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Athabasca Glacier – Valley of the Five Lakes

Aktualisiert: 8. Juli 2023


14. Mai Anmerkung zu gestern: Nach gründlichen Studien in Bezug auf Bären sind wir nun zu dem Entschluss bzw. zur Feststellung gekommen, dass der gestrige, von uns gesichtete, Bär eindeutig ein Grizzly war. Zu erkennen eigentlich immer an seinem markanten Buckel, den die Schwarzbären nicht haben. Das nur zur Klarstellung.


Heute stehen wir schon sehr zeitig auf, wollen wir doch den Athabasca Gletscher bei günstiger Sonneneinstrahlung, blauen Himmel und möglichst ohne größere Menschenaufläufe besichtigen.


Ich bereite, während sich Heidi fahrfein macht, unsere Frühstückspakete vor. Die wollen wir dann später essen - mit einem schönen Ausblick irgendwo. Eigentlich blöd von mir, denn das Frühstück können wir ja auch dann zubereiten, wenn wir es essen wollen. Wir haben ja den ganzen Haushalt immer dabei.


Na ja, nun ist es auch zu spät. 6:30 Uhr fahren wir noch schnell nach Jasper um zu tanken. Wir bezahlen bei Petrol Canada nur unschlagbare $1,34 für den Liter. Dann geht es den Icefield Parkway 100 km bis zum Columbia Icefield, der Heimat des Athabasca Gletschers.


Die Strecke ist wirklich fantastisch, Heidi ist schussbereit für den ersten sich zeigenden Bären - die Gegend neben der Straße ist prädestiniert für Futter suchende Bären. Zunächst müssen wir uns aber mit Deers zufrieden geben, die in aller Seelenruhe am Rand äsen. Wahrscheinlich haben sie die ganzen Bären verjagt. Die Berge, Seen und Flüsse, die sich nach jeder Kurve neu aufbauen, lassen uns aus dem Staunen kaum heraus kommen.

Es ist noch schön leer auf den Straßen und obwohl wir Pausen für Fotostopps erst auf der Rücktour einlegen wollen, kommen wir schnell von dem Vorhaben ab und müssen einfach anhalten. Vielleicht ist es auf der Rückfahrt nicht mehr so schön.


Die Straße des Icefield Parkway muss nach ca. 50 km dem vergangenen Winter wohl Tribut zollen. Der Asphalt ist oft gerissen, Geschwindigkeiten höher als 50 km/h lassen unser Wohnmobil durchrütteln.


Nach 100 Minuten erreichen wir den Parkplatz des Columbia Icefields. Er befindet sich in 1920 m Höhe und ist um die jetzige Zeit noch leer. Allerdings stehen noch viele Wohnmobile herum, die die Nacht dort verbracht haben müssen. Es gibt schlechtere Stellen, als die mit dem Blick auf einen Gletscher.

Wir parken so ein, dass wir nachher unser Frühstück mit Blick auf den Gletscher einnehmen können. Dann machen wir uns, bei strahlend blauem Himmel auf den Weg.


Zuerst geht es eine Straße - die im Moment für Autos gesperrt ist - zum Parkplatz des Trail Heads, dann sind es noch ca. zwei Kilometer Rundweg zum Fuß des Gletschers. Der Athabasca Gletscher ist wie der Matanuska in Alaska ein sogenannter Valley Glacier. Er hat sich in den vergangenen 100 Jahren dramatisch zurück gezogen, stellt sich aber immer noch imposant dar. Er glitzert weiß-blau in der Sonne, die Seen um ihn herum sind teilweise noch gefroren.

Nach 90 Minuten sind wir wieder zurück und statten noch dem Columbia Icefield Center einen Besuch ab. Dort ist man aber nur darauf bedacht, sündhaft teure Gletschertouren mit inkludiertem Zugang zum Glacier Skywalk zu verkaufen.


$99 kostet der Spaß pro Person, dafür kann man eine halbe Stunde auf dem Gletscher mit 50 anderen Personen herumlaufen.


Nach unserem Frühstück mit Gletscherblick fahren wir wieder zurück Richtung Jasper. Wir stoppen erst an den Sunwapta

- und später an den Athabasca Falls. Beide Wasserfälle sind sehr schön, wobei der Athabasca Fall größer ist und wir mehr Möglichkeiten haben umherzulaufen.

Unser letzter Programmpunkt für heute soll die Wanderung im Valley of the Five Lakes - Tal der fünf Seen - sein. Es ist 14:00 Uhr, die Sonne scheint unerbittlich auf uns herunter und als wir sehen, dass der Rundweg mit 4,2 km angegeben ist, verlässt uns erst einmal die Lust.


Wir ziehen uns zur Beratung ins Innere unserer Behausung zurück und verzehren das restliche Frühstück. Mit knapper Mehrheit entscheiden wir uns dann doch für diesen Trail.


Es geht zunächst durch Wald - meist bergauf, wenn bergab dann aber nur kurz. Einigen wenigen aus unserer Reisegruppe ist jedoch eine unbändige Freude auf diese Wanderung nicht aus den Gesichtern abzulesen.Mittlerweile beträgt der Anstieg auch schon mal 20%, eigentlich geht es die ganze Zeit NUR bergauf und NIE bergab.


Bis zum Schluss. Von Seen ist auch weit und breit nix zu sehen, ab und zu mal ein Tümpel. Oder sind das die Seen? Wir schwitzen und hoffen, da wir schon eine ganze Weile allein durch die Gegend tappen, dass uns die Bären nicht allzu attraktiv finden. Doch wie ist es im Leben, vor den Erfolg hat der liebe Gott den Fleiß (oder Schweiß?) gesetzt.


Plötzlich taucht er vor uns auf: The Fifth Lake - der fünfte See. Was für ein Wow-Erlebnis. Solch einen See habe ich noch nie gesehen. Eingerahmt von Wald und im Hintergrund von Bergen bewacht, strahlt er in tiefgrüner bis türkiser Farbe. Da kein Wind weht ist er ganz still, nur ein paar Fische springen ab und zu aus dem Wasser. Jetzt haben alle wieder gute Laune.


Es ist schon erstaunlich, was die Natur so zu bieten hat. Es folgen der vierte und der dritte See. Beide Seen stehen dem fünften in nichts nach. Awesome oder Amazing - wie die Amis zu sagen pflegen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Am dritten See stehen dann unsere ersten Red Chairs. Wer nicht weiß was das ist - googlen. Wir rasten auf ihnen und genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit und natürlich diese einmalige Schönheit.

Der zweite See ist etwas langweilig, da farblos und vom ersten sehen wir nicht viel. Erschöpft kommen wir nach fünf Kilometern und gewonnenen 1,4 l Bier wieder an unseren Ausgangspunkt zurück.


Kurz vorher treffen wir eine Gruppe Japaner - einen Mann und vier Frauen. Die Frauen sind alle zurechtgemacht als gehe es in die Oper. Fehlen nur noch High Heels. Wie lange es denn bis zum First Lake dauere, muss der Mann übersetzen. Mmmh, 10 Minuten vielleicht, entgegne ich.


Breites Entsetzen macht sich in den Gesichtern der Grazien bereit. Ich setze noch einen drauf und erkläre, dass die Seen 3-5 viel schöner seien. Es setzt ein vielstimmiges, kreischendes Sprachgezeter ein. Es gilt dem Mann, er schaut mich hilflos an, ich zucke nur die Schultern und wünsche viel Spaß bei der Wanderung.


Die Gruppe folgt uns, allerdings nicht zum Ausgang. Vielleicht laufen sie ja Richtung See Nummer fünf. Wir werden es in diesem Leben leider nicht erfahren, ob der junge Mann die nächsten Stunden überlebt.


Wir benötigten für die gesamte Strecke, ohne Pausen gerechnet, 1h 47m. Morgen haben wir bestimmt Muskelkater. Mit diesem Wissen fahren wir noch einmal nach Jasper. Wir tanken, heben Geld ab und wollen im Visitor Center den gestrigen Reisebericht absenden.


Allerdings will sich mein Notebook nicht mit dem angebotenen WLAN verbinden. Abends essen wir Nachos mit Hühnchen, trinken noch einen Schluck und lassen den Abend am Feuer ausklingen.


Bei strahlend blauen Himmel und Schäfchenwolken. Zumindest bis es dunkel ist. Und die blöden Rehe haben die armen Bären verjagt, na ja vielleicht klappt es ja morgen, da fahren wir die gleiche Strecke wieder, nur diesmal weiter bis Lake Louise.


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