Meine ganz persönliche Top 20
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2.
Indien


Warum ich Indien liebe.
Indien ist etwas ganz Besonderes. Kaum ein anderes Land hat mich so gefordert, überrascht, zum Staunen gebracht und manchmal auch an meine Grenzen geführt. Indien ist laut, chaotisch, bunt, widersprüchlich und gelegentlich schlichtweg anstrengend. Und genau das macht es für mich so faszinierend.
Schon in Delhi wird klar, dass hier andere Regeln gelten. Der Verkehr scheint einem eigenen, für Außenstehende kaum nachvollziehbaren System zu folgen, überall wird gehupt, gedrängelt und improvisiert. Kühe stehen mitten auf der Straße, Rikschas kämpfen sich durch enge Gassen, und auf den Märkten herrscht ein Gewusel, bei dem ich manchmal nicht weiß, wohin ich zuerst schauen soll. Ruhe und Ordnung? Fehlanzeige! Aber Langeweile? Die kommt garantiert nicht auf.
Was mich besonders beeindruckt, sind die Menschen. Ich erlebe viele freundliche, neugierige und herzliche Begegnungen. Kinder sprechen mich an, Menschen winken mir zu, und bei einer indischen Hochzeit werde ich kurzerhand zum Mittanzen aufgefordert. Solche Erlebnisse kann man nicht planen. Sie passieren einfach – und bleiben im Gedächtnis.
Gleichzeitig begeistert mich die unglaubliche Vielfalt des Landes. Prächtige Paläste, gewaltige Festungen, kunstvoll verzierte Tempel und jahrhundertealte Havelis erzählen von einer bewegten Geschichte. Städte wie Jaipur, Jodhpur und Jaisalmer haben mich mit ihren Farben, ihrer Architektur und ihrer ganz eigenen Atmosphäre in ihren Bann gezogen. Hinter jeder Ecke wartet etwas Neues, und oft genug stehe ich einfach nur da und staune.
Natürlich sehe ich auch die andere Seite Indiens. Armut, Müll, Smog, schwierige hygienische Verhältnisse und die enormen sozialen Gegensätze gehören ebenso zum Alltag wie die prachtvollen Bauwerke und die farbenfrohen Märkte. Nicht alles gefällt mir, manches macht mich nachdenklich, und gelegentlich bin ich froh, wenn ich dem Trubel für eine Weile entkommen kann. Ich möchte Indien schließlich nicht durch eine rosarote Touristenbrille betrachten.
Und genau hier liegt für mich der Reiz: Indien ist kein Land, das es einem leicht macht. Es lässt sich nicht einfach in eine Schublade stecken, und es funktioniert häufig ganz anders, als ich es gewohnt bin. Ich muss mich darauf einlassen, beobachten, vergleichen und manchmal auch meine eigenen Vorstellungen hinterfragen.
Nach meiner Reise 2024 war ich mir zunächst gar nicht sicher, ob ich noch einmal nach Indien reisen wollte. Das Land hatte mich begeistert, aber auch ziemlich geschafft. Zu laut, zu chaotisch, zu intensiv – manchmal war es einfach zu viel des Guten. Trotzdem ließ mich Indien nicht los. Denn selbst wenn ich mich über etwas ärgere, gibt es kurz darauf wieder eine Begegnung, einen Anblick oder einen Moment, der mich versöhnt und zum Staunen bringt.
Vielleicht ist es genau das, was Indien für mich ausmacht: Ich muss nicht alles mögen, um ein Land faszinierend zu finden. Ich muss mich nicht überall wohlfühlen, um mich an eine Reise gern zu erinnern. Und ich muss auch nicht jede Erfahrung wiederholen wollen, um dankbar dafür zu sein, sie gemacht zu haben.
Indien ist für mich kein Land zum bloßen Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Es ist ein Land, das mich packt, aufwühlt, überrascht und zum Nachdenken bringt. Ein Land voller Gegensätze, das mich manchmal ratlos zurücklässt und mich im nächsten Moment wieder begeistert.

