Schlendern durch Shiraz
- Holger Schweitzberger

- 10. Apr. 2019
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juli 2023
11. April Die Nacht verlief relativ gut, ich konnte einigermaßen schlafen und fühle mich nach dem Aufstehen auch fit. Also schnell gefrühstückt - Heidi plündert wieder den Schokobrunnen und ich esse ein Omelette mit Pilzen. Das will Heidi dann natürlich auch.
Wir wollen den Tag ruhig angehen lassen, eigentlich haben wir fast alles in Shiraz gesehen. Also werden wir schlendern, beobachten und irgendetwas findet Heidi schon, das wir unbedingt kaufen müssen.
Sobald die Sonne scheint und wir uns draußen bewegen, setzt mein Reizhusten wieder ein. Ich denke, ich habe bei der Fahrt vom Busbahnhof Kerman in die Innenstadt den Smog und die Abgase nicht vertragen. Da hatte ich sofort ein Kratzen im Hals. Das zieht sich jetzt eben bis zum Ende hin.
Das Vakil Bath House - ein altes Hamman - steht an der Spitze unseres Besichtigungsprogramms. Allerdings werden wir nicht eingelassen, da wir noch Tickets benötigen. Die gibt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Clever.
Allerdings steht da nirgendwo ein Hinweisschild, dass auch wir entziffern können. Dann eben nicht. Badehäuser haben wir schon genug gesehen. Wir spazieren bei herrlichen Sonnenschein durch die Fußgängerzone nahe der Zitadelle.
Von hier gehen auch die Eingänge in den südlichen und nördlichen Basar ab. Wir allerdings beobachten das Leben auf den Strassen. Es wird alles verkauft was nicht niet- und nagelfest ist. Oft sitzen alte Männer auch vor einer Waage und animieren die Leute sich zu wiegen. Ich habe allerdings noch keinen gesehen, der das freiwillig in der Öffentlichkeit zelebriert.
Shiraz, die wohl europäischste Stadt die wir auf unserer Reise besuchen. Sehr sauber, sehr grün und viele Touristen. Das ist wahrscheinlich auch der Punkt, warum wir hier oft angesprochen werden, wenn wir an Ständen stehen um zu schauen. Hier will man verkaufen. Nicht im Basar - aber an den anderen Stellen.
Die Basaris sind schmerzbefreit. Du musst schon zu ihnen gehen und mit ihnen sprechen um etwas zu erfahren oder zu kaufen. Ansonsten kann man stundenlang schauen, anfassen oder probieren ohne angesprochen zu werden. Und das überall im Iran.
Welch ein positiver Unterschied zum Basar in Istanbul. Dort konnten wir keine zwei Meter gehen, geschweige denn etwas angucken. Sofort war eine Herde Verkäufer um uns, die die Vorzüge ihrer Ware priesen.
Da es immer heißer wird, gehen wir in den Basar und genießen ein letztes Mal das Fluidum der geschäftigen Personen. Wir kaufen noch ein paar Gewürze, dann verlangt mein Körper nach Ruhe und wir begeben uns wieder Richtung Hotel.
Vorbei an den Eisläden, vor denen nachmittags immer lange Schlangen von kältebedürftigen Shirazern stehen. Da der Kauf eines Eis relativ kompliziert ist - wenn man kein Farsi spricht - nehmen wir immer Abstand vom Erwerb des Gefrorenen.
Heute ist es aber leer und wir bestellen in aller Ruhe. Zwei Schokoeis im Becher. Der erste Kontakt mit dem Gaumen verrät nichts Gutes. Irgendwie wie zu dicker Schokopudding, etwas gefroren und zähflüssig. Meine Portion landet gleich im Mülleimer. Heidis ein paar Minuten später.
Dann der nächste Eisladen. Dort gibt es Shiraz' Eisspezialität: Eis aus Rosenwasser. Hier waren immer die längsten Schlangen. Als zwei Portionen geordert und - genau, wieder in den Müll. Das gleiche wie vorher, nur eben mit Rosengeschmack.
Endlich ein Softeisstand. Zwei Schokoeis im Becher - das essen wir auf. Schmeckt zwar nicht sehr nach Schoko, aber wir sind im Moment nicht sehr verwöhnt.
Im Hotel angekommen, ziehen wir ein kurzes Resümee, welche Stadt uns am besten gefiel.
Das Ranking lautet Heidi: Esfahan, Kashan, Yazd, Kerman, Tehran und dann Shiraz.
Bei mir sieht es ähnlich aus: Esfahan, Yazd, Kashan, Tehran, Kerman und Schlußlicht ist Shiraz.
Ich brauche jetzt aber unbedingt Ruhe und bekomme noch einen Halswickel. Wir packen am Abend unsere Koffer - es passt alles hinein, und ordern noch einmal per Roomservice das Abendbrot und für Heidi Mojito und Mango Smoothie.
In der Nacht wird Heidi wach, weil es unerträglich nach Benzin oder Petroleum stinkt. Ich kann nichts riechen, da verhindert und rufe den Hotelservice an.
Die wollen sich um alles kümmern und nach zwanzig Minuten duftet es wieder nach Rosen.
































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