Anreise Berlin - Frankfurt - Windhoek (Part 2) - Kalahari Anib Lodge
- Holger Schweitzberger

- 29. Juli 2022
- 5 Min. Lesezeit
Immer noch Samstag: Nach vier erholsamen Stunden im Napcab sind wir bereit für letzte Etappe auf dem Weg nach Namibia.
Der Weg zum Terminal 1 nach 1C beträgt etwa zehn Minuten. Wir freuen uns, nicht noch einmal durch einen Sicherheitscheck zu müssen, als wir das Unheil vor uns sehen. Eine Schlange, die darauf wartet abgefertigt zu werden.
Brav stellen wir uns an, die Abfertigung geht zum Glück zügig von statten, so dass wir genau zum Boarding am Gäste C14 eintreffen.
Das nenne ich Punktlandung.
Nach einem ziemlich chaotischen Einlassverfahren, bei dem es immer wieder zu erheblichen Rückstaus kommt, erreichen wir unsere Plätze in der 22. Reihe.
Wir fliegen mit Eurowings Discover, einer Lufthansa Tochter, die den Charme der 80er Jahre ausstrahlt. Typisch Lufthansa eben.
Mit fast 30 Minuten Verspätung starten wir, die Ankunft in Windhoek ist mit 7:30 Uhr avisiert. Inzwischen ist die Klimaanlage im Inneren der Maschine auf Volllast eingestellt, es wird empfindlich kühl und jeder der kann, streift sich wärmende Sachen über. Decken oder Kopfhörer für das Entertainmentprogramm an Bord sind Fehlanzeige. Man kann allerdings beides kaufen.
Und wer will kann auch noch einen ökologischen Fußabdruck in Höhe von 15€ hinterlassen.
Bei Chicken oder Pasta entscheiden wir uns für Pasta. Ach ja, Chicken sind diesmal Meatballs, und diese sehen ziemlich unappetitlich aus. Alkoholische Getränke gibt es in der Economy nur gegen Aufpreis, insgesamt ist der Service für einen Langstreckenflug ziemlich mies.
Aber wir wollen ja nicht essen oder trinken sondern nach Namibia kommen. Und genau das tuen wir.
Jetzt Sonntag 3. Juli. Die Dauer von knapp über zehn Stunden finden wir nicht als belastend , da wir ja während der Nacht fliegen
7:25 Uhr setzen wir wohlbehalten auf dem afrikanischen Kontinent auf. Der Flug verlief, da wir viel schlafen oder lesen, recht kurzweilig. Hilfreich war dabei unser persönliches Unterhaltungsprogramm: Natürlich Tommy Jauds "Hummeldumm" - der Geschichte einer chaotischen Reisegruppe und deren Erlebnisse während ihrer Tour durch Namibia.
Beim Landeanflug erleben wir einen sagenhaften Sonnenaufgang. Wer selbst einmal dort hinfliegt und früh landet, sollte sich also einen Sitzplatz auf der linken Seite sichern. Es lohnt sich.

Der Airport in Windhoek ist wohlwollen als provinziell zu beschreiben. Wir dürfen über das Rollfeld direkt zur Einreishalle laufen, in der uns schon eine lange Schlange erwartet. Brav stellen wir uns auch hier an, um unsere Identitäten und Impfzertifizierungen zu bestätigen. Alles geht sehr schnell, da viele Schalter geöffnet sind, so dass wir nach 30 Minuten unser Gepäck in Empfang nehmen können.
Wenn es da wäre. Ist es aber nicht, zu mindestens Heidis.
Wir sind aber nicht die Einzigen, die mit dieser Hiobsbotschaft konfrontiert werden. Wir sehen mindestens zehn Personen denen es genauso geht wie uns. Für Eurowings ist dieser Zustand wohl nichts Ungewöhnliches. Am Serviceschalter hängen Hinweisschilder mit einem QR-Code, über den man den Gepäckverlust anzeigen kann.
Wir sind gespannt, wie es in diesem Fall weiter geht und erinnern uns an unseren, vor vielen Jahren von BA durchgeführten Flug , in die USA. Damals wurde allerdings das gesamte Gepäck der Passagiere vergessen, die Nachlieferung zog sich über eine Woche hin. Unsere Koffer bekamen dabei fast die gesamte USA zu sehen, wenn man dem Lieferbericht von FedEx Glauben schenken darf.

Der Abholdienst von Bobo Campers steht schon bereit und nachdem wir uns mit namibischen Dollars eingedeckt haben fahren wir die 20 Kilometer bis zum Übergabeort des Campers. Wir unterschreiben gefühlte 100 Zettel und Belehrungen bis wir gegen 11:00 Uhr endlich autonom unsere Fahrt beginnen können.
Unser erstes Ziel ist eine Tankstelle, da der Tank nur halbvoll ist, danach wollen wir zum Supermarkt in Mariental, um uns mit Proviant einzudecken. Insgesamt eine ungefähre Streckenlänge von 360 Kilometer.
Getankt wird in Namibia nicht selbst, dafür stehen unzählige Helfer zur Verfügung die jeden potentiellen Kunden an ihre Zapfsäule winken. Man bleibt gemütlich im Auto sitzen und muss zum Schluss nur noch bezahlen.
Wir fahren die B1, eine asphaltierte Schnellstraße, Richtung Süden. Der Camper hat eine manuelle Schaltung und wie in Namibia üblich sind alle wichtigen Utensilien auf der falschen Seite montiert. Die Schaltung befindet sich links und auch Blinker und Lichtschalter sind vertauscht. Vom Lenkrad ganz zu schweigen. Es ist nicht viel Verkehr und so habe ich Zeit mich an diese Umstände mehr oder weniger schnell zu gewöhnen.

Immer wieder überqueren Affen die Fahrbahn, was zuerst noch lustig ist, wird schnell zur Gewohnheit. Ihr Verhalten ähnelt dem unserer Vögel. Er kurz bevor man sie erwischt, springen sie zur Seite.
Die Strecke ist eintönig aber schön, überall versuchen Einheimische eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern oder sie sitzen am Straßenrand und verkaufen Tierfelle. An einer Tankstelle kaufen wir noch Wasser, Schokolade und Biltong - getrocknetes Fleisch, dass man als Snack zu jeder Gelegenheit essen kann. Sehr lecker.
Tiere sehen wir während der gesamten Fahrt nicht. Wir wollen den Ankunftstag ja auch nicht gleich überstrapazieren.
Unser Supermarkt hat natürlich geschlossen - es ist ja Sonntag. Typisch deutsch in der ehemaligen deutschen Kolonie.
15:30 Uhr kommen wir in der Kalahari Anib Lodge an. Wir erhalten die Campsite 1, die sich ca. 500 Meter vom Haupthaus befindet. Mutterseelenallein haben wir eine tolle Sicht auf die Kalahari und die vielen Vögel die hier umherschwirren.
An der Rezeption bestellen wir ein Braaipaket mit Kudu und Onyx und von der Bar eine Flasche namibischen Weißwein. Holz zum Grillen gibt es gratis. Es sind noch winterliche 25°C, unser Stellplatz hat Dusche, Toilette und Strom sowie einen großen überdachten Platz mit Sitzgelegenheit und Tisch. Was will man mehr?
Wir beobachten Vögel, trinken den kaiserlichen Wein und bekommen so langsam auch ein kleines Hungergefühl.
Ich zünde das Holz an und nach vierzig Minuten können wir unser Fleisch auf den Grill legen.
Zusätzlich zum Wild gibt es auch noch Lamm. Auch ab die Vegetarier ist somit gedacht.
Die ersten Bissen bestätigen das Vermutete. Wunderbarer Geschmack und tolle Qualität. Wir schaffen den ganzen Fleischvorrat, merken danach aber auch unsere aufkommende Müdigkeit. Sind wir doch jetzt fast 1,5 Tage, mit kleinen Ausnahmen, ununterbrochen unterwegs.
Gegen 18:00 setzt langsam der Sunset ein. Es befinden sich keine Wolken am Himmel und der Ausblick wird immer schöner. Wir sehen wie die Sonne hinter dem Horizont verschwindet und ihn in einem kräftigen orangerot erstrahlen lässt.
Der wohl schönste Sonnenuntergang, den ich bisher in meinen Leben sehe.
Was für ein schöner Abschluss des ersten Tages.
Nach diesem wunderschönen Naturereignis, dem sofortige Dunkelheit folgt, bauen wir unser Bett und gehen 19:30 Uhr ins selbige. Wir sind doch ziemlich geschafft und schlafen auch gleich ein.
Dadurch bin ich und daraus folgend auch Heidi 22:30 Uhr wieder wach. Wir setzen uns nochmal auf die Terrasse, wo es schon empfindlich kalt ist und sehen von dort in den klaren Sternenhimmel und die helle Milchstraße. Wie auch in Wadi Rum ist hier nichts von Elektrosmog zu spüren. Ein Gang um unseren Platz ist nur mit den mitgenommenen Grubenlampen, die wir auf den Kopf setzen, möglich. Schließlich wollen wir ja nicht über die Löwen uns Nashörner stolpern.

Die Temperaturen gehen nun Richtung Gefrierpunkt, für uns ein guter Grund wieder ins warme Bett zu steigen und den Tag Revue passieren zu lassen.


























































Das war doch ein schöner Start in den Urlaub...vom Koffer abgesehen. Jetzt kann es nur noch besser werden und Erlebnisreicher.
Ich bin auf die nächsten Berichte gespannt...wie sehr ähnelt Namibia Südafrika? 🤗
Ich freue mich.LG Jule