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Yanaka – Nezu Schrein – Meiji Schrein – Sukiyaki

07.Juni Dadurch, dass Heidi gestern Abend die Verdunklung im Zimmer umgesetzt hat, schlafe ich bis 7:00 Uhr. Um die Rushhour zu vermeiden, wollen wir heute sowieso nicht zu früh losgehen. Vormittag steht der Besuch zweier alter, noch ursprünglicher Tokioter Stadtteile - Nezu und Yanaka - auf dem Programm. Da wir keine Ahnung haben, wie lange das dauert, sehen wir von weiteren Planungen ab. Gegen 10:00 Uhr fahren wir mit der U-Bahn nach Ueno und dann mit der Yamanote-Line drei Stationen bis Nippori. Wir verlassen den Bahnhof am Westausgang des nördlichen Gates und nehmen Kurs auf die Yanaka-Ginza, eine Einkaufsstraße abseits des großen Trubels der Tokioter Innenstadt. Sie ist gesäumt von kleinen Läden in denen allesmögliche, von traditionell bis modern angeboten wird. Hier finden wir erste Gemeinsamkeiten zu Bangkok. Die alten Leute gehen gemächlich ihrer Arbeit nach, nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen. Wir können in einem Laden beobachten, wie Glasnudeln per Hand in einer Familien-Manufaktur hergestellt werden. Unserer Bitte fotografieren zu dürfen wird lachend nachgekommen. Leider fängt es nun an zu nieseln, aber zum Glück gibt’s auch hier die 100 Yen Läden. Heidi ersteht einen Schirm für, na ja nicht 100 aber doch 108 Yen. Wir spazieren weiter und steuern unser nächstes Ziel, den Nezu Schrein an. Der liegt etwa einen Kilometer entfernt und besticht auf den ersten Blick durch seine roten Torbögen. Er wurde 1706 vom 5. Tokugawa Shogun erbaut und ist umgeben von einem kleinen Garten. Es kommen viele Japaner, die kurz den Schrein besuchen um zu beten. Und das geht folgendermaßen ab:

Man stellt sich vor den Schrein und schmeißt er mal Geld in den dafür vorgesehenen Behälter. Dann verbeugt man sich, klatscht danach zwei Mal die Hände und verbeugt sich anschließend noch einmal.

Das war es schon. Wir verlassen den schönen Schrein und entscheiden uns, jetzt auch noch den Meiji Schrein, einer von Japans wichtigsten Shinto-Schreinen zu besuchen. Wir haben zwar auch noch ein paar Museumsbesuche im Visier, die wollen wir aber auf Tage verschieben, an denen es evtl. wirklich stark regnet. Spätestens aber am Freitag. Meine App sagt das wir bis zum National Stadium fahren müssen um zum Meiji Schrein zu kommen. Das stimmt sicher auch, aber sicher gibt es auch Orte von denen es auch bedeutend kürzer ist. Das sagen auch Japaner, die ich nach dem Weg frage. Allerdings nicht so direkt, sie wollen ja mir und meiner App nicht vor den Kopf stoßen, aber der allgemeine Tenor lautet, dass die Station Harajuku wohl die elegantere Lösung gewesen wäre. Daraufhin gehen erst einmal Nudelsuppe essen. In einer kleinen Imbissbude auf unserem langen Weg zum - wohin auch immer. Bestellen muss man am Automaten am Eingang. Man steckt sein Geld in den Schlitz und es leuchten Lämpchen an den Gerichten auf, die man für diesen Betrag bestellen kann. Ich wähle eine Nudelsuppe mit viel Nudeln (laut dem Bild) und für Heidi eine Suppe mit Glasnudeln. Nichts davon erhalten wir. Ich bekomme schon wieder, wie gestern kalte Sobanudeln und Heidi eine Suppe wie ich sie eigentlich wollte. Freundschaftlich tauschen wir. Trotz alledem schmecken beide Gerichte sehr gut. Da sie sehr gehaltvoll sind, machen wir uns pappesatt auf den Weg zur nächsten Bahnstation. Unser Ziel ist Harajuku. Dort angekommen sind es nur noch wenige Meter bis zum Eingang des Geländes, auf dem sich auch Meiji Schrein befindet. Riesengroße Holztore begrenzen das Areal und heißen die Besucher willkommen. Da es den ganzen Tag immer ein bisschen regnete, duftet es stark nach Jasmin und anderen Pflanzen. Auf der großen Promenade auf der rechten Seite eine Wand mit Sake Fässern aufgebaut, die von Sake Brauern aus ganz Japan als Ehrerbietung gespendet wurden. Alle Fässer sind mit traditionellen, bunten japanischen Motiven versehen und geben somit einen perfekten Hintergrund für die Fotosammlung der Besucher. Dementsprechend schwer ist es auch ein Foto zu schießen, auf dem kein menschliches Wesen, das lächelnd das Victory-Zeichen in die Höhe streckt zu sehen ist. Auf der linken Seite steht eine Wand von Weinfässer aus der Bourgogne, gespendet von französischen Weinbauern, die dem gleichen Zweck dient wie Fässer gegenüber. Direkt am Meiji-Schrein wird wieder viel gebetet und in allen Formen Gebete und Wünsche an diverse Bäume oder Vorrichtungen gehängt. Auch ich kaufe einen Erlass oder Wunsch in Form eines Holzbretts, auf den ich mein Begehren hinterlassen kann. Nur so viel dazu: Man wird sich in den kommenden Jahren noch wundern, wie eine Mannschaft in der Fußball-Bundesliga auftrumpft. Und ich bin der Grund! Auf dem Rückweg besuchen wir noch den Meiji Garten. Für 500 Yen pro Person kann man die Nord- und Südroute ablaufen, die quer durch den dichten Wald angelegt sind. Auf dem Weg zum Irisgarten erwartet uns ein großer Teich auf dem Seerosen in bunten Farben blühen und Kois am Ufer um Futter betteln. Davor befindet sich ein schön angelegter, sehr gepflegter Garten mit vielen Büschen und Stauden. Vom 5.-6. Juni fand im gleichnamigen Garten das Iris Fest statt und wir haben das Glück, dass die meisten Blumen noch in ihrer vollen Pracht blühen. Schon von Weitem sieht man die farbefrohen Beete weiß, blau und violett leuchten. Ein wunderschöner Anblick. Der Azaleengarten besticht durch seine vielen Bäume, die den Wegesrand säumen, leider sind hier schon fast alle verblüht, nur vereinzelt kann man noch einige rote Farbtupfer erkennen. Wir verlassen den Meiji Schrein wieder durch das große Torii in Richtung Harajuku Station. Dort schlendern wir noch ein bisschen die Einkaufsstraße entlang, die wohl auf pubertierende Jugendliche ausgelegt ist. Überall kreischende 14-jährige Mädchen mit Zahnspangen die total hipp sind und pink- und neonfarbene Geschäfte. Es liegt ein süßer Popcorngeruch in der Luft. Kein Wunder, an jeder Ecke befindet ein Crêpesladen, der die unmöglichsten süßen Variationen anbietet. Wie immer in Tokio - je besser die Qualität des Produktes, desto länger die Schlange derer die es erwerben wollen. Wir fahren lieber wieder mit der Yamanote-Line ins Hotel, weil alten Leuten nach so einem langen Tag der Körper gewisse Signale sendet, die darauf schließen lassen, dass er ein bisschen Ruhe benötigt. Während unseren heutigen Fahrten mit Tokios Nahverkehrsmitteln haben wir nicht einmal länger als drei Minuten auf eine Bahn gewartet. Oft ist es so, dass der Zug direkt einfährt, wenn man den Bahnsteig betritt. Lustig sind auch die musikalischen Geräusche, die einen auf Schritt und Tritt auf den Bahnsteigen, im Zug, auf Bahnhöfen, an Ampeln und Rolltreppen verfolgen. Ich glaube die Japaner hören das gar nicht mehr. 17:30 Uhr sind wir wieder im Hotel, nach der geforderten Ruhephase wollen wir aber noch Sukiyaki essen. 19:30 Uhr gehen wir ins Nabezo, ein »All you can eat« und »All you can drink« Restaurant. Zehn Meter neben unserem Hotel, das macht es für den Heimweg extrem komfortabel. Das Restaurant befindet sich im vierten Geschoss. Man muss sich als Europäer sowieso in Tokio davon verabschieden, das Restaurants nur ebenerdig zu finden sind. Auf Grund des Platzmangels empfiehlt es sich öfter in die Höhe zu schauen. Mit dem Aufzug fahren wir in den 4. Stock und erhalten einen Platz im Nichtrauchergebiet. Auf dem Tisch befindet sich eine Heizplatte, auf der wir später unser Essen zubereiten werden. Die Speisekarte ist auf Englisch, trotzdem steht auf jeder Doppelseite das Gleiche. Unser Kellner, wahrscheinlich der Azubi, kann kein Wort englisch ist aber sehr höflich und um uns bemüht. Nach zehn Minuten Gebärdensprache haben wir alles bestellt. Nach einer Weile kommt er wieder mit einem Topf voll Suppe die auf die Heizplatte gestellt wird. Mmmh, bei unseren Tischnachbarn sieht das aber ganz anders aus. Die haben ein Pfanne in der alles gegart wird. Das wollten wir doch auch. Ich frage unseren Kellner, zum Glück kann unser Nachbar englisch und wir verständigen uns ob unserer Bestellung. Es stellt sich heraus, dass die Seiten keineswegs den gleichen Inhalt aufwiesen, sondern eine Seite für die Sukiyaki und die andere Seite für das Shabu Shabu Gericht war. Es war zwar alles gleich, unterschied sich aber durch die Zubereitungsgrundlage. De Chef des Ganzen kommt noch an unseren Tisch und versichert, dass wir alles noch schnell ändern können. Ab jetzt haben wir 100 Minuten Zeit zu essen und zu trinken. So viel wie wir wollen. Wir bestellen Wein und bedienen uns am Buffet, an dem alle Zutaten, bis auf das Fleisch, aufgebaut sind. Das Fleisch ist dünn geschnitten und wird auf vier Platten serviert. Es handelt sich dabei um japanisches Schweine- und Rindfleisch. Das Fleisch und das Gemüse kommt in die Pfanne und wenn es einigermaßen gar ist, kann der Tofu und die unzähligen Nudelsorten hinzugefügt werden. Das Fleisch wird vor dem Verzehr noch in rohem Ei gewendet und dann zusammen mit den anderen Köstlichkeiten verspeist. Als Abschluss gibt es Dessert in Form von Eis und heißen Sake. Lustig und satt treten wir den Heimweg an. Wir verabschieden uns noch von dem freundlichen Inhaber, der uns an den südvietnamesischen Restaurantbesitzer im Film »Good Morning Vietnam« erinnert. Im Zimmer trinken wir noch einen Espresso und beschließen morgen zum Fujisan zu fahren. Wenn das Wetter mitspielt.

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