang zu den Fähren wegen des Regens abgebrochen. Jetzt probieren wir es einfach noch mal. Das Wetter lädt zwar nicht gerade zu einer Fährfahrt ein, aber vielleicht ändert sich ja alles.
Vom Nationaltheater aus, laufen wir in Richtung Aker Brygge. dabei kommen wir auch am Rathaus vorbei, in dem jährlich der Nobelpreis verliehen wird. Das Rathaus selbst ist nicht besonders schön und heute zusätzlich noch mit Gerüsten zugebaut.
Aker Brygge ist einer der meistbesuchten Orte in Oslo und präsentiert sich nach einer gründlichen Renovierung als modernes und urbanes Viertel.
Auf Straßenniveau ist Aker Brygge ein lebhaftes Einkaufsviertel mit spannenden Geschäften und Restaurants. Die großen Außenbereiche und die Einkaufsstraße im Innenbereich werden häufig für Fotoausstellungen, Konzerte und Pop-up-Aktivitäten mit Mode, Kunst und Kultur genutzt.
Mehr als hundert Jahre lang befand sich hier Akers Mekaniske Verksted, und die ehrwürdigen alten Werftgebäude in Kombination mit moderner Architektur verleihen dem Viertel einen unverwechselbaren Stil.
Aker Brygge ist ein beliebter Treffpunkt und wenn die Sonne scheint, herrscht von morgens bis abends ein geschäftiges Treiben auf dem Pier. Entlang der Fußgängerzone Stranden liegen die Außenrestaurants dicht beieinander und bieten einen tollen Blick auf den Yachthafen und den Osloer Fjord. Die Gastronomieeinrichtungen von Aker Brygge verfügen über 2.500 Sitzplätze im Freien.
Hier starten also auch die Fähren, die Oslos Hauptstadt mit den kleinen Inseln verbinden. Die Fahrten damit, sind in unserem sieben Tage Ticket schon enthalten, allerdings fahren im Winter nur zwei Linien.
Da das Wetter allerdings nicht besser geworden ist und uns während der Fahrt nur Niesel und Nebel erwarten würde gehen wir hier lieber etwas spazieren.
Wir können uns vorstellen, welch ein Betrieb hier im Sommer herrschen muss. Aber auch jetzt ist es sehr gut besucht und die Restaurants bereiten sich auf das Wochenende vor.
In einem von Ihnen trinken wir einen Kaffee beziehungsweise heiße Schokolade. Auch hier ist alles digitalisiert. Anhand des Barcodes, der an jedem Tisch angebracht ist, können wir unsere Getränke wählen, bezahlen und schon wird alles wie von Geisterhand geliefert. die Preise für Getränke ähneln denen in Berlin.

Nur wenn man essen möchte, muss man sehr tief in seine Brieftasche greifen. Obwohl, das muss man ja nicht, man kann mit Karte bezahlen.
Die preiswerteste Pizza, die wir gesehen haben, kostet ungefähr 23€. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wir sind froh, dass wir ein Apartment gewählt haben, erstens war es preiswerter als ein Hotelzimmer und zweitens haben wir die Möglichkeit selbst zu kochen.
Dahin wollen wir jetzt auch wieder zurück. In Oslo fahren auch Straßenbahnen, auf diese können wir jetzt zurückgreifen, um zur Oslo Oper zu gelangen. Von hier aus sind es nur noch ein paar Meter zu Fuß. Die Strecke kennen wir mittlerweile aus dem Kopf, so dass wir nicht mehr als Touri zu erkennen sind, der mit seinem Navi durch die Gegend rennt.
Im Rema 1000 kaufen wir uns Kartoffeln, Petersilie und frischen Lachs. Sehr praktisch, den Supermarkt im eigenen Haus zu haben.
Bei einem gemütlichen Abendessen, Wein und Bier lassen wir den Tag Revue passieren und freuen uns dabei schon auf morgen.
Da steht unser Opernbesuch an und davor wollen wir nun endlich auch ins Munch Museum. Diesmal wird uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen.






































































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