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Flug Berlin – Kopenhagen – Tokyo

Aktualisiert: 9. Juli 2023


4. Juni Unser Flieger startet 13:05 Uhr ab Tegel. Von dort fliegen wir nach Kopenhagen um nach 90 Minuten Wartezeit die Reise nach Tokio-Narita fortzusetzen.


Ich stehe acht Uhr auf und habe noch die Aufgabe, auf Heidis Smartphone Musik zu kopieren. Beim Surfen im Internet erfahre ich dabei von meinen Freunden der Bildzeitung, das heute Nacht »The Greatest« gestorben ist. Muhammed Ali - im Alter von74 Jahren.


Ich erinnere mich an seine Kämpfe, die mein Vater und ich damals 3:00 Uhr vor dem Fernseher live mit verfolgt haben. An die tollen Moderationen von Ben Wett, dem damaligen Amerika Korrespondent der ARD und natürlich an Alis geniale Auftritte im und außerhalb des Rings. Ein wirklich Großer ist gegangen.


10:45 Uhr setzen wir uns in Richtung Tobias in Bewegung. Wir lassen unser Auto wie immer bei Tobias stehen und er bringt uns dann wohlbehütet nach Tegel. Wir nehmen diesmal die Autobahn und sind nach einer knappen Stunde am Ziel.


SAS startet vom Gate D, es sind inzwischen schon 28°C. Schwitzend verabschieden wir uns von Tobi und machen uns auf den Weg zum Check-in. Alles ist leer und nach knapp zehn Minuten sitzen wir abgefertigt im Warteraum des Weltflughafens und warten auf das Boarding.


Wir versorgen uns noch im Duty Free mit den teuersten Parfums, die wir zu Testzwecken an uns ausprobieren.


Unser Flieger startet mit 15 Minuten Verspätung. Eine Propellermaschine zu der wir mit dem Zubringerbus eine halbe Ewigkeit fahren müssen. An solche Maschinen habe ich schlechte Erinnerungen.


Vor Jahren flog ich mit Tobi zu einem EM-oder WM-Qualifikationsspiel von Deutschland nach Nürnberg. Der schlimmste Flug meines Lebens - die ganze Zeit ging es wie in der Achterbahn rauf und runter. Eine Turbulenz jagte die andere und der Pilot nahm sie alle mit.


Ich spüre Angst in mir hochkommen. Doch es gibt kein zurück. Heidi zerrt mich in das unwirtliche Monster aus Propeller und Metall und schon heben wir ab.


Lebend erreichen wir Dänemarks Hauptstadt. Wir haben noch eine Stunde Zeit um den Anschlussflug zu erreichen. Wir starten zum Glück auf dem gleichen Terminal, auf dem wir auch landen.


Die Passkontrolle erfolgt für EU Bürger via Selbstbedienung. An Automaten scannt man den Pass und wenn man nicht als Terrorist oder Fan von Fortuna Düsseldorf enttarnt wird, öffnen sich automatisch die Tore zum Eintritt in die nächste Sicherheitszone.


Pünktlich 15:45 Uhr starten wir Richtung Tokio. Wir sitzen in der 37. Reihe und es ist ziemlich angenehm das niemand hinter uns sitzt, so müssen wir auf keinen Rücksicht nehmen.


Die Hälfte der Reisenden kommt aus Japan, die andere Hälfte wohl aus Europa. Nach ca. 30 Minuten werden schon die Zolldeklarationen verteilt. Sonst ist das eher immer zwei Stunden vor Landung üblich. Na ja.


Toll ist bei SAS, das es WiFi an Bord gibt. Für € 11 ist man dabei. 12 Mbit, das reicht für Surfen, Emails und Telefonieren. Über die App Flightradar24 kann ich so immer unseren Flug verfolgen und nebenbei noch anderen Blödsinn treiben.


Die Flugzeit ist mit 10 Stunden und 25 Minuten angegeben. Wir fliegen Richtung Finnland, an Schweden, Estland und Litauen vorbei, um dann das ganze russische Reich zu überqueren.


Wir streifen knapp die chinesische Grenze, haben aber sicher keine Überflugerlaubnis. Nach der letzten russischen Stadt, Wladiwostok überqueren wir das japanische Meer um endlich Japan zu erreichen.


Jetzt sind es nur noch 45 Minuten und wir landen sicher und wohlbehütet in Tokio. Das Entertainmentprogramm und WLAN haben den Flug kürzer als gedacht erscheinen lassen.


Wir haben ja eigentlich schon eine ganze Weile den 5. Juni, obwohl ja eigentlich erst der 4. Juni ist, na ja, lassen wir das.

05. Juni Wir kommen 15 Minuten früher als angegeben in Tokio Narita an. 22C° erwarten uns gepaart mit Nieselregen. So war es zwar nicht geplant, auch meine Wetter-App hatte andere Vorstellungen, aber so ist es halt.


Der Weg zur Immigration ist nicht allzu weit, so dass wir uns nach knapp fünf Minuten vor dem unvermeidlichen Labyrinth der von den Sicherheitskräften erstellten Absperrungsreihen wieder finden. Unser Flieger ist zum Glück der Einzige, der in der letzter Zeit gelandet ist und dazu sind 50% der Passagiere Japaner, die sowieso anders behandelt werden.


Fünf Schalter sind für die Immigration geöffnet, zahlreiche Hilfskräfte lotsen alle Einreisewilligen in die richtigen Richtungen und kontrollieren sogleich, ob alle Angaben auf den Zolldeklarationen richtig und vollständig ausgefüllt sind. Und das mit einer Höflich- und Freundlichkeit die seines Gleichen sucht.


Die US Guys sollten hier mal Nachhilfe nehmen. Nach zehn Minuten sind wir ordnungsgemäß im Land der aufgehenden Sonne. Nur unsere Koffer noch nicht. Diese kommen aber zwanzig Minuten später.


Vor dem Band, auf dem die Koffer kommen, ist eine rote Linie markiert, hinter die man nicht treten darf. Macht auch keiner und es ist alles viel entspannter. Mit unseren Koffern müssen wir noch am Zoll vorbei, der stellt noch ein paar Fragen und macht Scherze, aber dann ist es geschafft.


Überall stehen fleißige Helferlein, die einen in die richtige Richtung weisen. Alle können englisch sprechen und sind sehr freundlich. Großes Kino.


Wir gehen zuerst zum Schalter von Japan Railways um unseren Voucher in den JR Pass umzutauschen. Da es aber hier wahnsinnig voll ist, vertagen wir die Aktion auf morgen. Dann fahren wir sowieso nach Ueno und werden dort unser Glück versuchen.


Mit unserem Gepäck bewaffnet suchen wir den Ticketschalter der Kesei Linie. Mit dieser kommen wir Oneway nach Tokio Asakusa, unserem Ziel. Am Schalter angekommen, erfahren wir, dass nur Barzahlung möglich ist.


Mmmh, natürlich haben wir keine Yen. Also los zum nächsten 7-Eleven an den ATM und Geld abgehoben. Das funktioniert auch alles reibungslos. Mit deutscher Sprache werde ich durch das Menü gelotst. Nach beendeter Transaktion bedankt sich der Automat artig bei mir, dass er mein Diener sein durfte. Gern geschehen.


Wir traben zu unserem Bahnsteig und 56 Minuten später werden wir Asakusa erreichen. Vor der Fahrt probieren wir aber noch unsere Suica Card aus, in dem wir uns an einem der überall vorhandenen Getränkeautomaten ein selbiges kaufen.

Irgendetwas mit Aloe und Grapefruit. Einfach der Hammer, es sind sogar einzelne Fruchtstückchen dabei. Während der Fahrt merken wir beide, dass es überall angenehm nach frischer Seife riecht. Nicht nur in der Bahn, sondern auch wenn die Tür sich öffnet und der Duft nach innen zieht.


Vorbei an riesigen Reisfeldern schlägt sich der Kesei Access Express über den großen Umsteigebahnhof Aoto nach Asakusa. Hier müssen wir nur noch drei Minuten laufen und schon sind wir im Hotel.


Zuvor nehmen wir allerdings noch die Hürden der Treppen, die sich unaufhörlich durch den Bahnhof verteilen.

Es ist 12:00 Uhr - die Eincheckzeit ist allerdings mit 14:00 Uhr angegeben. Die Japaner sollen in dieser Hinsicht ja etwas komisch sein. In unserem Fall nicht. Unser Zimmer ist bereits bezugsfertig und somit steht nichts im Wege es auch zu beziehen. Ohne Extra Aufpreis.


Wir lechzen nach einer Dusche und etwas Schlaf. Vor dem Duschen steht allerdings der Toilettengang an. Die Toilettenbrille ist warm und während man auf ihr sitzt, werden automatisch Geräusche simuliert. So muss niemand sich ob seiner eigenen Töne schämen.


Wenn man fertig ist und aufsteht wird automatisch gespült. Man kann sich aber auch noch vorher diverse Körperteile automatisch reinigen lassen. Hier will ich nicht mehr weg.


Zum Mittag kaufe ich ein bisschen Sushi und Getränke bei Ozeki, einem kleinen Supermarkt, der sich neben unserem Hotel an der Ecke befindet. Im Zimmer lassen wir es uns danach mit Blick auf den Skytree schmecken und machen danach eine kleine Siesta.


15:30Uhr nutzen wir die Happy Hour des Hotels und trinken auf der Terrasse ein Glas Rotwein. Wieder mit Blick auf den Skytree, Tokios höchstes Gebäude und den Senso-Ji Schrein.


Es ist angenehm warm, so an die 22°C und leicht bewölkt. Kein Vergleich zum schwülen Bangkok.


Mit der Kamera bewaffnet starten wir danach dem Senso-Ji Schrein, auch Asakusa Schrein genannt, einen ersten Besuch ab. Vor dem eigentlichen Schrein befinden mehrere Straßen, die parallel darauf zu laufen. Eine davon ist die Nakamise Shopping Street. Hier kann man jeden möglichen Souvenirkram oder andere Touristensachen kaufen. Und natürlich jegliche Art von Essen.

Ein herrlicher Duft liegt in der Luft. Vor dem Schrein ist eine Vorrichtung aufgebaut, in der Räucherstäbchen verbrannt werden. Der dabei entstehende Rauch vertreibt Krankheiten und bringt Gesundheit. Sagt mir ein zahnloser japanischer Rentner.


Grund genug für Heidi sich in die Reihe der Gläubigen einzureihen und sich benebeln zu lassen. Rechts neben dem Rauchanbaugebiet besteht für 100 Yen die Möglichkeit Voraussagen für die nahe Zukunft zu kaufen. Ein einträgliches Geschäft für den diensthabenden Geistlichen.


Die auf Papier abgebildeten Vorhersagen werden zusammen gefaltet und an einer Art Brett wieder befestigt. Kurz vor 17:00 Uhr betreten wir den Schrein. Überall brüllen uniformierte Gesellen irgendetwas in Japanisch umher. Wir erfahren auch in wenigen Minuten worum es geht.


Am Verkaufsstand für Kalligrafie lesen wir, dass umgehend, nach dem es 17:00 Uhr ist, alle Geschäfte geschlossen werden.


17:00 Uhr läuten die Glocken - alles schließt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wir werden sanft hinaus befördert. Na ja, wir haben eh alles gesehen. Wir schlendern weiter über die große Gartenanlage und verspüren langsam Hunger.


Am ersten Stand kauft Heidi ein Stück Obst, das mit Eiswürfeln überzogen ist/wurde. Allerdings ist es kein Eis, sondern Zucker. Sieht nur wie Eis aus, ist aber eine japanische Pflaume. Es klebt alles fürchterlich. Ähnlich wie kandierter Apfel. Muss man mögen.

Am nächsten Stand kosten wir Takoyaki. Teigkugeln von der Größe einer Aprikose, die mit Oktopus gefüllt sind. Zur Herstellung wird ein spezielles Waffeleisen verwendet. Eine Portion besteht aus sechs Kugeln die noch mit Okonomiyaki Sauce, Mayonnaise, Seetang und Katsuobushi - getrockneten Bonito Flocken versehen werden. Alles zusammen ergibt einen wunderbaren Geschmack. Doch Achtung - diese kleinen Scheisserchen sind höllisch heiß. Nach einer Stunde kann ich meine Zunge wieder zu ihrem eigentlichen Gebrauch verwenden.


Überall blühen farbenfrohe Hortensien meist in weiß oder blau. Wir verlassen die Tempelanlage und gehen weiter zum Sumida River. Von hier starten Bootsfahrten in andere Teile Tokios. Eine schöne Gelegenheit auf diese Weise die Stadt kennen zu lernen.

Nach ca. fünf Kilometern kommen wir wieder zum Hotel. Jetzt dürstet uns es noch nach einem Kaltgetränk, da kommt uns das Touristenbüro an der Ecke gerade recht. Um nicht als Alkoholiker dazustehen frage ich nach einem Sushi Restaurant und nach umliegenden Pubs.


Für Sushi Restaurants bekomme ich unzählige Tipps, aber Kneipen kennen die beiden Damen hinterm Tresen nicht. Das sagen sie mir zwar nicht ins Gesicht, aber ich kann es an ihren ratlosen Gesichtern entdecken.


Zum Glück gibt es noch eine dritte Tokioterin im Bunde, die jetzt die Bühne betritt. Sie hat sicher einen trinkfesten Freund, denn sie kann uns genau sagen wonach wir suchen. Eine Straße, in der sich die Pubs aufreihen und die Asakusaner ihren Feierabendsake schlürfen. Da müssen wir hin.


Wir bedanken uns artig und ernten dafür tausend Verbeugungen. Wir laufen fünf Minuten bis zur Orange Street und am Ende der Straße erscheint das Objekt unserer Begierde. Eine Straße mit einem Itzayaga (japanischer Pub) neben dem anderen.

Überall sitzen die Menschen draußen - es hat mediterranes Flair. Wir ergattern noch zwei der wenigen Plätzen und ordern für Heidi einen Cocktail und für mich ein großes Bier.


Es ist unheimlich laut und es geht lustig zu. Wir bekommen neue Sitznachbarn. Eine Gruppe japanischer Angestellter, die hier auf den Feierabend anstoßen. Und das in einer atemberaubenden Geschwindigkeit.


Wir kommen etwas ins Gespräch. Sie freuen sich, dass wir aus Deutschland sind, sie dachten es sich schon, da ich so ein großes Bier vor mir habe. Ich hingegen dachte, die Engländer haben diesen Ruf.


Wir bestellen noch gegrillte Aalleber- und Hühnchenspieße. Mir schmeckt beides gut, Heidi nur das Hühnchen.

Unsere Nachbarn trinken ein komisches Getränk - Shōchū mit Hoppy. Shōchū ist ein reishaltiger Schnaps mit 25%-43% Alkohol und Hoppy ein bierähnliches Gesöff mit 0,8% Alkohol. Der Shōchū wird in einem großen Glas halbvoll mit Eiswürfeln serviert, das Ganze wird dann je nach Geschmack mit Hoppy aufgefüllt.


Unsere Kumpels ordern immer nur Shōchū, die Flasche Hoppy reicht solange bis wir gehen. Mir schmeckt alles nach Wasser, vielleicht noch eine Nachwirkung der Teriyaki von heute Nachmittag. Heidi schmeckt Alkohol heraus. Na ja, mein Fall ist es nicht.


Wir spazieren noch zu einer anderen Kneipe, probieren Nudeln und Pflaumenwein um dann müde zum Hotel zurück zu kehren. Ein kurzer Stopp bei Seven Eleven beschließt diesen schönen Tag.


Ich mag Japan!

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