Meine ganz persönlichen Top 20
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Namibia


Es gibt Länder, in denen man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten fährt. Und dann gibt es Namibia.
Ein Land, in dem manchmal schon die Straße selbst zum Erlebnis wird, in dem man stundenlang durch eine scheinbar endlose Landschaft fährt und sich fragt, ob hinter der nächsten Kurve überhaupt noch etwas kommt. Und wenn dann doch etwas kommt, ist es oft so beeindruckend, dass ich am liebsten sofort wieder anhalten würde.
Was ich an Namibia schätze, ist vor allem die Weite. Hier kann ich unterwegs sein, ohne dass hinter jeder Kurve gleich ein Dorf, eine Tankstelle oder ein Supermarkt auftaucht. Stattdessen gibt es Landschaften, die sich scheinbar bis zum Horizont erstrecken. Die Kalahari mit ihren roten Sandflächen, die gewaltige Namib-Wüste und die bizarren Felsformationen lassen mich immer wieder staunen. Manchmal braucht es gar keine große Sehenswürdigkeit. Es reicht, einfach anzuhalten, auszusteigen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.
Natürlich ist Namibia kein Land, in dem man mal eben von A nach B fährt. Die Entfernungen sind groß, und viele Straßen bestehen aus Schotter. 260 Kilometer Gravelroad auf dem Weg in die Namib Desert – das klingt für manche vielleicht nach einer Strafe, für mich gehört es zum Abenteuer. Vorausgesetzt, das Auto hält durch und die Reifen machen mit. Denn irgendwann lernt man, dass auf solchen Strecken nicht nur die Landschaft, sondern auch die Technik eine Hauptrolle spielt.
Die Namib-Wüste war für mich eines der großen Erlebnisse dieser Reise. Diese gewaltigen Sandlandschaften, die wechselnden Farben und die besondere Stimmung lassen einen schnell vergessen, wie klein man selbst ist. Hier gibt die Natur den Ton an. Man kann planen, rechnen und organisieren, so viel man möchte – am Ende bestimmen trotzdem das Wetter, die Entfernungen und die Gegebenheiten vor Ort, wie der Tag verläuft.
Ein ganz anderes Abenteuer erwartete uns im Etosha-Nationalpark. Hier dreht sich vieles um die Tiere. Man fährt durch die Landschaft, hält Ausschau und weiß nie genau, was hinter der nächsten Biegung wartet. Löwen, Elefanten und andere Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, ist etwas völlig anderes, als sie im Zoo hinter einem Zaun zu sehen. Plötzlich wird aus einer scheinbar unspektakulären Fahrt ein aufregendes Erlebnis, weil irgendwo Tiere auftauchen. Und dann heißt es: anhalten, beobachten, fotografieren – und hoffen, dass die Tiere nicht ausgerechnet dann verschwinden, wenn man die Kamera endlich richtig eingestellt hat.
Ich mag diese Mischung aus Geduld und Überraschung. Nicht alles lässt sich erzwingen. Manchmal wartet man lange und sieht wenig, manchmal passiert innerhalb weniger Minuten mehr, als man erwartet hätte. Gerade das macht eine Safari für mich so spannend.
Auch die Kalahari hat ihren ganz eigenen Charakter. Der Giants Playground mit seinen bizarren Felsformationen und der Köcherbaumwald zeigen, wie ungewöhnlich die Landschaften Namibias sein können. Dazu kommen die Sonnenuntergänge, bei denen der Himmel in Farben leuchtet, die man zu Hause kaum für möglich hält. Wenn dann noch ein Sundowner dazukommt, versteht man schnell, warum diese Kombination in Namibia fast schon zum Lebensgefühl gehört.
Und natürlich darf das Braai nicht fehlen. Nach einem langen Fahrtag draußen sitzen, etwas Leckeres auf den Grill legen und den Abend in der Weite des Landes ausklingen lassen – das ist für mich eine der schönsten Seiten des Reisens. Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Ein gutes Essen, ein Getränk, angenehme Gesellschaft und ein Himmel, der einem zeigt, wie viele Sterne es tatsächlich gibt.
Namibia hat außerdem eine Geschichte, die sich nicht ignorieren lässt. Die Spuren der deutschen Kolonialzeit sind an manchen Orten noch deutlich sichtbar, etwa in Swakopmund. Der Anblick deutscher Straßennamen und Architektur mitten in Afrika ist zunächst ungewohnt. Gleichzeitig erinnert er an ein schwieriges Kapitel der Geschichte, das man nicht nur aus der Perspektive der eigenen Vergangenheit betrachten sollte.

