Und wieder Sonne, Meer und Ouzo.
- Holger Schweitzberger

- 21. Aug.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 19 Stunden

Bereits im Winter war für uns eigentlich alles klar: Im Herbst müssen wir wieder an die Ägäis. Uns fehlten die salzige Luft, das griechische Lebensgefühl – und natürlich der Duft von frisch gegrillten Sardinen, der zuverlässig dafür sorgt, dass sämtliche guten Vorsätze innerhalb weniger Sekunden das Weite suchen.
Also: Warum lange überlegen? Griechenland ruft – und wir folgen. Schließlich ist ein kleiner Abstecher nach Griechenland eine durchaus vernünftige Entscheidung, wenn man eigentlich ganz woanders sein will.
Unser Ausgangspunkt ist Thessaloniki. Von dort geht es zunächst Richtung Südwesten, fast bis an die albanische Grenze. Danach drehen wir nach Osten ab und fahren so lange weiter, bis uns das Wasser unmissverständlich klarmacht: Bis hierhin und nicht weiter! Eine ziemlich effektive natürliche Verkehrsberuhigung.
Von dort geht es wieder zurück nach Thessaloniki. Allerdings nur für eine Nacht – schließlich sind wir nicht zum Stadturlaub gekommen. Am nächsten Morgen wartet bereits das eigentliche Ziel: Chalkidiki.
Genauer gesagt: Sithonia, unser persönlicher Favorit unter den drei Fingern. Für uns ist sie die ursprünglichste der drei Halbinseln und besitzt einige der schönsten Strände Griechenlands. Und weil man sich bei so viel Auswahl unmöglich für einen einzigen Strand entscheiden kann, machen wir einfach das einzig Vernünftige: eine Woche Beachhopping.
Jeden Tag ein neuer Strand, zwischendurch ein griechischer Kaffee, etwas Tzatziki und natürlich die unvermeidliche Frage: Wo gibt es den besten Gyros?
Nach einer Woche Sonne, Meer und vermutlich viel zu viel gutem Essen heißt es dann leider wieder: Koffer packen und zurück in die Heimat.
Aber wir kennen uns ja: Der nächste Griechenland-Plan dürfte vermutlich schon irgendwo in unseren Köpfen herumliegen.
Die genaue Reiseroute mit ihren Hotels könnt ihr auch hier noch einmal nachlesen.
Was gibt es sonst noch zu berichten? Erstaunlicherweise hat das neue Rentnerleben zu zweit bisher noch nicht zu unüberbrückbaren Zerwürfnissen geführt. Wir sind also guter Dinge.
Allerdings müssen wir uns erst einmal daran gewöhnen, plötzlich so unglaublich viel Freizeit zu haben. Früher war der Tag voll mit Arbeit, Terminen und dem beruhigenden Gefühl, eigentlich viel zu wenig Zeit zu haben. Jetzt ist Zeit plötzlich reichlich vorhanden – und damit stellt sich eine ganz neue Frage: Was macht man eigentlich damit?
Bisher schlagen wir uns ganz wacker. Heidi hat ihre Interessen, ich habe meine – und glücklicherweise überschneiden sie sich oft genug, dass wir auch gemeinsam etwas unternehmen können. Und wenn nicht, geht eben jeder seiner Wege.
Das hat noch einen weiteren Vorteil: Man läuft sich nicht zwangsläufig den ganzen Tag über den Weg. Schließlich soll das Rentnerglück ja nicht gleich am ersten gemeinsamen freien Montag auf eine ernsthafte Belastungsprobe gestellt werden.
Kurz gesagt: Der Ruhestand gefällt uns bisher ausgesprochen gut. Wir haben Zeit, wir haben Pläne und – noch wichtiger – wir haben uns noch etwas zu sagen. Die ersten Wochen sind also erfolgreich verlaufen. Mal sehen, wie es weitergeht.
ZZ-Top-Drummer Frank Beard stirbt mit 77 Jahren

Es gibt Musiker, die hört man irgendwann einmal. Und es gibt Bands, die begleiten einen ein ganzes Stück durchs Leben. Für mich gehört ZZ Top eindeutig zur zweiten Kategorie.
Am 19. und 20. März 1980 sah ich zum ersten Mal ein Konzert der drei Texaner. Schauplatz war die 6. Rocknacht in der Grugahalle Essen. Ich war damals – wie man so schön sagt – noch etwas jünger, aber offenbar schon alt genug, um zu erkennen, dass diese drei Herren etwas ganz Besonderes waren.
Seit diesem Abend war ich ZZ-Top-Fan.
Und nun ist mit Frank Beard einer dieser Musiker gestorben. Am 17. August 2026 starb der Schlagzeuger im Alter von 77 Jahren auf seiner Ranch in Richmond, Texas, im Kreise seiner Familie. 56 Jahre lang hatte er hinter den Drums von ZZ Top gesessen.
Frank Beard war dabei schon eine ziemlich kuriose Erscheinung. Er spielte in einer Band, deren Markenzeichen aus langen Bärten, Sonnenbrillen und texanischem Rock'n'Roll bestand – und ausgerechnet er hieß Beard und hatte keinen. Das Leben besitzt eben manchmal einen ausgesprochen eigenartigen Humor.
Aber natürlich war Frank Beard sehr viel mehr als der Mann ohne Bart.
Während Billy Gibbons mit seiner Gitarre und Dusty Hill mit seinem Bass vorne auf der Bühne für das unverwechselbare ZZ-Top-Bild sorgten, saß Beard meist etwas weiter hinten. Dort allerdings war er derjenige, der den Laden zusammenhielt. Sein trockener, treibender Rhythmus war ein wesentlicher Bestandteil dieses ganz besonderen ZZ-Top-Sounds. Billy Gibbons bezeichnete ihn nach seinem Tod als einen außergewöhnlich innovativen Schlagzeuger und hob besonders seinen charakteristischen Backbeat hervor.
Und was für eine Band das war!
„La Grange“, „Tush“, „Cheap Sunglasses“, „Gimme All Your Lovin'“, „Sharp Dressed Man“, „Legs“ – ZZ Top lieferte den Sound für mehrere Jahrzehnte. Blues, Rock, Boogie und eine gehörige Portion texanische Lässigkeit. Dazu die Bärte, die Sonnenbrillen, die Hot Rods und diese völlig überdrehten MTV-Videos. Sie waren cool, ohne sich dabei allzu ernst zu nehmen.
Und ich hatte das Glück, sie schon 1980 live erlebt zu haben, wenn auch nur vor dem Fernseher und mit der Gewissheit, sie nie im Leben live sehen zu können. Zum Glück täuschte ich mich und es kam alles ganz anders. Und viele Konzerte die sie in der Zitadelle spielten.
Das macht den Tod von Frank Beard für mich noch ein bisschen persönlicher. Wenn man eine Band über Jahrzehnte begleitet, werden deren Musiker irgendwann zu einem Teil der eigenen Erinnerungen. Man verbindet bestimmte Songs mit bestimmten Lebensabschnitten, Konzerten, Freunden und Orten. Und manchmal reicht später ein einziges Schlagzeug-Intro, um einen sofort wieder in eine längst vergangene Zeit zurückzuversetzen.
2021 starb bereits Dusty Hill. Nun ist auch Frank Beard gegangen. Von der legendären Besetzung bleibt damit nur noch Billy Gibbons. ZZ Top will weitermachen – auch das entsprach Beards Wunsch.
Aber diese ZZ Top, die ich am 19. und 20. März 1980 in der Grugahalle das erste Mal erlebt habe, bleibt natürlich für immer genau diese drei Typen: Billy, Dusty und Frank.
Und irgendwo dazwischen sitzt auch ein Stück meiner eigenen Musikgeschichte.
Danke, Frank.
Für den Rhythmus. Für die Musik. Und für viele Jahrzehnte ZZ Top.
Rest in Peace, Mr. Beard.
In diesem Sinne. Ein Klick auf das Bild erinnert noch einmal an das gesamte Konzert 1980 in der Gruga, beginnend mit dem unglaublichen Intro El Degüello und dem darauffolgenden Opener I Thank You.
I Thank you!
Was passiert sonst noch?
Landtagswahl in Sachsen Anhalt.
Am sechsten September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD geht mit knapp vierundvierzig Prozent der Stimmen als klarer Sieger aus der Wahl hervor. Unglaublich.
Eine Partei, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, erhält damit beinahe die Hälfte aller abgegebenen Stimmen. Ein Ergebnis, das mich erschüttert und nachdenklich macht.
Fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler hat sich für eine Partei entschieden, die unser demokratisches System und seine Grundwerte infrage stellt. Was sagt dieses Ergebnis über den Zustand unserer Gesellschaft aus? Und vor allem: Wie konnte es so weit kommen?
Und es geht weiter: In knapp zwei Wochen sind die Berliner zur Wahl aufgerufen. Auch in Berlin ist die AfD inzwischen deutlich stärker geworden und liegt in den aktuellen Umfragen bei etwa achtzehn Prozent.
Nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt bin ich deshalb besonders gespannt, wie Berlin entscheiden wird. Noch ist völlig offen, wie die Wahl ausgeht. Aber eines ist sicher: Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.
Hertha rockt die 2. Bundesliga.
Nach dem vierten Spieltag stehen wir ungeschlagen und ohne Punktverlust ganz oben in der Tabelle. Erster Platz. Vier Spiele. Vier Siege. Zwölf Punkte. Da kann man als Hertha-Fan schon mal vorsichtig anfangen, über die Champions League nachzudenken. Schließlich muss man ja vorbereitet sein.
Das letzte Mal, dass Hertha so perfekt in eine Zweitligasaison gestartet ist, war 2013. Und was passierte damals? Genau: Wir sind am Ende in die erste Liga aufgestiegen. Wenn das kein Zeichen ist, weiß ich auch nicht. Die Voraussetzungen für eine Wiederholung sind also geschaffen.
Das Ganze ist umso erstaunlicher, wenn man sich anschaut, mit welcher Mannschaft wir eigentlich in diese Saison gegangen sind. Vor der Saison wurden 16 Spieler verkauft – darunter praktisch alles, was bei uns irgendwie nach wichtigem Spieler aussah. Als Ersatz kamen gerade einmal vier Neue. Man könnte also sagen: Hertha hat den Kader ordentlich ausgedünnt und anschließend beschlossen, dass man mit dem Rest jetzt einfach Fußball spielen muss.
Und genau das passiert tatsächlich.
Hertha spielt attraktiven Fußball. Fußball, bei dem man nicht nach zehn Minuten darüber nachdenkt, ob man vielleicht doch lieber den Fernseher ausschalten sollte. Fußball, bei dem man hinschaut, statt wegzuschauen. So einen Fußball habe ich bei meiner Hertha seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen.
Das macht Hoffnung. Und es macht Lust auf mehr.
Aber es wäre natürlich nicht meine Hertha, wenn ich diese Euphorie einfach unbeschwert genießen könnte. Irgendwo tief in meinem Hinterkopf sitzt bereits der kleine Hertha-Realist und flüstert: „Warte mal ab.“
Denn natürlich stellt sich die entscheidende Frage: Kann diese Mannschaft diesen glanzvollen Fußball tatsächlich die ganze Saison durchhalten?
Als langjähriger Hertha-Fan weiß man schließlich, dass eine Saison auch völlig anders verlaufen kann. Deshalb warte ich – wie wahrscheinlich jeder Hertha-Fan – insgeheim schon auf den Moment, an dem die Mannschaft plötzlich einbricht, nichts mehr funktioniert und wir uns fragen, wo eigentlich die Truppe geblieben ist, die uns gerade noch so viel Freude bereitet hat.
Noch ist es allerdings nicht so weit.
Noch stehen wir ganz oben.
Noch sind wir ungeschlagen.
Und noch dürfen wir größenwahnsinnig sein.
Deshalb stimmen wir Hertha-Fans bisher nach jedem Spieltag voller Überzeugung unser Lieblingslied an. Denn wenn man schon einmal ganz oben steht, dann sollte man das schließlich auch gebührend feiern.
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