top of page

Meine ganz persönlichen Top 20 

19.

#

Prag

Eine Stadt, mit der ich viel mehr verbinde als alte Häuser, prachtvolle Plätze und eine berühmte Brücke.

Prag ist für mich ein Stück Jugend, ein Stück Freiheit und eine Erinnerung, die mich bis heute begleitet.

Ostern 1978. Ich lebe in der DDR, bin jung und neugierig auf die Welt, die hinter den Grenzen beginnt. Eine Reise nach Prag ist damals mehr als ein paar Tage Tapetenwechsel. Sie ist ein Blick hinaus, ein Gefühl von Aufbruch und die Ahnung, dass die Welt größer ist, als es der Alltag zu Hause manchmal vermuten lässt. Diese erste Reise prägt mich – und sie bekommt in meinem Leben einen ganz besonderen Platz.


Ein Ort spielt dabei eine wichtige Rolle: U Fleků. Die traditionsreiche Prager Brauerei ist nicht einfach nur ein Gasthaus, in dem Bier ausgeschenkt und böhmisch gegessen wird. Für mich ist sie mit der Musik, der Blues-Szene und dem Lebensgefühl jener Zeit verbunden. Hier treffen Welten aufeinander, und für einen jungen Menschen aus der DDR fühlt sich das nach einem Stück Freiheit an. Musik wird zum gemeinsamen Nenner, auch dort, wo politische Grenzen Menschen voneinander trennen.


Doch Prag besteht für mich nicht nur aus Erinnerungen an die Jugend. Die Stadt hat auch unabhängig davon eine unglaubliche Ausstrahlung. Die Moldau, die Karlsbrücke, die verwinkelten Gassen der Altstadt und die Silhouette der Prager Burg ergeben ein Stadtbild, das mich immer wieder fasziniert. Überall begegnet man Geschichte, von der Astronomischen Uhr am Altstädter Ring bis zu den verwinkelten Straßen der Kleinseite. Und manchmal genügt es, einfach über eine Brücke zu gehen und auf die Stadt zu schauen.


Die Stadt wirkt an manchen Ecken beinahe märchenhaft, an anderen ganz bodenständig. In den alten Kneipen und Cafés scheint die Zeit manchmal langsamer zu vergehen. Man kann durch die Gassen streifen, irgendwo einkehren, ein Bier trinken und sich vorstellen, welche Geschichten diese Mauern schon erlebt haben.


Prag ist für mich eine Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Ich entdecke ihre Schönheit heute mit anderen Augen als damals – aber die Erinnerungen von 1978 reisen immer mit. Und während ich über die Karlsbrücke schlendere oder in einer alten Kneipe sitze, denke ich manchmal daran, wie jung ich damals bin und wie viel größer mir die Welt plötzlich erscheint.


Vielleicht ist genau das der Grund, warum Prag für mich eine Lieblingsstadt bleibt: Andere Orte schenken mir schöne Reiseerlebnisse. Prag schenkt mir zusätzlich ein Stück meiner eigenen Geschichte. Und das ist etwas, das keine Sehenswürdigkeit der Welt ersetzen kann.

bottom of page