Meine ganz persönlichen Top 20
8.
#
Malaysia


Malaysia stand lange Zeit überhaupt nicht auf meiner persönlichen Wunschliste
Ich hatte das Land irgendwie als zu sauber, zu ordentlich und vielleicht auch ein bisschen zu langweilig abgespeichert. Wenn ich an Südostasien dachte, kamen mir eher Thailand oder Laos in den Sinn. Malaysia? Na ja, irgendwann vielleicht einmal.
Zum Glück bin ich gelegentlich bereit, meine Vorurteile zu überprüfen. Nach längeren Recherchen wurde ich neugieriger, Heidi war schnell überzeugt, und plötzlich saß ich über der Reiseplanung. Kuala Lumpur, Regenwald, Teeplantagen, Penang, Langkawi – das klang inzwischen doch ziemlich verlockend. Und wie das bei mir so ist, wenn mich erst einmal das Reisefieber packt, wird geplant, gerechnet und organisiert, bis eine vernünftige Route steht. Vernünftig heißt dabei natürlich, möglichst viel zu sehen, ohne jeden Tag nur im Auto zu sitzen. Ganz ohne Kilometerfressen geht es bei mir allerdings selten.
Malaysia hat mich vor allem durch seine unglaubliche Vielfalt begeistert. In Kuala Lumpur stehe ich zwischen modernen Wolkenkratzern, geschäftigen Straßen und bunten Märkten. Die Stadt ist modern und international, gleichzeitig begegnen mir überall unterschiedliche Kulturen und Religionen. Wenige Schritte reichen manchmal, um aus einer glitzernden Einkaufswelt in ein völlig anderes Viertel einzutauchen.
Und dann ist da das Essen! Wer mich kennt, weiß, dass ich mich auch kulinarisch gern auf Entdeckungsreise begebe. In Malaysia treffen malaiische, chinesische und indische Einflüsse aufeinander. Garküchen, Food Streets und kleine Restaurants machen es einem leicht, immer wieder etwas Neues zu probieren. Manchmal weiß ich vorher nicht genau, was auf dem Teller landen wird. Aber genau dafür bin ich schließlich unterwegs. Und wenn es schmeckt, ist mir der Name fast schon egal.
Ganz anders präsentiert sich der Taman Negara. Hier wartet der tropische Regenwald mit seinen Geräuschen, seiner üppigen Vegetation und einer Natur, die sich deutlich von unserem heimischen Wald unterscheidet. Auf dem Canopy Walkway geht es hoch hinaus, und spätestens dort wird klar, dass ein Regenwald nicht einfach nur aus ein paar Bäumen besteht. Er ist eine eigene Welt. Ich finde es faszinierend, solche Gegensätze innerhalb einer einzigen Reise erleben zu können.
Die Cameron Highlands zeigen wiederum eine ganz andere Seite Malaysias. Statt tropischer Hitze erwarten mich grüne Hügel, Teeplantagen und Landschaften, die fast schon unwirklich aussehen. Die endlosen Reihen der Teesträucher ziehen sich über die Hänge, und plötzlich fühlt sich Südostasien ganz anders an, als ich es mir vorgestellt hatte.
Besonders gut gefallen hat mir auch Penang mit George Town. Hier treffen koloniale Architektur, chinesische Tempel, Little India und moderne Street Art aufeinander. Ich kann durch die Straßen laufen, an jeder Ecke etwas entdecken und mich dabei wunderbar treiben lassen. Gerade solche Städte mag ich: Orte, die nicht nur aus einzelnen Sehenswürdigkeiten bestehen, sondern ihren eigenen Charakter haben. Man muss nicht ständig auf die Uhr schauen. Oft reicht es, einfach weiterzugehen und neugierig zu bleiben.
Auf Langkawi warten dann wieder ganz andere Erlebnisse. Die Fahrt mit der Cable Car, die spektakuläre Aussicht von der Sky Bridge und die Mangrovenlandschaft des Kilim Geoforest Park zeigen, wie abwechslungsreich die Insel ist. Zugegeben, bei der Seilbahn hätte ich mir stellenweise etwas weniger Nervenkitzel gewünscht. Aber hinterher kann man schließlich behaupten, man hätte sich der Herausforderung gestellt. Und die Aussicht war tatsächlich grandios. Heidi und ich haben dabei durchaus unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Bewegung für eine schöne Aussicht erforderlich ist. Zum Glück gibt es gelegentlich Alternativen, bei denen nicht jeder Höhenmeter zu Fuß bewältigt werden muss.
Was mich an Malaysia besonders beeindruckt, ist das Zusammenspiel der verschiedenen Kulturen. Malaiische, chinesische und indische Einflüsse prägen den Alltag, die Architektur, die Religionen und natürlich das Essen. Diese Vielfalt ist nicht bloß eine touristische Attraktion, sondern gehört ganz selbstverständlich zum Leben im Land. Ich finde es spannend, durch solche unterschiedlichen Welten zu reisen und dabei immer wieder neue Eindrücke zu sammeln.
Natürlich läuft auch auf einer Malaysia-Reise nicht alles nach Plan. Flüge verschieben sich, Unterkünfte überraschen einen auf eine Weise, die man sich vorher nicht unbedingt gewünscht hat, und bei der Routenplanung muss man gelegentlich Kompromisse machen. Aber seien wir ehrlich: Wenn immer alles glattliefe, hätte ich hinterher deutlich weniger zu erzählen.
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die mir Malaysia so sympathisch macht. Ich bekomme moderne Großstädte, dichten Regenwald, grüne Teeplantagen, historische Viertel, Inseln und Strände – und das alles innerhalb einer Reise, die sich wunderbar mit dem Mietwagen und ein paar zusätzlichen Flügen gestalten lässt.
Malaysia hat meine ursprüngliche Einschätzung gründlich über den Haufen geworfen. Aus einem Land, das ich zunächst für wenig aufregend hielt, wurde ein Reiseziel, das mich mit seiner Vielfalt, seinen Landschaften und seiner kulturellen Mischung überrascht hat.
Ich muss nicht jedes Land zum absoluten Lieblingsland erklären. Aber ich freue mich immer, wenn ein Reiseziel meine Erwartungen übertrifft und ich hinterher sagen kann: Gut, dass wir das gemacht haben!
Und Malaysia ist für mich genau so ein Fall. Manchmal muss man eben erst hinfahren, bevor man merkt, was man beinahe verpasst hätte.

