Meine ganz persönlichen Top 20
7.
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Kanada


Wenn ich an Kanada denke, kommen mir zuerst die Weite, die gewaltigen Landschaften und dieses Gefühl in den Sinn, dass hinter der nächsten Kurve schon wieder etwas völlig Neues warten könnte.
Kanada ist riesig, und selbst auf einer längeren Reise kratzt man eigentlich nur an der Oberfläche. Man kann wochenlang unterwegs sein und hat trotzdem längst nicht alles gesehen. Für jemanden wie mich, der gern mit dem Mietwagen auf Entdeckungstour geht, ist das natürlich ein ziemlich überzeugendes Argument.
Unsere erste große Kanadareise führte uns in den Westen. Vancouver, die Küste, gewaltige Berge, türkisfarbene Seen, Wasserfälle und die Rocky Mountains – schon die Namen wecken bei mir Fernweh. Auf dem Programm standen unter anderem der Wells Gray Provincial Park, der Mount Robson, der Jasper-Nationalpark und die berühmte Icefields Parkway.
Was mich dort besonders beeindruckt hat, war die Natur. Berge, die scheinbar endlos in den Himmel wachsen, Seen mit Farben, die man kaum für echt hält, und Straßen, auf denen schon die Fahrt zum eigentlichen Ziel zum Erlebnis wird. Manchmal möchte man alle paar Kilometer anhalten, weil die Aussicht schon wieder schöner ist als die vorherige. Das ist für einen Fotografen wunderbar, für den Zeitplan gelegentlich eine Katastrophe.
Die Rocky Mountains sind für mich genau die Art von Landschaft, die man nicht einfach nur anschauen kann. Man muss sie erleben. Die gewaltigen Dimensionen, die frische Luft und die Mischung aus Bergen, Wäldern und Wasser machen etwas mit einem. Und spätestens wenn man vor einem riesigen Gletscher steht, wird einem bewusst, wie klein man selbst eigentlich ist.
Auch Vancouver hat mir gefallen. Die Stadt verbindet modernes Großstadtleben mit der Nähe zur Natur. Man kann durch die Straßen schlendern und ist trotzdem nicht weit von Bergen, Wäldern und dem Wasser entfernt. Diese Kombination finde ich ausgesprochen reizvoll.
Sieben Jahre später ging es erneut nach Kanada. Diesmal wollten wir eine andere Seite des Landes kennenlernen. Statt der Rocky Mountains standen Nova Scotia, Cape Breton und vor allem Neufundland auf dem Programm.
Und plötzlich war Kanada wieder ein ganz anderes Land.
Die zerklüfteten Küsten, kleine Orte, Leuchttürme, der Atlantik und die raue Landschaft haben ihren ganz eigenen Charme. Hier geht es weniger um schneebedeckte Gipfel und türkisfarbene Bergseen, sondern um das Meer, den Wind und eine Natur, die manchmal ziemlich ungemütlich sein kann. Dazu kommen Nebel, Regen und Wetterwechsel, die einem gelegentlich einen Strich durch die Rechnung machen.
Twillingate im Regen und Nebel – das klingt zunächst nicht unbedingt nach dem Höhepunkt einer Traumreise. Aber genau solche Erlebnisse gehören dazu. Ich kann schließlich nicht erwarten, dass die Natur jeden Morgen den blauen Himmel bestellt, nur weil ich extra aus Deutschland angereist bin.
Besonders spannend fand ich die Welt der Eisberge, Wale und Papageitaucher. Neufundland ist ein Ort, an dem die Natur den Takt vorgibt. Man kann planen, hoffen und sich auf etwas freuen – aber ob sich die Tiere zeigen und das Wetter mitspielt, entscheidet sich nach anderen Regeln als denen meines Reiseplans.
Dazu kommen die kleinen Küstenorte mit ihren bunten Häusern und ihrer besonderen Atmosphäre. Hier wirkt vieles ursprünglicher und abgelegener als in den großen Städten. Ich mag solche Gegenden, in denen man nicht an jeder Ecke das Gefühl hat, dass alles für Touristen inszeniert wurde.
Ich mag die Freiheit, mit dem Mietwagen unterwegs zu sein und die Route immer wieder mit neuen Entdeckungen zu füllen. Ich mag die Landschaften, die sich ständig verändern, und die Tatsache, dass man auch nach mehreren Wochen noch das Gefühl hat, erst einen kleinen Teil des Landes kennengelernt zu haben.
Ich mag es, wenn ich morgens noch nicht genau weiß, welcher Ort mich am Ende des Tages am meisten beeindrucken wird. Manchmal ist es eine berühmte Sehenswürdigkeit, manchmal ein Wasserfall am Straßenrand, ein überraschender Ausblick oder ein kleiner Ort, den ich vorher kaum auf dem Schirm hatte.

