Abflug nach Thessaloniki und weiter nach Chalkindona

20. September - Der morgendliche Blick aus dem Fenster verspricht sonniges Wetter. Zumindest sieht es im Moment ganz danach aus – was bei einem Blick aus dem Fenster natürlich noch lange keine Wettergarantie ist. Aber wir wollen ja nicht gleich morgens pessimistisch werden.
In Berlin haben seit 8 Uhr die Wahllokale geöffnet. Hier bei uns im beschaulichen Brandenburg bekommt man davon allerdings nichts mit. Kein Wahlkampftrubel, keine aufgeregten Diskussionen und schon gar keine Menschenschlangen vor dem Wahllokal. Hier herrscht am Sonntagmorgen eher die Ruhe vor dem Frühstück.
Bevor ich mich jetzt aber noch weiter in politische und meteorologische Philosophie hineinsteigere, hier zunächst noch der wichtige Nachtrag zu gestern Abend:
Die ruhmreiche Hertha hat tatsächlich den nächsten Dreier eingefahren! Damit bleibt die Mannschaft nach sechs Ligaspielen ungeschlagen und steht mit stolzen 18 Punkten weiterhin an der Tabellenspitze. Und als wäre das noch nicht genug, kommt inklusive Pokal inzwischen der siebte Sieg in Folge dazu.

Man könnte also sagen: Während andere am Sonntag über Wahlergebnisse grübeln, können wir Berliner Hertha-Fans ganz entspannt auf die Tabelle schauen. Zumindest solange wir nicht anfangen, darüber nachzudenken, wie lange dieser Zustand wohl anhält.
Kurz nach elf holen uns Carsten und Annett ab und bringen uns sicher zum BER. Die Autobahn ist ziemlich voll. Wahrscheinlich sind viele unterwegs in den Urlaub – oder zum Mittagessen bei ihren Verwandten. Man weiß es nicht. Vielleicht auch beides.
Trotz des regen Verkehrs erreichen wir den Flughafen nach knapp 40 Minuten. Wir verabschieden uns von den beiden und gehen frohen Mutes Richtung Check-in. Schließlich haben wir ja noch jede Menge Zeit.
Am BER gibt es erfreulicherweise jede Menge Self-Check-in-Automaten, an denen man sein Gepäck ganz bequem selbst einchecken kann. Das klingt nach moderner Luftfahrt, Digitalisierung und Fortschritt.
Leider nicht bei Aegean Airlines.
Was für eine Steinzeit-Airline!
Dann eben zum Schalter. Die sind ja schließlich auch vorhanden. Dachten wir zumindest. Die Schalter existieren tatsächlich – allerdings ohne Mitarbeiter. Sehr praktisch. Man kann sich schon mal vorstellen und darüber nachdenken, warum man eigentlich drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein soll.

Also rufen wir bei Aegean an. Die Hotline ist schließlich 24/7 erreichbar. Das klingt zunächst beruhigend. Tatsächlich meldet sich auch jemand. Na ja – jemand ist vielleicht etwas übertrieben. Es ist eine KI-generierte Stimme.
Die kann uns allerdings nicht zu einem Menschen weiterleiten, weil die Weiterleitung deaktiviert ist.
Großes Kino!
Ich versuche es deshalb direkt bei Aegean in Frankfurt am Main. Dort bekomme ich tatsächlich eine Mitarbeiterin ans Telefon. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass sie zwar in Deutschland sitzt, aber nur Englisch spricht – und auch das eher auf dem Niveau „Bitte langsam und deutlich“.
Irgendwie bekomme ich trotzdem heraus, dass die Schalter erst zwei Stunden vor Abflug besetzt werden.
Aha.
Aegean weist also überall darauf hin, dass man mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein soll. Die eigene Gepäckabfertigung beginnt aber erst zwei Stunden vorher.
Das nennt man vermutlich griechische Logik.
Wir haben also noch eine Stunde Zeit, unser Gepäck anzuschauen, uns mit dem Flughafen vertraut zu machen und darüber nachzudenken, ob wir vielleicht doch lieber mit dem Auto nach Griechenland fahren sollten.
Aber gut – wir sind ja im Urlaub. Und Urlaub soll schließlich entspannen.
Zumindest theoretisch.
Da wir ja nun so ewig Zeit haben, komme ich in den Genuss, mich auch etwas umzuschauen. Dabei fällt mir ein Imbisswagen auf, dessen Übersetzung wohl etwas zweifelhaft ist.

Kurz nach eins taucht dann auch die erste Aegean-Mitarbeiterin auf, packt ihre Sachen aus und beginnt, die beiden Counter vorzubereiten. Fünf Minuten später sind wir schon an der Reihe. Da wir natürlich viel zu früh da waren, stehen wir auch gleich als Erste in der Schlange.
Sieht irgendwie ein bisschen nach Streber aus. Aber gut – lieber Streber als gestresster Urlauber. Trotzdem peinlich.
Nach gerade einmal drei Minuten sind wir eingecheckt und machen uns auf den Weg zur Sicherheitskontrolle. Die ist am BER, wie eigentlich immer, hervorragend organisiert. Nach nicht einmal drei Minuten sind wir bereits als Sicherheitsrisiko ausgeschlossen. So kann es weitergehen.
Dank unserer Tobi-Amex-Karte haben wir wieder Zugang zur Tegel Lounge. Wobei ich natürlich auch dieses Mal zuverlässig erst einmal in die falsche Richtung laufe. Irgendwie gehört das bei mir inzwischen zum Flughafenritual. Immerhin sammle ich dabei wertvolle Schritte für meine Health-App. Man muss schließlich auch die positiven Seiten sehen.
In der Lounge ist es um die Mittagszeit erwartungsgemäß ziemlich voll. Einen freien Platz finden wir aber trotzdem und vor allem müssen wir nicht verhungern.
Wir essen eine Kleinigkeit, ich gönne mir einen leckeren Grüntee. Heidi macht sich derweil über die Gin-Abteilung her. Sie probiert sich offenbar einmal quer durch das Sortiment.

Ich hoffe jetzt nur, dass ich sie später noch irgendwie zum richtigen Abflug-Gate bekomme. Notfalls muss ich sie dort hintragen. Oder einfach schieben. Hauptsache, wir sitzen nachher beide im richtigen Flugzeug.
Unser Flieger startet pünktlich – eine halbe Stunde später. Uns soll’s egal sein, Hauptsache, wir kommen an.
Und tatsächlich: Punkt 19 Uhr griechischer Zeit setzen wir in Thessaloniki auf. Punkt. Griechenland hat uns wieder!
Während Heidi sich tapfer zum Gepäckband begibt und auf unsere Koffer wartet, mache ich mich schon einmal auf den Weg zum Budget-Schalter. Schließlich wollen wir unseren Mietwagen möglichst schnell in Empfang nehmen.
Heidi wartet also auf die Koffer, ich kümmere mich ums Auto. Arbeitsteilung nennt man das.
Unsere Koffer lassen sich allerdings wie gewohnt Zeit. Da wir sie als Erste aufgegeben haben, scheinen sie beschlossen zu haben, als Letzte aufzutauchen. Vielleicht brauchen sie einfach noch ein bisschen Urlaub.
Am Budget-Schalter kläre ich inzwischen die ganzen Formalitäten für unser Auto. Papierkram, Unterschriften und die üblichen Fragen – das volle Mietwagenprogramm.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch eines: unsere Koffer. Aber die kommen bestimmt. Irgendwann. Wir sind schließlich in Griechenland. Da sollte man schon am ersten Abend lernen, dass „gleich“ ein durchaus dehnbarer Begriff sein kann.
In Thessaloniki kennen wir uns ja inzwischen aus. Schließlich sind wir schon einmal von hier mit einem Mietwagen losgefahren. Wir wissen also ganz genau, dass direkt am Ausgang der Stand steht, an dem wir abgeholt werden und anschließend zum Carpark gebracht werden.
Eigentlich kann also gar nichts schiefgehen.
Eigentlich.
Denn selbst das beste Wissen nützt wenig, wenn man sich nicht mehr daran erinnert. Und so laufen wir natürlich erst einmal in die falsche Richtung. Frei nach dem Motto: Wenn man schon keine Ahnung hat, dann wenigstens mit Überzeugung.
Na ja, immerhin wieder ein paar wertvolle Schritte für die Health App. Die freut sich bestimmt schon über unsere Reise.
Nach einer gefühlten halben Stunde erreichen wir schließlich den Shuttle, der uns zum Mietwagenparkplatz bringt.
Bei Budget werden wir sogar schon auf Deutsch begrüßt und gefragt, wie uns denn der Flug gefallen habe und ob alles in Ordnung sei.
Das nenne ich mal Service. Da fühlt man sich doch gleich ein bisschen wie ein VIP – nur dass wir unseren Wagen trotzdem selbst suchen müssen.
Unser Auto steht auf Platz 17. Ein Citroën.
Genau das wollte ich eigentlich vermeiden.
Mit diesen Autos komme ich irgendwie nie richtig klar. Irgendwie haben die Franzosen bei der Entwicklung beschlossen, dass bewährte Anordnungen von Bedienelementen völlig überbewertet werden.
Und natürlich ist es auch diesmal wieder so.
Der Außenspiegel wird dort eingestellt, wo ich ihn nicht vermute. Der Schalter für die Scheiben hat ebenfalls seinen ganz eigenen französischen Humor und auch die Gangschaltung ist anders zu bedienen, als ich sie intuitiv benutzen würde.
Kurz gesagt: Ich muss mir das Auto erst einmal mühsam erarbeiten.
Und als wäre das nicht schon Herausforderung genug, ist es inzwischen dunkel. Sehr dunkel. So dunkel, dass ich teilweise mehr erahne als sehe. Ein hervorragender Zeitpunkt, um sich mit einem völlig unbekannten Auto vertraut zu machen.
Zum Glück funktioniert Apple CarPlay sogar über WLAN. Wenigstens einer weiß, wo es langgeht.
Also Navi an, anschnallen und los.
Unser Ziel für heute ist das Maison Hotel. Google Maps verspricht uns 56 Kilometer beziehungsweise rund 50 Minuten Fahrzeit. Das klingt überschaubar.
Wir fahren zunächst über die große Umgehungsstraße von Thessaloniki. Zu dieser Zeit ist dort noch ordentlich Verkehr. Aber nach etwa 25 Kilometern lichtet sich das Ganze plötzlich und wir sind fast die einzigen auf der Straße.
Kurz vor neun erreichen wir schließlich unser Hotel. Wir werden freundlich begrüßt, beziehen unser Zimmer und stellen ziemlich schnell fest: Wir haben Hunger.
Zum Glück verfügt das Hotel über ein eigenes Restaurant.
Normalerweise gehören Hotelrestaurants nicht unbedingt zu unseren kulinarischen Lieblingsadressen. Aber heute machen wir eine Ausnahme. Schließlich sind wir müde, haben keine Lust mehr, noch irgendwo herumzufahren, und außerdem ist Griechenland.
Und wir werden nicht enttäuscht.
Ein herrlicher griechischer Salat und Tzatziki kommen auf den Tisch. Dazu gibt es weißen Hauswein für Heidi und ein alkoholfreies Bier für mich. Das Bier kann allerdings mit seinen belgischen Freunden qualitativ nicht ganz mithalten. Aber man kann ja nicht alles haben.


Wir lassen uns das Essen schmecken und genießen den ersten Abend in Griechenland.
Gegen halb elf liegen wir schließlich müde und ziemlich geschafft in unseren Betten. Zeit, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.
Flug geschafft, Koffer wiedergefunden, Mietwagen übernommen, sich mit einem Citroën angefreundet und die ersten griechischen Kilometer absolviert.
Für den ersten Reisetag reicht das vollkommen.
Morgen geht es weiter Richtung Westen. Unser erstes Ziel ist die antike Stadt Pella, bevor es anschließend weiter nach Ioannina geht.
Aber das ist dann eine Geschichte für morgen
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